Fussball in England Das Beckham-DilemmaSeite 2/2

Ein Phänomen, dem man auch in Deutschlands Fußballgeschichte häufig begegnen konnte: Spielern wie Karl-Heinz Rummenigge und Lothar Matthäus war zu WM-Turnieren ein Platz im Team garantiert, obwohl sie ihn nicht verdient hatten – sei es wegen Verletzung oder aufgrund nachlassender Fähigkeiten. Unter Jürgen Klinsmann wurde damit aufgeräumt. Capello muss Gleiches für England gelingen, will er die langen Jahre der Erfolglosigkeit beenden.

Als Beckham sich im vergangenen Jahr für Hollywood und die Gage von 128 Millionen Pfund in 5 Jahren entschied, schien sich das Problem der Nationalelf bereits von selbst erledigt zu haben. Nur wenige beklagten damals das Ende seiner Karriere in der Nationalmannschaft. Bezeichnenderweise war kein führender Klub der englischen Premierleague daran interessiert, den „Galaktico“ zu verpflichten, den Real Madrid gehen ließ.

Doch was danach geschah, beweist die Stärke des Mythos, zu dem Beckham geworden ist. Wie schnell sich der Wind im vergangenen Jahr drehte. Die englischen Fans, die Beckham nach der verkorksten WM 2006 als zu alt und zu langsam abgeschrieben hatten, lagen ihm 2007 wieder zu Füßen. Der Flankengott wurde, voreilig, wie sich letztlich nach der verpatzten EM-Qualifikation herausstellte, zum Retter hochgejubelt, von Massenmedien wie Öffentlichkeit. Warum? Weil er in einem Freundschaftsspiel gegen Brasilien eine Freistoßvorlage gab, die zu einem Tor führte. Und weil er in der nächsten Begegnung gegen Estland gleich zwei Flanken schlug, die zu Toren führten – gegen Estland, eine Mannschaft, die zu den schwächsten Europas zählt.

Aber Capello muss vorsichtig sein: England wird vor großen Fußballereignissen regelmäßig von euphorischen Wallungen erfasst, in der selbst Journalisten jeglichen Sinn für die Realität verlieren. Wunderdinge werden von der eigenen Mannschaft erwartet, ihre Spieler zu den besten der Welt hochstilisiert und eine Lichtgestalt wie Beckham zum Garanten des Erfolgs gelobt. Wider alle Erfahrung und Vernunft. Alle Einwände, die gegen ihn sprechen, der Mangel an Spielpraxis, das niedrige Niveau der amerikanischen Liga, die unterschiedlichen Zeitzonen, die langen Flüge, das fortgeschrittene Alter, seine zahlreichen geschäftlichen Verpflichtungen, könnten nach dem Spiel gegen die Schweiz erneut beiseite gewischt werden und Capello noch einmal zu schaffen machen.

Zumal garantiert ein hohes Maß an Sentimentalität dazukommt. Beckam, man kann es nicht verhehlen, ist ein netter Typ, der ungeheuer verbissen trainiert hat, um noch einmal für England spielen zu können. Dazu kommt sein gutes Aussehen, sein gewinnendes Lächeln und die freundliche, erstaunlich bescheidene Ausstrahlung, die vieles verzeihen lässt. Zum Beispiel den absurden Konsum der Beckhams, die geschmacklosen Tätowierungen, die er zuletzt am Strand von Brasilien zur Schau stellte und die endlosen Shoppingtrips an der Seite seiner Ehefrau Victoria Beckham.

Die Engländer möchten ihren Sonnyboy einfach nicht leiden sehen. Auch wenn die Zahl von 99 Länderspielen angemessen wäre für seine Leistung. Der Abschied von der Ikone wird sich wohl noch eine Weile hinziehen.

 
Leser-Kommentare
    • RobJir
    • 05.02.2008 um 13:00 Uhr
    1. Falsch

    Der Autor dieses Artikels hat offensichtlich wenig Ahnung von Fußball. Beckhams Wechsel nach LA hin oder her, er wurde nicht umsonst zweimal Zweiter bei der Wahl zum Weltfußballer des Jahres. Desweiteren könnte man ja mal die Leistungen der englischen Nationalmannschaft mit und ohne ihm vergleichen: Im Spiel gegen Kroatien konnte Beckham dem englischen Spiel in der zweiten Halbzeit entscheidene Impulse geben und so aus einem 2-0 Rückstand noch ein zwischenzeitliches 2-2 zaubern. Außerdem konnte England während der EM-Qualifikation unter McLaren (als Beckham noch auf der königlichen Bank in Spanien saß) nichtmal gegen Fußballzwerge gewinnen. Das gleiche in Madrid: Mit Beckham spielte Real deutlich besser als ohne.Ich denke einfach, dass Herr Jürgen Krönig hier nur einen Spieler defamiert, weil dieser schon zu einer Art Popfigur des Fußballs wurde, doch das ändert weder etwas an seiner genialen Schusstechnik noch an seiner Kreativität.

  1. .. anders kann man es nicht sagen. Es ist reine Blasphemie, was der Autor dieses "Sachtextes" von sich gibt und zeugt von mangelndem Sachverstand, wie mein Vorredner bereits richtig bemerkt hat. Wann haben sie Herr Krönig eigentlich jeglichen Sinn für die Realität verloren? Beckham ist nach wie vor wohl das beste, was der englische Fußball zu bieten hat, nebenbeibemerkt wohl der beste midfielder auf rechts weltweit, Capello ist nach wie vor der selbe Clown, der er zu seiner Juve-Zeit, als er den Superstar und Kopf der Mannschaft Alex Del Piero ausbotete, und zu der Zeit bei Real Madrid, während der er Ronaldo und eben Becks aus dem Team kickte und schlussendlich vergraulte - bei beiden ein Riesenfehler. Real stünde mit becks und Ronnie noch besser da, als sie es in dieser Saison ohnehin schon tun. England braucht die Ideen eines Beckham, die Flanken, die Freistöße, die Präsenz auf dem Platz, seine Bereitschaft, sich den Arsch aufzureißen, alles Eigenschaften, die Spielertypen wie Lampard oder Joe Cole - ohne Zweifel wichtige Bestandteile der Three Lions - zuweilen abgehen. Beckham muss spielen, und zwar als Spielgestalter, als Leader, als Captain. Es ist am besten für Squad und Nation, wenn er die Lions als Capitano, wie stronzo Fabio sagen würde, auf Feld führt und dabei als Lichtgestalt des englischen Fußballs erstrahlt. In diesem Sinne Rock´n`RollBecks you´ll never walk alone!

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