Google / Microsoft Die Suchmaschine schlägt zurück

Dominiert Microsoft bald auch das Internet? Geschickt bedient Google das alte Feindbild im Kampf gegen eine Übernahme von Yahoo.

Kaum hatte der Softwarekonzern Microsoft am Freitag sein Vorhaben bekannt gemacht, das Internetportal Yahoo! übernehmen zu wollen, da meldete der Suchmaschinenbetreiber Google schwere Bedenken an. Die angestrebte Fusion werfe "beunruhigende Fragen" etwa zur Offenheit des Internets und zu möglicherweise unrechtmäßigem Einfluss im World Wide Web auf, warnte Googles Chef-Jurist David Drummond am Sonntag im offiziellen Weblog des Konzerns.

"Könnte Microsoft nun versuchen, den gleichen unangemessenen und unrechtmäßigen Einfluss über das Internet auszuüben wie beim PC?", schrieb Drummond. "Könnte der Kauf von Yahoo! Microsoft - trotz seiner Vorgeschichte von ernsthaften Verstößen gegen Gesetze und Wettbewerbsrecht - erlauben, unfaire Praktiken bei Browsern und Betriebssystemen auf das Internet auszudehnen?"

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Da ist es also wieder, das alte Feindbild Microsoft . Geschickt bediente Googles Jurist das Klischee der Krake, die sich die Ideen anderer einverleibt, um sie massentauglich zu machen, dann in alle seine Programme zu platzieren und damit schließlich unliebsame Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Und tatsächlich hatte sich Google 2006 ja erfolgreich gegen den Versuch Microsofts gewehrt, die Suchmaschine anzugreifen, indem der Softwarekonzern seinen eigenen Suchdienst MSN zum Standard seines dominierenden Webbrowsers Internet Explorer machte.

Doch diesmal geht es nicht um die kartellrechtlich bedenkliche Verbindung unterschiedlicher Software. Es geht um die Fusion zweier Konzerne, die auf diese Weise die Macht des mit Abstand Führenden auf dem Markt für Internetwerbung angreifen. Microsoft tut, was Google im Gegenzug schon häufig vorexerzierte: Der Konzern bricht in Geschäftsfelder ein, die der Konkurrent mit seinen Kernkompetenzen dominiert.

Entsprechend vergrätzt reagierte Google am Wochenende. New York Times und Wall Street Journal berichten, der Konzern habe seine Lobbyisten in Washington in Gang gesetzt, um die amerikanische Politik auf die Gefahr aufmerksam zu machen, die seiner Meinung nach von einer solchen Fusion ausgeht. Google-Chef Eric E. Schmidt soll Yahoo!-Gründer Jerry Yang in einem Telefongespräch seine Hilfe im Kampf gegen Microsoft angeboten haben.

Im Hintergrund soll der Suchmaschinenbetreiber außerdem seine Kontakte zu anderen amerikanischen Medienunternehmen nutzen, um diese zu einem Gegenangebot zu bewegen. Time Warner mit AOL wird da genannt (wohl weil Google fünf Prozent an AOL hält). Auch die Namen der News Corporation des Medienmoguls Rupert Murdoch und der Telefongesellschaft AT&T sind schon gefallen.

Keiner der möglichen Verbündeten hat sich jedoch bislang öffentlich geäußert; viele Beobachter halten ein solches Gegenangebot auch für eher unwahrscheinlich. Zu hoch ist die Offerte Microsofts. 44,6 Milliarden Dollar sind nicht ohne Weiteres zu überbieten und die Gefahr, dass der finanziell sehr gut ausgestattete Microsoft-Konzern ein Gegenangebot erneut übertrifft, ist sehr groß. Auch die Idee, die Informationen der New York Times zufolge bei Yahoo! selbst diskutiert wird, nämlich Teile des Geschäfts auszugliedern und womöglich den eigenen Suchdienst in Zusammenarbeit mit Google zu betreiben, halten Analysten für wenig realitätsnah.

Gefährlicher für Microsoft sind da schon die Wettbewerbshüter in den USA und Europa. Beide müssten einer Fusion zustimmen, und die Vergangenheit hat gezeigt, dass Microsoft vor allem in der EU auf äußerst kritische Kontrolleure trifft. Allerdings hätte ein Zusammengehen von Microsoft und Yahoo! auf dem Werbemarkt wie auch bei der Internetsuche vermutlich eher mehr als weniger Wettbewerb zur Folge. Denn zurzeit liegt Google hier unangefochten vorne, weshalb die Kartellwächter eine Fusion seiner Konkurrenten wohl weniger kritisch sehen dürften.

Das weiß man auch bei Google. Deshalb verlegen sich Sprecher der Suchmaschine nun darauf zu warnen, Microsoft und Yahoo könnten gemeinsam den Markt webbasierter E-Mail-Systeme dominieren. Daraus erwüchse Google eine tatsächliche Gefahr. Denn der Konzern versucht seit geraumer Zeit, mit seinem System G-Mail ein weiteres Standbein zu entwickeln - das sich wie die Suche ebenfalls über Werbung finanzieren und neue Gewinne bringen soll.

G-Mail verfolgt eine besondere Idee: Das System soll dauerhaft so viel Speicherplatz zur Verfügung stellen, dass ein Nutzer keine seiner jemals versandten oder empfangenen E-Mails irgendwann in seinem Leben wieder löschen muss. Auf diese Weise entsteht ein eindeutiges Profil, dass sich - so die Idee - ideal für personenbezogene Werbung nutzen ließe. Interessant wird ein solches System aber nur, wenn es eine große Reichweite hat und möglichst viele Menschen miteinander vernetzt, um aus der Kommunikation zwischen diesen Personen dann wieder auf ihre Interessen schließen zu können.

Ob allerdings das Argument eines möglichen Quasi-Web-Mail-Monopols durch Microsoft und Yahoo die Wettbewerbshüter beeindrucken kann, ist unsicher. Das Besondere am Internet ist nämlich, dass eine solche dominierende Marktmacht den Wettbewerb im Netz eher verstärkt als bremst. Sie ist im Netz besonders vergänglich. Jederzeit kann eine neue, noch bessere Technologie auf den Markt kommen, die die existierende in kürzester Frist alt aussehen lässt. Konkurrenzprodukte sind so schwer nicht zu programmieren.

Microsoft erlebt diesen Effekt beispielsweise bei seinem Webbrowser. Nachdem der Konzern den ursprünglichen Marktführer Netscape Navigator mit Gewalt vom Markt gedrückt und den Internet Explorer etabliert hatte, ist ihm im von unabhängigen Entwicklern programmierten Firefox ein starker neuer Gegner erwachsen. Allerdings hat dieser Effekt Grenzen. Google selbst markiert eine von ihnen. Der Suchmaschinenbetreiber hat nämlich mit Hilfe eben jener freien Software einen riesigen vernetzten Rechnerpark aufgebaut und gründet - neben seinem Suchalgorithmus - darauf seine Macht. Insgesamt betreibt Google 450.000 miteinander verbundene Computer. Alle laufen mit dem Open-Source-Betriebssystem Linux.

Dieser Grundkonflikt wird Microsoft weiterhin beschäftigen, auch wenn Yahoo in das Redmonder Imperium eingegliedert werden sollte: Viele gute Software, mit der der Konzern seinen größten Profit macht, wird inzwischen dezentral produziert und im Internet kostenfrei oder gegen kleine Abogebühren vertrieben, beispielsweise durch die Open-Source-Gemeinschaft. Erst wenn der Konzern für den Umgang mit diesem Phänomen eine Lösung gefunden hat, könnte er tatsächlich eine dominierende Macht im Netz werden. Zunächst aber muss er die Schlacht um Yahoo gewinnen.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. yahoo?

    wen interessiert denn schon Yahoo?! ich hab das das letzte mal vor zehn Jahren genutzt...

    • dehne
    • 04.02.2008 um 16:47 Uhr

    von andrerae: Yahoo! ist tatsächlich in den USA Marktführer. Dazu auch noch in diversen anderen Ländern.

    • iDog
    • 04.02.2008 um 23:07 Uhr

    hier erleben wir die evolution der giganten. die opensource bzw  "gemeinsam und umsonst" idee hat aber eigentlich schon laengst gewonnen und spuelt in andere bereiche des (it) lebens immer schneller und weiter hinein ... urheberrechte lassen sich in digitalen versionen von produkten schlecht erheben - die hardwaereabgabe setzt sich gegenueber DRM durch usw.... MS kann nur noch auf den zug aufspringen , was sie genau jetzt versuchen - zu spaet ? ich hoffe es mal ... allerdings empfehle ich hier auch keinem seine gesamtes email leben zb google oder anderen betreibern anzuvertrauen nur weil die sich "netterweise" anbieten das alles irgendwo fuer uns (?) abzuspeichern. .... unrealistisches modell - meiner meinung nach allenfalls fuer handy besitzende teenager ohne eigenes labtop eine kuzzeitig aktzeptabeles angebot. 10 jahre havey mailverkehr ( soweit mein experiment) lassen sich auf jedem moderen rechner ohne probleme fuer immer aufbewahren wenn man regelmaessige backups nicht vergisst.wer gestern ein mammut war verliert heute das elefantenrennen ... google ist zwar jetzt moderner , aber googles letzten tage werden auch kommen .... konsum ohne werbung ist cool... info ohne werbung ist relaxter ... kann man hier zB. eigentlich die werbung ausschalten wenn man bezahlt ? und was kostet es dann? 

  2. “Nicht
    nur staatliche Sicherheitsbehörden entwickeln derzeit eine beachtliche
    Sammelwut. Auch für den Daten-Multi Google, dessen Börsenwert
    gegenwärtig über 200 Mrd. US-Dollar beträgt, sind die persönlichen
    Informationen der Nutzer sprichwörtlich Gold wert, will er seine
    marktbeherrschende Position im Suchund Anzeigengeschäft ausbauen.”Spannender Artikel auf http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=2766

    • Chi
    • 23.09.2008 um 23:49 Uhr

    Dass die gesammelte Sammelwut mit Zugriff aufs "Disneyland des Geistes" letztlich nur der Kontrolle und Überwachung dient, auf Megafestplatten brav konserviert und im Zweifelsfall herausgeholt werden kann, werden die meisten wohl schon ahnen und fürchten...

    Kontrolliert werden soll dabei das Denken, das das Handeln bestimmt, damit man wunderbare psychologische Individualstudien von evtl. problematischen Bürgern prophylaktisch erstellen kann.

    Einzig frage ich mich, wie sie die Masse der störrischen und freien denn letzlich kasernieren wollen, wenns denn hart áuf hart käme..... also ich meine rein räumlich?

    Und eines darf man nicht vergessen, wenn man schon mal sehr besorgte Zukunftsblicke tut: Ein dumpfes Volk mit manipuliertem Denken ist nicht mehr sonderlich zu Sinnvollem zu gebrauchen... Ob das alles mitgedacht wird und ob dann eine Art elitäre Inzucht der unfreien Kreativen angestrebt würde.. und ob das denn ginge? also ich meine so geistig-evolutiv?

    Lesen heißt durch fremde Hand träumen. (F.Pessoa)

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