Informationstechnik Kampf um die Macht im Internet
Löst Google bald schon Microsoft als wichtigsten IT-Konzern ab? Die Übernahme von Yahoo könnte für den Gates-Konzern zum Fanal im Abstiegskampf werden – oder einen neuen Wettbewerb anfachen
Vielleicht wird die Übernahme Yahoos, die Microsoft plant , eines Tages als Fanal des Abstiegs in die Geschichte des Software-Konzerns eingehen. Oder als wichtiger Schritt, mit dem der Wettbewerb in einer Branche erhalten wurde, die wie kaum eine andere zu monopolistischen Strukturen neigt. Ausgemacht ist gegenwärtig weder das eine noch das andere.
Spektakulär ist der feindliche Angriff, den Microsoft gegen das Internetportal reitet, allemal. Knapp 45 Milliarden Dollar sind für den Softwarekonzern zwar vergleichsweise leicht aufzubringen. Gelingt der Deal, wäre es aber dennoch der bei weitem größte Zukauf in der Unternehmensgeschichte der Redmonder.
An der Oberfläche geht es bei diesem Geschäft darum , wer künftig wie viel von den stark wachsenden Umsätzen auf dem Werbemarkt im Internet abgreifen kann: Marktführer Google oder die kombinierten bisherigen Zweiten und Dritten, Yahoo und Microsoft.
Hinter dieser Auseinandersetzung steht jedoch die Frage, ob ein altes Geschäftsmodell, das Microsoft verfolgt, nämlich Personal Computer mit umfassenden lokalen Software-Paketen auszustatten, abgelöst wird durch schlanke, auf die Bedürfnisse der einzelnen Nutzer zugeschnittene Onlineprogramme, wie sie Google vertreibt.
Die Zeiten, in der man alle paar Jahre noch massigere Version eines Betriebssystems oder einer Bürosoftware kaufte, um sie dann am heimischen Computer zu installieren, neigen sich dem Ende zu. Heute rufen Nutzer ihre E-Mails im Webbrowser ab und speichern Daten auf virtuellen Festplatten im Netz. Sie verarbeiten online Texte, Tabellen, Bilder und müssen sich nicht mehr darum kümmern, ob ihre Software auf dem neuesten Stand ist. Vielmehr können sie in den neuen sozialen Netzwerken wie Facebook, MySpace oder StudiVZ ständig weitere kleine Programmwerkzeuge hinzufügen, teils sogar selbst entwickeln.
Na und, könnte man sagen: Konkurrenz belebt das Geschäft, dann muss Microsoft eben besser sein. Doch so einfach ist es nicht. Denn Google untergräbt mit seinen Onlineprogrammen ganz fundamental das Geschäftskonzept des Softwarekonzerns. Vieles von dem, was Microsoft teuer verkauft, ist bei Google nämlich weitgehend kostenlos oder gegen geringe Abo-Gebühren zu haben. Der Suchmaschinenbetreiber verdient sein Geld nicht damit, dass er Software vertreibt, sondern, indem er um die kostenlosen Programme herum Werbung am Bildschirmrand vertreibt.
- Datum 04.02.2008 - 02:51 Uhr
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Gegen Google hat Microsoft nur eine Chance, wenn es eine noch bessere Suchmaschine entwickelt. Der Yahoo-Kram taugt jedoch nichts, wie jeder sehen kann, der die beiden Suchmaschinen vergleicht.
Dass Microsoft jetzt für über 40 Milliarden USD mit einem Erwerb von Yahoo versucht, gegen Google die Notbremse zu ziehen, bestätigt zuerst einmal Microsofts Vortrag vor der EU, man besäße kein Monopol. Denn die zweifelsfreie bestehende Vorherrschaft bei der Betriebssoftware (Windows) wäre keineswegs ohne Konkurrenz. Google exerziert dies in der Tat vor mit im Netz gespeicherter Software. Jedenfalls solange Google damit Erfolg hat, kann mein Herz als User nur mit Google schlagen. Denn Google versucht das Erfolgsrezept der explosiven Verbreitung des (ursprünglich von der Vorstellungswelt des Universitätscampus herkommenden) Internets noch aufrechtzuerhalten: service for free. Microsoft verkauft demgegenüber an Endverbraucher seine Software so teuer, dass es allemal günstiger ist, einen neuen PC mit vorinstalliertem Windows und Office zu erwerben, da der Preis meist niedriger liegt als beim alleinigen Kauf von Vista-Update und Office (zumindest wenn man sich zu 100% vertragstreu verhält- wie beim Office für Schüler und Lehrer). Dabei hatte Microsoft selber, als man Mitte der neunziger Jahre beinahe das Internet verschlafen hatte, durch den ebenfalls „for free“ angebotenen Internetexplorer (bis dann musste man für Netscape um die 100 DM – nach damaligem Dollarkurs- berappen) an der Verbreitung des Internets maßgeblichen Einfluss; ähnliches gilt auch für den Mediaplayer (und beide Aktionen dienten eigenartigerweise den US- und EU-Kartellwächtern als Argument für einen Monopolmissbrauch!). Nur bin ich mir nicht sicher, ob Microsoft mit einem Kauf von Yahoo wirklich soviel aufs Spiel setzt, weil womöglich dessen Geschäftskonzept überholt sei. Ich befürchte vielmehr, dass wir mit immer noch „for free“ angebotenen Internetdiensten abhängig gemacht werden und dann irgendwann gar nicht mehr anders können, als auch dafür zu zahlen – wenn sich z.B. mein halbes vergangenes Leben in der (for free) gespeicherten Ablage bei Gmail (Google-Mail) spiegelt und ich gar nicht mehr anders kann, als Vorgänge meines Lebens dort zu suchen. Dieses „for free“ funktioniert doch nur solange, solange die ihre Leistungen (im Internet) anbietende Wirtschaft bereit ist, die gesamten Kosten dieser Dienste über Werbung zu tragen. Das dürfte irgendwann einmal begrenzt sein (wobei man natürlich heute auch noch nicht den Wert für Googles gesammelten Speicher von dreißigjährigen -wenn auch anonymisierten- globalen Suchverhaltens abschätzen kann). Und dann wird im Internet erst richtig verdient werden. Nur muss man dann natürlich auch an vorderster Front dabei sein und das ist Microsoft bislang nie so richtig gelungen (man vergleiche doch nur einmal Hotmail mit Gmail, wenn auch Microsoft zurzeit hier große Anstrengungen unternimmt). Wir werden sehen, ob Microsoft mit Yahoos Hilfe die Schar der sich in allen Richtungen tummelnden zwölftausend Google-Individualisten wird einholen können.
Karsten Cascais
google ist schlicht die "killerapplikation". wie microsoft es schaffen will, diese vormachtstellung zu brechen, ist mir völlig rätselhaft, zumal sie bisher nicht mit ideen und verbrauchernähe geglänzt haben. grossorganisationen wie microsoft haben zusätzlich das problem der "massenträgheit". nur geld wird da nicht reichen, den deal profitabel zu machen. andererseits hat es immer wieder beispiele gegeben, wie die vormachtstellung von quasi monopolisten zumindest angekratzt wurde. apple und linux lassen da grüssen. das kunststück allerdings traue ich ms nicht zu. dazu fehlt es an visionen und herzblut für it und internet.grüsse itac
Ich denke, das Argument mit der Trägheit trifft auf MS voll zu und wird letztendlich zum Untergang von MS führen.Auch erkenne ich bei MS keinen Strategiewechsel, obwohl doch klar ersichtlich, die alten Strategien wirken nicht mehr.Aber das ist in dieser Branche schon öfter passiert, IBM hat den Bereich der mittleren Datentechnik verpennt, Nixdorf den Einzug des PC verpennt, warum soll das bei MS jetzt anders sein.
Wieder einmal wird der mögliche kommende Untergang von Microsoft prophezeit, und wieder einmal wird´s ein Bauchklatscher. Bei den immer wieder auftauchenden Untergangszenarien bezüglich Microsoft ersetzen eigene Wunschvorstellungen stets den Sinn für die Realität. Daher kommen dann auch solche "Stilblüten" wie: "… für den Gates-Konzern zum Fanal im Abstiegskampf werden …". Abstiegskampf? Meinen Sie vielleicht diesen Abstiegskampf Herr Polke-Majewski:21.01.2008 15:00 AUSBLICK/Starkes Ergebnis bei Microsoft im 2. Quartal erwartethttp://www.faz.net/d/invest/meldung.aspx?id=67234238Die im Artikel beschriebene "Gefahr" ist keineswegs neu, sondern geisterte schon vor vier/fünf Jahren durch die Medien. Das Stichwort lautet: "Thin Client". http://www.zdnet.de/itmanager/tech/0,39023442,39159039,00.htmhttp://de.wikipedia.org/wiki/Thin_ClientDafür getrommelt wurde damals wie heute (wieder):http://www.zdnet.de/enterprise/client/0,39023248,39119670,00.htmhttp://www.cio.de/knowledgecenter/desktop_trends/834529/Durchgesetzt hat er sich nicht, und wird es auch in Zukunft nicht. Einer der wichtigsten Gründe dafür ist wohl, daß ich als Anwender die Software selbst besitzen will, um nicht von irgendeinem anonymen Admin und dessen Vorstellungen abhängig zu sein. Hinzu kommt bei diesen Thin-Clients noch die Abhängigkeit von der Bandbreite bzw. von der Auslastung der Server. Alles ein Abhängigkeitshokuspokus der für mich nie in Frage käme.Demgegenüber wurden und werden beim "Dünnen PC" von Anfang an dieselben angeblichen Vorzüge gepriesen wie etwa leichter zu transportieren, oder Energieersparnis. Erstens läuft ein Anwender nicht dauernd mit seinem Standcomputer unterm Arm rum, und wenn die Serverauslastung mal wieder bei 200% liegt, und das Schreiben mit Word 10mal so lange dauert wie normal kann man wohl auch nicht mehr von Energieersparnis reden.Auch dieses Argument "…nämlich Personal Computer mit umfassenden lokalen Software-Paketen auszustatten, abgelöst wird durch schlanke, auf die Bedürfnisse der einzelnen Nutzer zugeschnittene Onlineprogramme, wie sie Google vertreibt." kann man unter Wunschvorstellungen ablegen. Wer will denn wissen was ich für Softwarebedürfnisse habe, außer ich erkläre sie dem Betreffenden erst lang und breit. Und das mit den schlanken Programmen ist auch nur Mumpitz, weil in der Praxis in der Form gar nicht durchführbar. Bestimmt irgendein Admin was schlank ist fehlt garantiert die Hälfte der Funktionen die ich brauche, bestimme ich es heute selbst, kann schon morgen der Fall eintreten, daß ich doch noch ein paar mehr bräuchte. Zum Schluß ist die "schlanke" Version genauso groß bzw. fett wie die Vollversion auf der Festplatte. Noch mal, daß ist für den Normalanwender alles nur Hokuspokus!Für bestimmte Firmenbereiche mag das Ganze akzeptabel sein, aber das muß im Einzelfall geprüft werden, eine generelle Aussage wie: "Das ist besser …!", gibt es nicht.In sofern frage ich mich wie der Autor zu der Annahme kommt, daß sich der Besitz gängiger Software, wie etwa MS-Office, sich dem Ende nähere. Herr Polke-Majewski wird sich noch wundern, wie alt diese Form der Softwarenutzung wird. Daher ist dieses Geschäftsmodell auch nicht veraltet!(?) Im Gegenteil, wenn ich daran denke, daß bei einer Onlineversion von etwa Word ständig irgendwelche Reklame am Bildschirmrand herumflattert mit der das alles bezahlt wird, kommt mir gleich der Frühstückskaffee hoch. Nein, Danke!Wenn Google derzeit mit diesem Angebot einen gewissen Erfolg hat dann geht dieser aber nicht zu Lasten des herkömmlichen Verkaufs von Software, siehe oben, sondern die betreffenden Nutzer nutzen dies nur als zusätzliches Angebot.Auch ein Zusammengehen von Google mit der OpenSource-Gemeinschaft wird an obiger Aussage nichts ändern, das Thin-Clients nur für bestimmte Bereiche akzeptabel sind, und was OS-Software anbetrifft, sehe ich nicht was da großes passieren soll. Was gibt es denn da schon für Software? Auf anhieb fallen mir da nur ein, OpenOffice (fett und wackelig, die altbekannten Fehler aus StarOffice Zeiten haben sich noch verstärkt), Gimp (könnte man als Photoshop-Klone bezeichnen), und dann, den Multimedia-Kram kann man vergessen, Evolution oder Thunderbird können Outlook nicht das Wasser reichen, und als Browser ist der "Fatfox" inzwischen so fett geworden das er kaum noch den Arsch hoch bekommt; braucht ca. viermal solange wie der IE zum starten. Es gibt natürlich noch mehr OS-Software, was aber für den Normalnutzer kaum interessant ist wie etwa Quanta (Homesite-Klone), etc. Im übrigen, etwa 95% aller OS-Software landete und landet auf dem Müll, weil sie nicht weiterentwickelt wird; aus welchen Gründen auch immer.Das ist der sog. Sharewarebereich tausend Mal ergiebiger.Mit dem Kauf von Yahoo will Microsoft in erster Linie eine Basis erlangen von der aus es dem Platzhirsch in Sachen Internetsuche Google endlich Paroli bieten kann. Yahoo hat eine Brückenkopffunktion, vergleichbar etwa mit der Landung der Alliierten in der Normandie 1944. Von diesem Brückenkopf aus soll dann die Suchmaschinenfestung Google sturmreif geschossen werden um auch in diesem Feld endlich ganz oben zu stehen. Darum geht es Microsoft in erster Linie, aber bestimmt nicht um das Anbieten reklameverseuchter Schmalspuranwedungen auf Thin Clients.PS: Unter Linux versteht man allgemein ein Gesamtpacket wie etwa openSuSE. Für den Desktop ist es noch uninteressanter als Apple. Der Marktanteil von Apple (Mac OS X) liegt bei ca. 5%, der von Linux bei 0,5%!:http://www.webhits.de/deutsch/index.shtml?webstats.html
Tolle Rede für MS, ich bin beeindruckt.Nur, die derzeitige Strategie von MS sollte reformiert werden, weil sie schlicht untauglich ist. Zur Erinnerung, wir haben nicht mehr die Zeiten von Netscape, die sind nunmal vorbei.Nur eines können Sie doch nicht abstreiten, das sowohl die BS als auch die AS für die Mehrzahl der User zu fett sind, und das gilt für alle.Ich sag mal was, aus meiner Erfahrung im KMU Bereich, 90% der User benötigen nur 10% von Word und Co. der Rest verunsichert doch nur. Im BS Bereich sieht es nicht besser aus, ich will doch den User nicht verunsichern. Er soll Geld verdienen, damit ich meine Rechnung bezahlt bekomme.Sie müssen Ihre Anforderungen nicht zum Allgemeinplatz erklären, der Handwerker von nebenan möchte eine schlanke leicht zu bedienende Software haben. Und das ist MS nun mal nicht.Ich habe seid Einführung von Vista inzwischen 50 Systeme neu aufsetzen müssen, zurück zu XP. Mir war das egal, Kundenwunschist mein Verdienst. Und da sage ich doch: Danke M$.Einschließlich der alten Einstellungen hat das in einem Jahr einen Umsatz von ca. 20.000,-- EUR gebracht.Meinen Stick mit dem mobilen Büro bewundern alle, die meisten haben da aber Berührungsängste.Denken Sie bitte daran, wir wollen den Glaubenskrieg M$ gegen den Rest der BS nicht auch noch in der Zeit austragen.Vielleicht treffen wir uns ja mal auf einem anderen Forum und da können wir uns wieder die Köpfe einschlagen, aber hier doch nicht.
kryptart Nichts fuer ungut, aber warum haben Leute, die ueber's WWW oder ueber Computer schreiben offenkundig so selten Ahnung von den wesentlichen technischen Hintergruenden?! - Linux ist z.B. kein Programm.Aber na gut, ist wie gesagt nicht boes' gemeint!Einer der interessanteren Gesichtspunkte bei der angestrebten Uebernahme von Yahoo! durch Microsoft ist der Umstand, dasz die Suchmaschine groesztenteils auf FreeBSD-Servern laeuft.Da Steven Ballmer jedoch einmal sinngemaesz gaeuszert hat, 'OpenSource sei Kommunismus', und OpenSource auf jeden Fall das Gegenteil von Microsoft's Geschaeftsphilosophie verkoerpert, kann man sich Microsoft schwer als Betreiber einer der groeszten OpenSource-Server-Farmen vorstellen, aber genau das waere bei einer Uebernahme von Yahoo! der Fall.Daraus folgt, Microsoft wird im Falle einer Uebernahme mit groszer Wahrscheinlichkeit eine Migration auf auf die eigene Server-Software anstreben - und das wiederum ruft bei jedem, der sich mit sowas halbwegs auskennt ein Deja-vu an die Uebernahme von HotMail durch Microsoft hervor, denn auch HotMail lief auf FreeBSD-Servern, weshalb Microsoft zur Migration schritt.Diese Migration damals war allerdings eine mittelschwere Image-Katastrophe - fuer Microsoft - und auszerdem angeblich sehr, sehr teuer, es ist eben grundsaetzlich ueberaus schwierig einen groszen Datenbestand auf eine andere Platform umzustellen.Sollte Microsoft jedoch an der bestehenden Architektur festhalten, wird jeder sagen: Microsoft traue der eigenen Software nicht und setze in der eigenen Firma auf OpenSource, FreeBSD-Server seien eben einfach besser.Alles in allem habe ich nicht den Eindruck, dasz sich Microsoft die Sache wirklich gut ueberlegt hat, diese Uebernahme koennte sich schell als Pyrrhussieg erweisen und unterm Strich mehr Probleme schaffen als loesen.
interessanter gesichtspunkt. dürfte allerdings in den strategischen überlegungen von ms kaum eine rolle spielen, weil wie selbst erwähnt der normale user sich kaum gross gedanken über derlei technische fragen machen wird. und solange noch jemand glaubt, dass linux ein programm sei (wobei ich das keinem der kommentatoren hier unterstellen kann) wird das auch so bleiben. entscheidend für den erfolg des deals wird sein, inwieweit ms visionen entwickeln kann, wie sich das internet weiterentwickelt und wie sich dies in klingende münze umwandeln lässt. die frage der technik wird da nur für eingeweihte zu einem gewissen schmunzeln (oder eben nicht) führen.grüsse itac
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