ZEI-Spiel Arme Millionäre
Der FC Bayern München startet schwach in die Rückrunde. Das liegt am vielen Geld, sagt Steffen Dobbert in der Bundesliga-Kolumne
Seit seiner Geburt lebt Jens an der Ostseeküste und ist Fan des FC Bayern München. Zum Rückrundenauftakt hatte Jens für mich und weitere Freunde Tickets gekauft. Er lachte, weil es nur noch Karten im Fanblock der Münchner gab.
Als die Bayern mit dem Flugzeug in Rostock landeten, warteten Hunderte Fans, um die Stars zu empfangen. Das Spiel wurde in mehr als 180 Länder übertragen. Das Ostseestadion war vollgestopft, die Stimmung stürmisch. Weil ich Freitag lange und Samstag früh arbeiten wollte, musste ich Jens absagen.
Hansas Spieler stürmten los wie wilde Stiere. Nach dem Anstoß verloren die Bayern den Ball nach dem ersten Pass. Ein Erfolg wäre alles, was besser als eine 0:3-Niederlage ist, hatte der verletzte Hansa-Kapitän vor dem Spiel gesagt. Es sei wie David gegen Goliath, sagte der Reporter. Für diese Saison haben die Bayern 80 Millionen Euro für neue Fußballer ausgegeben. In Rostock konnten sie 500.000 Euro investieren und sind immer noch verschuldet. Der gesamte Etat für Hansas Mannschaft ist günstiger als der Kaufpreis von Franck Ribéry.
Nachdem Ribéry das 1:0 und der fast genauso teure Luca Toni das 2:0 für Bayern geschossen hatte, rief mich Jens aus dem Stadion an und hüpfte beim Sprechen. Im Hintergrund buhten die Rostocker Fans die Millionäre des FC Bayern aus.
Bemitleidenswert, dachte ich. Die Bayernspieler bekommen viel Geld, damit sie für München Fußball spielen. Als Franck Ribéry aber noch in Marseille am Strand des Mittelmeers kickte, wirkte er viel glücklicher. Die Rostocker Spieler freuen sich, wenn sie für Hansa gegen Bayern spielen dürfen, der FC Bayern muss seinen Spielern Millionen zahlen, damit sie es sich antun, gegen Mannschaften wie Rostock anzutreten.
Bergarbeiter haben früher mehr Geld bekommen, wenn sie unter Tage schuften mussten. Arbeiten, die wenig Freude bereiten, werden heute noch besser bezahlt als andere. Es ist wie eine Art Schmerzensgeld. Hätte ich neben Jens im Stadion gestanden, ich hätte nicht „Scheiß“, sondern „ihr armen Millionäre“ geschrien.
Ich würde als Fußballprofi gar nicht zu den Bayern wechseln wollen. Dafür dass du im Jahr etwas mehr Geld bekommst, halten dich alle für gierig. Als Bayernspieler müsste ich zu Pressekonferenzen erscheinen, bei denen sich mehr Reporter in einen Raum zwängen, als Fans vom KFC Uerdingen zu Auswärtsspielen fahren. Das wäre nichts. Wenn ich einen Journalisten sympathisch finden würde, dürfte ich wahrscheinlich nicht mit ihm über meinen Beruf sprechen dürfen. Uli Hoeneß, zu dessen Familienbesitz Aktien von Borussia Dortmund gehören sollen, hat sich vor der Rückrunde überlegt, dass die Spieler nur noch mit ein paar ausgewählten Journalisten sprechen sollten.
- Datum 07.02.2008 - 11:35 Uhr
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