Nato
Loses Bündnis
Wie die zerstrittene Nato sich in Afghanistan auf ihren 60. Geburtstag vorbereitet.
Reden wir einmal nicht gleich reflexhaft von den Amerikanern. Sondern von den Kanadiern. Sie haben aus dem Süden Afghanistans in den vergangenen Jahren 78 getötete Soldaten heimholen müssen. Das hat in Kanada natürlich zu einer innenpolitischen Debatte geführt und auch zu diplomatischen Demarchen in Berlin und der Nato-Zentrale in Brüssel. Es hat freilich nicht zu einem unverschämten Brief geführt, wie ihn der amerikanische Verteidigungsminister Gates den Deutschen geschrieben hat. Geredet aber wird in der deutschen Öffentlichkeit nur über Gates, nicht über die Kanadier.
So düpiert man einen Verbündeten, der die deutschen Nöte kennt, der keineswegs lauthals "Kampfverbände, Kampfverbände nach Kandahar!" ruft, sondern sachlich argumentiert, warum in dieser südafghanischen Provinz rund 1000 Nato-Soldaten fehlen, warum es an Helikoptern mangelt, aber auch an medizinischer Hilfe und beim Aufbau einer Verwaltung. Und warum die Deutschen bei all dem nützlich wären.
Kein Zweifel, die Kanadier nehmen es mit dem nation building ernst, sie denken da wie die Europäer (und nicht wie die Amerikaner, die zuvorderst den "Kampf gegen den Terror" im Kopf haben). Sie möchten darum ihren Einsatz am Ende ihres politischen Mandats Anfang 2009 nicht abbrechen, sondern sehen sich allenfalls dann dazu gezwungen, wenn sie weiter auf sich allein gestellt bleiben. Den Schaden hätten die kriegsmüden Afghanen. Und natürlich das Bündnis, das die kanadischen Freunde allein lässt.
Die Fehler und Schwächen des Afghanistan-Einsatzes sind im Übrigen rasch aufgezählt und sattsam bekannt. Es gibt keinen gemeinsamen Einsatz, stattdessen wurde ein Flickenteppich von Missionen quer über das unwegsame Land gebreitet. Es gibt somit auch keine geschlossene Strategie, es sei denn, man ließe den viel beschworenen Aufbau Afghanistans schon dafür gelten. Allenfalls einigen sich alle auf ein Kriegsziel, das "Frieden in Afghanistan" heißt und als Formel für jede Ansprache, kaum aber als Handlungsanweisung der Politik ans Militär taugt.
- Datum 13.2.2008 - 11:00 Uhr
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dann gibts auch keine Vorwürfe mehr.
Ein gutes Beispiel ist Frankreich.Das McDonalds-Building können die Kanadier alleine machen, es wird bestimmt noch viele Opfer kosten.
Lieber bspiesser,
Sie sind wohl direkt zum Ende des Artikels gescrollt um Ihren Kommentar sobald wie möglich abzugeben, oder? Sonst kann ich nicht erklären, warum Sie den Punkt des Verfassers offensichtlich nicht begriffen haben: nämlich, dass es hier nicht nur um "böse USA" gegen "gutes Deutschland" geht, sondern vielmehr um die differenzierte, valide Anliegen der verschiedenen Verbundeten. Als Kanadier bin ich sehr enttäuscht, das Sie den erheblichen Beitrag meiner Nation auf eine solche billige Weise, mit Ihrer "geschickten" Anspielung auf McDonalds, kleinzureden versuchen. Kanada und den USA gleichen sich genau so viel -- oder wenig -- wie z.B. Österreich und Deutschland.
neuebiene
Österreich und Deutschland gehören für mich zusammen :-)Spass beiseite, ich finde, dass die Kanadier in Afghanistan genauso wenig zu suchen haben wie die Deutschen.Eigentlich müsste ich Sie noch ein bisschen auf den Arm nehmen, weil mich Ihr Nationalstolz ziemlich anwidert. Aber da Sie den erheblichen Beitrag der grossen kanadichen Nation als einen Schritt in Richtung Weltfrieden halten, werde ich Sie einfach für unzurechnungsfähig erklären.
dass die Kanadier nach meiner Meinung in Afghanistan gehören? Unter den herrschenden Bedingungen sicherlich nicht.
Die Mehrheit der kanadischen Bevölkerung bevorzugt den Rückzug aus Afghanistan(http://www.welt.de/welt_print/article1632619/Auch_Kanada_setzt_Deutschland_unter_Druck.html). Auch ein Loch in Ihrer Kanada=USA-These? Und ja, Sie haben Recht: ich bin stolz. Ich bin stolz, dass wir Kanadier den Depp nicht weiter spielen werden und voraussichtlich auch unsere Truppen außerhalb der Gefahrzone zurückziehen werden. Zu diesem Zeitpunkt können Sie Ihren zusammengeballten Amerika-Hass in aller Ruhe wieder direkt gegen seine Quelle richten!
...sind 3 Themenkreise, die nicht leicht zusammenzubringen sind. Die Bundeswehr entstand als westdeutscher Beitrag zur Verteidigung Westeuropas für den Fall einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen dem Sowjetblock und den Westmächten. Also eine reine Verteidigungsarmee für ein klar definiertes Ziel. Im Bewusstsein der deutschen Bevölkerung, wie auch der Politiker ist sie das im Prinzip immer noch."Deutschlands Freiheit wird heute auch am Hindukusch verteidigt" ist nicht Bestandteil heutiger "deutscher Denkungsart".Aus deutschem Selbstverständnis ist für die meisten Deutschen der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr deswegen auch kein NATO-Fall per se.Hinzu kommt noch ein gewaltiges Unbehagen über den amerikanischen Irak-Krieg, seine verlogenen Begründungen, die Folgen für das irakische Volk, die amerikanischen Bombenabwürfe gegen "Partisanen (Taliban) mit entsetzlichen Folgen für die afghanische Bevölkerung etc.Einen Punkt sehe ich aber auch: Wenn die deutsche Politik zwar halbherzig, aber trotzdem entschieden hat, an diesem Krieg mitzuwirken, sollte es selbstverständlich sein, den Soldatenkameraden der befreundeten NATO-Staaten beizustehen, wo immer das notwendig ist. Und nach allen hier vorliegenden Informationen, sind die Kanadier mit Recht über nicht geleistete Unterstützung ihrer Truppen durch die Bundeswehr enttäuscht.Nochmal deutlich: Meine Meinung ist, Afghanistan ist eigentlich kein NATO-Einsatz im Sinne einer deutschen Verteidigungsarmee. Aber, wenn unsere Regierung entschieden hat, dort mitzuwirken...dann bitte mit allen Konsequenzen...und die können sehr bitter sein.Ein Auszug aus dem Artikel von J.F. Vannahme:[...]Hieraus wird deutlich, woran dieser ganze Krieg krankt, nämlich, es fehlt von Beginn an ein von allen Seiten gemeinsam definiertes Ziel, übrigens dasselbe Problem wie im Irak, Kriegshandlungen beginnen, ohne klaren Plan für das Danach können einfach nicht funktionieren. Und hier liegt die Ursache des deutschen wie auch des kanadischen Unbehagens an der Teilnahme dieser letztlich von amerikanischen Interessen bestimmten militärischen Aktivitäten.[Der kopierte Artikel wurde entfernt, bitte beachten Sie hierzu die Regeln. Danke. /Die Redaktion pt.]
"Die Reichen haben plötzlich Zugänge zu einem Markt, den ihnen die Taliban verweigerten, aber die Armen bleiben so arm wie immer". Der amerikanische Journalist und Autor J. Malcolm Garcia in Afghanistan beobachtet, daß der vom Westen versprochene Wiederaufbau nur wenigen Privilegierten zugute kommt: "Die Welt versprach den Afghanen den Wiederaufbau; sie sollten von der mittelalterlichen Regentschaft der fundamentalistischen Taliban in das 21. Jahrhundert gestoßen werden. Der Fortschritt zeigte sich allerdings nur in verstreuten einzelnen Punkten, wo Villen für die Elite, 5-Sterne-Hotels und Einkaufszentren für sehr Wenige den Vortritt haben vor Straßen, Schulen oder Agrarbauten. Hütten wurden von Bulldozern abgerissen, um teueren Wohnungen für die Reicheren unter Kabuls Einwohnern Platz zu machen: hochrangige Regierungsvertreter und ihre Lakaien. Hunderte von Flüchtlingsfamilien, die auf Regierungsgrundstücken in einem besseren Viertel lebten, wurden von diesen wertvollen Grundstücken vertrieben."http://www.vqronline.org/articles/2008/winter/garcia-country-shaking/Liest man solche Schilderungen, dann kommt man unweigerlich auf die einzig mögliche Lösung: Wir haben dort nichts verloren. Indem wir uns zurückziehen, zeigen wir diesen Menschen, daß wir sie respektieren. Schon Ghandi sagte, daß die Befreiung von der Bevölkerung kommen muß.Aber westliche Politik will ja unbedingt eine neue Elite schaffen, in der Hoffnung treue Gefolgschaft heranzubilden. Das hat seinen Preis...______________________________________
Meine Nr.1 Politdokumentation 2007:
John Pilger's "War on Democracy"
http://youtube.com/result...
Die derzeitigen US-Wahldiskussionen zum Thema Außenpolitik sollten uns zu denken geben. Offensichtlich ist heute unter Durchschnittsamerikanern das Interesse an Europa geringer denn je. Besonders jüngere Wähler verlangen vielfach den Austritt aus der NATO.
"[Der kopierte Artikel wurde entfernt, bitte beachten Sie hierzu die Regeln. Danke. /Die Redaktion pt.]"Sie sehen mich einigermassen ratlos. Ich schreibe etwas zu einem Artikel Ihres Autors, kopiere daraus Teile, die mir wichtig erscheinen, stimme dem Inhalt dessen, was da geschrieben wurde, weitgehend zu...UND SIE STREICHEN DAS ??? Welche Regeln regeln das denn?Um Aufklärung wird gebeten. Danke.
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