SPD "Wir sind die moderne Linke"

Hermann Scheer, Schatten-Umweltminister von Andrea Ypsilanti, empfiehlt der SPD einen Wahlkampf wie in Hessen auch für den Bund und fordert die FDP auf, sich einer Ampelkoalition zu öffnen

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer ist Mitglied im Schattenkabinett von Andrea Ypsilanti. In einer von ihr geführten Regierung soll er Umwelt- und Wirtschaftsminister werden. Er gilt als einer ihrer engsten Berater

ZEIT online: Herr Scheer. Wie geht es weiter in Hessen?

Hermann Scheer: Die FDP ist aufgefordert, sich Koalitionsverhandlungen zu stellen. Es liegt an ihr, ob eine nicht mehr legitimierte CDU-Regierung länger im Amt bleibt oder nicht.

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ZEIT online: Es sieht jedoch nicht so aus, als würde dieser Appell erhört werden.

Scheer: In einer Sondersituation müssen alle Parteien von ihren Festlegungen ein Stück abrücken. Jeder muss sich auf seine Weise bewegen, sonst ist parlamentarische Politik am Ende.

ZEIT online: Muss die SPD dies nicht auch tun?

Hermann Scheer, Kämpfer für die Solareneergie und Träger des alternativen Nobelpreises

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Scheer: Selbstverständlich, aber es wird immer nur über Koalitionsarithmetik diskutiert. Das schreckt die Wähler ab. Im Wahlkampf standen die Inhalte im Mittelpunkt. Diese haben viele Wählerstimmen bewegt: bei der CDU zwölf Prozentpunkte nach unten, bei der SPD acht Prozentpunkte nach oben. Es wird Zeit, wieder darüber sprechen.

ZEIT online: Was heißt das für die SPD?

Scheer: Natürlich kann die SPD, auch wenn sie die Führungsrolle übernimmt, nicht erwarten, dass in einer Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen alle ihre Positionen in Reinkultur in das Regierungsprogramm aufgenommen werden.

ZEIT online: Was können Sie der FDP programmatisch anbieten?

Scheer: Das kann man jetzt nicht vorweg in der Öffentlichkeit erörtern. Die FDP sollte sich aber mal genau unser Energieprogramm anschauen, das sie bislang vehement ablehnt. Das hat eine bisher einmalige breite Mittelstandsorientierung. An die Stelle von wenigen Energie-Großanbietern sollen viele mittlere und kleine treten. Wenn die FDP ihren Anspruch, Partei des Mittelstands zu sein, ernst nimmt, dann müsste sie dieses Programm mittragen können.

ZEIT online: Aber wenn Sie sagen, alle Parteien müssten sich bewegen, müsste dann nicht auch die SPD ihre Absage an eine Zusammenarbeit mit CDU oder der Linken überdenken?

Scheer: Eine Große Koalition ist ausgeschlossen, darauf kann sich die SPD niemals einlassen. Zunächst geht es um die naheliegendste Regierungsmehrheit.

ZEIT online: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier haben die SPD vor einem  Anpassungskurs nach links gewarnt und darauf verwiesen, die soziale Gerechtigkeit sei zwar ein notwendiges, aber für Wahlsiege nicht hinreichendes Thema, und die Partei müsse auch für die Millionen Leistungsträger in der Mitte der Gesellschaft Politik machen.

Scheer: So kann man das hessische Wahlergebnis keinesfalls interpretieren. Die Wähler in Hessen haben nicht die Agenda-Politik bestätigt, sondern den eigenständigen Kurs von Andrea Ypsilanti und der hessischen SPD. In das übliche Rechts-Links-Schema passt das Ergebnis vielleicht nicht hinein. Es ist weder ein Resultat von Mitte-Politik und sicher auch kein Linkskurs im herkömmlichen Sinne.

ZEIT online: Andere Parteifreunde verweisen darauf, dass nicht das Thema Gerechtigkeit, vor allem die Bildung, wahlentscheidend war und ihre Partei besonders bei den Selbstständigen und Angestellten zugelegt hat. Läuft die SPD nicht Gefahr, solche Wähler in der Mitte zu vernachlässigen, wenn sie nach weiter links rückt?

Scheer: Das ist sicher eine Fehlinterpretation des Wahlergebnisses. Und was heißt hier eigentlich Mitte? Häufig wird das mit Positionslosigkeit verwechselt. In Hessen hat die SPD den mit Abstand größten Wählerzuwachs bei allen Wahlen seit 1998 erzielt. Das haben wir dem eigenen Profil der hessischen SPD zu verdanken und einer hohen Glaubwürdigkeit der Spitzenkandidatin. Sie hat die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn und nach Korrekturen an der Agenda-Politik schon seit Jahren vertreten. Die Positionen, für die sie früher beschimpft worden ist, haben ihr und der SPD zu einem großen Gewinn an Glaubwürdigkeit verholfen.

ZEIT online: Sie sehen also durch das Wahlergebnis die Korrekturen der SPD an der Agenda-Politik und den Hartz-Reformen bestätigt?

Scheer: Selbstverständlich. Die Gerechtigkeitsfrage war von großer Bedeutung. Aber es haben noch zwei andere Punkte eine Rolle gespielt. In der Bildungspolitik haben wir gegen alle Diffamierungsversuche offensiv das Konzept der Gesamtschule und der Ablehnung von Frühauslese vertreten. In der Energiepolitik haben wir ein überzeugendes alternatives Energiekonzept vorgelegt. Das hat viele bewegt, SPD zu wählen, darunter viele Junge und viele Selbstständige. Für diesen Erfolg kann man wirklich nicht eine konventionelle Mitte-Politik in Anspruch nehmen.

ZEIT online: Kann es sein, dass die Anhänger der Agenda-Politik in der SPD vor allem Angst davor haben, dass die Linken aus dem hessischen Wahlergebnis Forderungen nach weiteren Kurskorrekturen ableiten?

Scheer: Unsere programmatischen Ansprüche haben sich als erfolgreich erwiesen. Ich glaube im Übrigen nicht, dass Peer Steinbrück der beste Ratgeber dafür ist, wie man bei Landtagswahlen einen deutlichen Stimmenzuwachs erzielt.

ZEIT online: Bedeutet das, dass die SPD sich im Bundestagswahlkampf 2009 ein Beispiel an der hessischen SPD nehmen sollte?

Scheer: Selbstverständlich. Es gibt ja keinen erfolgreicheren Beweis.

ZEIT online: Aber ihr Ziel war es auch, die Linke aus dem Landtag herauszuhalten ...

Scheer: Das haben wir ja auch beinahe geschafft, indem wir die Unterschiede zwischen den beiden großen Parteien sehr deutlich gemacht haben. Die Linke hat weit unter ihren Erwartungen abgeschnitten und verdankt ihren Einzug in den Landtag maßgeblich Roland Koch. Der CDU-Ministerpräsident hat sie aus taktischen Motiven hochgeredet.

ZEIT online: Trotzdem sitzt die Linke jetzt im Landtag, und sie müssen mit ihr umgehen.

Scheer: Es gehört zur demokratischen Kultur, dass man Wahlergebnisse akzeptiert.

ZEIT online: Dennoch lehnen Sie jede Form der Zusammenarbeit mit der Linkspartei ab?

Scheer: Es macht keinen Sinn, über irgendwelche Hypothesen zu spekulieren und dadurch die realistischen Entwicklungen zu belasten.

ZEIT online: Muss die SPD ihr Verhältnis zur Linken nicht irgendwann klären, damit sie politisch wieder handlungsfähig wird?

Scheer: Ich bin weiterhin der Meinung, die SPD muss so stark werden, dass neben ihr keine weitere Linkspartei über die Fünfprozenthürde kommt. Das muss auch 2009 im Bund das Ziel sein. Es kann nicht sein, dass die SPD diese Wähler aufgibt. Das sind zum Großteil ganz normale Menschen, die einfach nur eine gerechtere Politik wollen. Das bedeutet natürlich auch, dass sozialdemokratische Politik so glaubwürdig sein muss, dass auch heutige Wähler der Linken uns wieder das Vertrauen schenken.

ZEIT online: Aber aus der Großen Koalition heraus wird es sehr viel schwieriger, einen Wahlkampf wie in Hessen zu führen. Sie sind dort zwischen Union und Linke eingeklemmt.

Scheer: Deshalb wird im Bundestagswahlkampf eine inhaltliche Neupositionierung notwendig sein. Was da erfolgsträchtig ist, haben wir in Hessen gezeigt.

ZEIT online: Das heißt, sie fordern eine Neupositionierung nach links?

Scheer: Die SPD hat in Hessen gezeigt, dass sie eine modern ausgerichtete Partei des sozialen Ausgleichs ist, eine moderne Linke. Das hat, wie die Bildungspolitik zeigt, nicht nur mit Transferleistungen zu tun. Das hängt auch mit der neuen sozialen Frage des 21. Jahrhunderts zusammen: Wie kommen wir zu einer emissionsfreien dauerhaften Energieversorgung und vermeiden durch einen Stopp des Klimawandels soziale Schäden gigantischen Ausmaßes. Das ist keine altlinke Frage, hier haben wir vielmehr mit einer ambitionierten Antwort viele Menschen überzeugt. Wenn die SPD sich an dem Erfolg der hessischen SPD orientiert, wird sie auch bei der Bundestagswahl 2009 mit einem enormen Wählerzuwachs rechnen können. Das haben wir gegen einen der stärksten Männer der CDU bewiesen.

Das Interview führte Christoph Seils.


 
Leser-Kommentare
  1. Ich persönlich schätze Scheer ja für seine Position und inhaltliche Auffassung in der SPD.Aber viel mehr als markige Sprüche kommen in solch einem Interview eben nicht raus.Nach meiner Auffassung bewegt sich die SPD nach der Milleubindungstheorie in die Mitte. Figuren wie Steinmeier und Platzeck sind Beispiele für diese Entwicklung. Ihre Motiviation ist nicht zuletzt, innerhalb der SPD etwas zu werden. Was sie mit Scheer verbindet und damit nicht weniger drängend und einflussreich macht.Der Umgang mit der Linkspartei ist ein Instrumenteller: Die verschiedenen Flügel der SPD verbinden mit diesem neuen Player ganz eigene Hoffnungen und Ziele. Es kann sich für die PL eine neue Koalitionsoption eröffnen; die Parteirechte sieht ihre Koalitionsfähigkeit mit den Bürgerlichen gefährdet.Wie auch immer muss und wird die SPD zu einer moderaten Position mit der Linkspartei finden, welche früher oder später auch Koalitionen auf Bundesebene einschließt. Momentan werden Preise und Kosten dafür austariert. Wenn man dann also von Fritz Kuhn hört, die Linkspartei sei bspw. außenpolitisch nicht handlungsfähig, so ist das natürlich zweckorientiert: Kein Akteur ist 100% handlungsfähig - man bewegt sich stets in Grenzen des internationalen Systems.Was das Credo der "modernen Linken" betrifft, so sollte sich die SPD schrittweise vom Alleinvertretungsanspruch der Linken in Deutschland verabschieden. Die Linkspartei wird eben NICHT nur von Protestwählern gewählt. Und selbst wenn das so wäre, werden diese schwieriger einzufangen, je länger es dauert. Und in der SPD gibt es genug Menschen, die einen "Linksruck" - der bis dato nicht stattfand - verhindern können und würden.Was die hessische Energiepolitik betrifft, die von Scheer als "neue soziale Frage" - war da nicht auch mal was mit Globalisierung/Demographie bzw. prekärer Arbeit? - bezeichnet wird, so ist nicht verständlich, weshalb in einem Regierungsprogramm AKW und Kohlekraftwerke so kategorisch ausgeschlossen werden. Obgleich dies ja auch nur für Neubauten gilt und nichts über deren Laufzeiten aussagt, obwohl die SPD wohl auch hier eher kürzen will. Es hätte auch genügt, eine eindeutige und klare Präferenz für alle Arten "regenerativer" Energien vor fossilen Energieträgern ins Programm zu schreiben.Hessen ist kein Beispiel für den Bund. Im Bund sitzt die SPD in Regierungsverantwortung und oft kann sie sich Mehrwertsteuerfriktionen wie 2005 nicht erlauben.Es gäbe noch genug zu kritisieren.Mit freundlichen GrüßenDiemo SchallerMit freundlichen Grüßen

    Diemo Schaller

  2. "Nach meiner Auffassung bewegt sich die SPD nach der Milleubindungstheorie in die Mitte."Was ist denn die "Milleubindungstheorie"? Jehör ick ooch zum Milljöh?Vielleicht darf ich die Debatte noch mit einem Zitat bereichern:"Die Koalitionen wechseln - die Politik bleibt dieselbe." -- Joschka Fischer. In diesem Sinne viel Spaß bei der theoretischen Auseinandersetzung mit den Strategieoptionen unserer ehrwürdigen Parteienlandschaft.

  3. Das ist die bittere Wahrheit über die SPD. Wenn sich die Sozialdemokraten der FDP der Westerwelles und Niebels hingeben, versetzen sie sich selbst den Todesstoß in Richtung ´Die Linke.Eine FDP mit einem Jörg-Uwe-Hahn als Verhandlungsführer kann kaum ernst genommen werden. Der Mann hat sich tatsächlich am Montag nach der Wahl beschwert, daß Frau Ypsilanti ihn nicht im Flugzeug angesprochen habe.So wird das nie etwas mit Hartz IV, Herr Hahn. Jeder Arbeitsvermittler würde Ihnen mit dieser negativen Haltung sofort die Leistung verweigern.Einer meiner Chefs sagte einmal, die Arbeit kommt zu dem, der sie macht.Nur ein Landtagspolitiker mit geregelter Altersversorgung kann sich die überhebliche Arroganz leisten, die seit der Hessenwahl regiert.Hoffentlich haben die Wähler in Hamburg die Lektion aus Hessen gelernt:Wählen gehen!!!! aber Finger weg, von den etablierten Parteien!!!!!

  4. @korfstroem: Was möchtest du mit dem Appell "Wählen gehen, aber Finger weg von den etablierten Parteien" erwirken? Sollen es bald 10-Parteien-Parlamente werden? Sind italienische Verhältnisse die Lösung?Ich glaube nicht.Und was mit Sicherheit nicht unpassender sein kann ist diese ständige Verknüpfung von Wirtschafts- und Umweltminister. Herr Scheer mag zwar ein toller Umweltminister (hoffentlich nicht) werden (obwohl ich persönlich nicht Windräder als "umwelt"freundlichen Strom bezeichne und lieber AKWs habe als CO2...). Aber ein Wirtschaftsminister ist er nicht und wird er nie werden. Da hat die SPD mit Clement einen der ganz wenig fähigen Leute verloren. Ein Minister muss sich für seinen BEreich einsetzen. Wenn Scheer behauptet, das Energiekonzept der SPD sei gut für die Wirtschaft, dann lügt er oder er weiß es nicht besser. Es ist maximal egal für die Unternehmen, in diesem Fall sogar schädlich. Mehrausgaben für Rohstoffe oder Energie sind für ein Unternehmen nie gut.Fähige Spitzenpolitiker der SPD, die die Zusammenhänge der Politik überblicken können (und nicht den Tunnelblick für den "demokratischen" Sozialismus haben): Clement, Struck, Steinmeier. Der Rest "kann mich mal" (in Anlehnung an Struck).MfGJSG

  5. Mehrausgaben für Rohstoffe oder Energie sind für ein Unternehmen nie gut? Stimmt. Aber das ist Betriebswirtschaft und die kann einem Minister, sofern er nicht Lobbyist und somit Lakei von Firmen ist, weitgehend egal sein. Um nämlich fähig zu sein, muss er nicht nur Zusammenhänge in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft überblicken können. Das Sachgebiet heißt dann Volkswirtschaft und geht über den jeweiligen Quartalsbericht der Unternehmen X,Y und Z weit hinaus. Nicht zuletzt hat die Wirtschaft den Menschen zu dienen und nicht umgekehrt. Ein Ministerpräsident (m/w) muss Minister berufen, die ihn in der Umsetzung dieser Maxime unterstützen, sonst verstößt er gegen den Amtseid, sein Volk vor Schaden zu bewahren.Mit Clement hat die SPD nur einen besonders penetranten Lobbyisten verloren und das hat bestimmt auch zu ihrem Glaubwürdigkeitszuwachs bei der Wählerschaft beigetragen.

  6. Zitat: "[Hermann Scheer:] Die Linke hat weit unter ihren Erwartungen abgeschnitten und verdankt ihren Einzug in den Landtag maßgeblich Roland Koch. Der CDU-Ministerpräsident hat sie aus taktischen Motiven hochgeredet."Roland Koch soll schuld daran sein, dass die Linke in den Wiesbadener Landtag eingezogen ist? Wie ließe sich dann erklären, dass die Linkspartei in Niedersachsen sogar ein noch besseres Wahlergebnis erzielt hat als in Hessen? Spätestens, wenn die Linkspartei demnächst (wie zu erwarten) auch den Einzug in das Hamburger Parlament schafft, wird es Herrn Scheer hoffentlich dämmern, dass der Wahlsieg der Linken nichts mit Roland Koch zu tun hat.Die Wahrheit ist wohl eher, dass die SPD ein nicht unbedeutendes Segment der linken Wählerschaft nicht mehr erreicht. Diese Wähler haben der SPD längst den Rücken gekehrt und in der Linken eine neue politische Heimat gefunden. Mit der biedermeierlichen Volkstümlichkeit eines Kurt Beck können sie nichts anfangen - Oskar finden sie aufregender. Gäbe es die Linkspartei nicht, dann würden diese Leute vermutlich nicht mehr wählen gehen, sondern zu Hause bleiben.Wenn es heute in Deutschland ein Fünf-Parteien-System gibt, dann liegt das an der Zersplitterung des linken Lagers. Die Hauptverantwortung für diese Zersplitterung trägt die SPD. Durch ihre offensichtliche Unfähigkeit, Linkswähler an sich zu binden, hat die SPD Deutschland an den Rand der Regierungsunfähigkeit gebracht. Es liegt deshalb an der SPD, einen Weg zu finden, um das linke Lager wieder unter dem Dach einer "Gesamtlinken" zusammenzuführen.

  7.  
    Herr Scheer hat keine Hemmungen, Zahlen zu präsentieren, wenn sie nur seinen Interessen entsprechen.
    So schrieb er in einem Beitrag in der ZEIT 2004 unter der Überschrift : Kernenergie gehört ins Technikmuseum
     

    http://www.zeit.de/2004/32/Kernenergie
    Zu diesem Argumentationsmuster gehört, die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zu verharmlosen. Auch Gero von Randow schreibt in der ZEIT (Nr. 31/2004), es habe dort nur 45 Tote gegeben und gerade einmal 2000 registrierte Fälle von Schilddrüsenkrebs. Das sind Zahlen interessengebundener Institutionen. Unabhängige Untersuchungen wie die des Münchner Strahleninstituts haben 70000 Todesopfer einschließlich verzweifelter Selbstmorde ermittelt und erwarten Zehntausende weiterer Spätopfer.
    Vorausgegangen war ein Bericht des Tschernobyl-Forums (Mitglieder : die drei betroffenen Regierungen, 5 UNO-Organsiationen, darunter die Welt-Gesundheitsorganisation, und die Weltbank) die nach langjährigen Untersuchungen einen Bericht veröffentlichten, in dem sie von direkt der Katastrophe zurechenbaren Todesfällen von unter 50 ausging. Dagegen operiert Scherr mit 70.000 Toten, allerdings keine effektiven, sondern hochgerechneten, und noch Zenhntausenden, die frühzeitig sterben werden.
    Scheer muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er hier bewusst mit falschen Zahlen operiert.
    Und bei seiner Prophezeiungen zum Ende der Kernergie liegt er nun wirklich nicht richtig wenn man die Vorhaben nicht nur Chinas und Indiens betrachtet. Selbst England strebt laut einem Kabinettsbeschluss den Neubau von Atomkraftwerken an.
    Und wenn Scheer einer Regierung Ypsilanti angehören sollen, dann müssen sich die Hessen wohl wirklich warm anziehen. Scheer wird versuchen, alles niederzuwalzen um seine Solarinteressen durchzusetzen.

    • hagego
    • 05.02.2008 um 13:55 Uhr

    Die alleinige Fixierung auf den "Scheerholder Value"-Gedanken reicht nicht aus. Das haben ja mittlerweile Gewerkschaften, Parteien und selbst Arbeitgeber begriffen.:-)Was Hermann Scheer von anderen (Parteien) erwartet, trifft - vice versa - auch auf seine Partei bzw. seine Position zu.Wenn der hessische Hahn zwar kräht, sich aber nicht mit einer roten Henne anfreunden kann, dann muss sich diese rote Henne eben einen roten Gockel auswählen...

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