Berlinale Ein Rührstück
Penélope Cruz ist sehr schön. Doch macht das aus Isabel Coixets Wettbewerbsbeitrag "Elegy" noch keinen guten Film. Im Gegenteil
Wenn sich friedliche Zeitgenossen durch die Menge boxen wie einst die Studenten beim Schah-Besuch, muss etwas passiert sein. Schreie, Blitzlichtsalven, marodierende Fotografen. Die Berlinale hat ihren ersten großen Tumult. Penélope ist da. Immer wieder wird ihr Name gerufen. Mehr nach links, nein, nach rechts, den Blick hierhin, nein, dorthin: Keine Position, keine Pose vor der blauen Shootingwand im Pressezentrum ist Konsens. Die Cruz verschenkt ihr schönstes Lächeln. Das fällt ihr nicht schwer. So sieht also Glamour aus.
Penélope Cruz macht Station auf der Erde und die Welt fällt in Ohnmacht. Manchmal stürzt aber auch die Leinwand ein. Meist dann, wenn die Spanierin nur schöner Körper ist. In Hollywood wurde sie so besetzt, als Maskerade des äußeren Scheins, als exotisches Accessoire. In wenigen Momenten der Disziplinlosigkeit brach auch hier die proletarische Rotzigkeit und Vitalität durch, die ihr zu eigen ist und die sie bei Pedro Almodóvar zur Gänze ausspielen konnte. Eigentlich war sie auf dem Weg dorthin zurück, weg vom Walk of Fame, hin zum plastischen Charakter. In Elegy ist sie wieder bloß Gemälde. Die Cruz ist eine Katastrophe, der Film ist es auch.
Regisseurin Isabel Coixet hat die literarische Vorlage von Philip Roth ihrer schlimmsten Peinlichkeiten entkleidet, dieser unappetitlichen sabbernden Altmännerfantasien, die sich durch das ganze Buch ziehen. Dafür muss man ihr dankbar sein. Sie hat ihr aber auch ihre ganze obsessive Sprengkraft genommen, die tiefe existenzielle Tragik eines alternden Casanova, der einer jungen Frau verfällt und viel zu spät mit der Liebe Bekanntschaft macht.
In Roths Das sterbende Tier ist er an der Grenze zum Wahnsinn, in Elegy nur schlecht drauf. Dabei sieht er ungebrochen glänzend aus. Ein durchtrainierter Beau ganz ohne altersbedingte Malaisen keine Spur von den Herz- und Prostataproblemen etwa, die ihm Roth noch auf den Leib geschrieben hatte. Dafür wird schon allein Ben Kingsley gesorgt haben, der sich mit der ganzen Selbstgefälligkeit des von der Queen gesalbten Staatsschauspielers durch den Film charmiert und keine Gebrechlichkeit oder gar Gebrochenheit zulässt. Der Sir und die Schöne: ein Rührstück.
- Datum 14.02.2008 - 02:52 Uhr
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