Rassismus Wir müssen draußen bleibenSeite 2/2

Für John und seine Freundin Rosanne war dies nicht das erste unangenehme Erlebnis. Dass ein Bus einfach an ihnen vorbeifährt, wenn sie an der Haltestelle stehen, haben sie bereits früher erlebt. Und andere ihrer schwarzafrikanischen Bekannten ebenfalls. Auch, dass der Bus einfach weiterfährt, wenn sie das Signal zum Aussteigen geben. Und erst drei Stationen später notgedrungen hält, weil dort Deutsche einsteigen möchten. (Die Schwarzafrikaner tricksen den Fahrer gelegentlich aus: Sie drücken einfach drei Stationen zu früh auf den Aussteigeknopf, dann passt das irgendwann mit dem richtigen Halt.) Es kann auch schon mal vorkommen, dass der Busfahrer, wenn sie vorgehen und um einen Halt bitten, so scharf bremst, dass sie schnell nach einem Griff fassen müssen, wenn sie nicht gegen die Vorderscheibe geschleudert werden möchten.

John spricht schnell, wenn er redet, und man muss sich konzentrieren, wenn man sein Englisch ganz erfassen will. Aber er ist nicht erregt dabei. Eher resigniert und gelassen. Er ist kein Hitzkopf, der sich nach banalen lästigen Vorgängen in die Idee hineinsteigert, diskriminiert zu werden. Deshalb muss man seinen Vorwürfen wohl Glauben schenken.

Nein, beharrt Herr Schilling, mit Rassismus habe das Ganze nichts zu tun. Da habe es im zwischenmenschlichen Bereich gehakt. „Es war ein Problem da und das Problem haben wir gelöst.“

Hat man das wirklich? Teil dieses Problems ist, dass die Busfirma Bayer sagt, es habe bereits Beschwerden von anderen Busfahrern gegen den schwarzen Fahrgast gegeben. Worin diese bestünden, wird von der Firma allerdings nicht erläutert. Und die Gefährtin des jungen Mannes, Rosanne, habe außerdem versucht, in Birkendorf mit einem Einkaufswagen den Bus zu besteigen. Dummerweise war sie nie in Birkendorf. Schon gar nicht mit einem Einkaufswagen, sagt sie jedenfalls. Sehen vielleicht manche Busfahrer einfach nur rot, wenn sie Schwarze sehen?

Herr Schilling betont, worum es den Stadtwerken geht: „Wir möchten, dass die Fahrgäste zufrieden sind. Aber es gibt auch Regeln für die Fahrgäste und die gelten für alle.“ Dass es auch Regeln für die Busfahrer, dass es eine Beförderungspflicht im ÖPNV gibt, die im Personenbeförderungsgesetz geregelt ist, das betont Herr Schilling nicht.

John und Rosanne nehmen inzwischen häufiger das Taxi, obwohl sie es sich eigentlich von ihrem geringen Verdienst in der Gastronomie nicht leisten können. Aber was sollen sie anderes tun? Sie sind  Schwarzafrikaner und haben schlichtweg Angst im ÖPNV des so liebenswerten Kreises Biberach.

(Dieser Text wurde vom Autor auf unsere Kommentar-Seite gestellt und von uns leicht bearbeitet übernommen. Dort können auch Sie eigene Beiträge veröffentlichen)

 
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