Für den Brockhaus-Verlag ist es eine "strategische Neuausrichtung: Die 21. Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie war voraussichtlich die letzte - ab jetzt findet alles online statt." Leicht sei die Entscheidung nicht gefallen. "Der Traditionsverlag reagiert damit auch auf die Geschäftsentwicklung bei den gedruckten klassischen Lexika. 2007 wurden die Umsatzziele insbesondere im Segment der allgemeinen Lexika verfehlt", heißt es in der offiziellen Pressemitteilung.

Anders ausgedrückt: Kaum jemand greift noch zu einem Buch, wenn er mal eben einen Artikel nachschlagen will - im Internet kommt man viel schneller und vor allem kostenlos zu den gewünschten Informationen. Ergebnis: Im vergangenen Jahr hat der Verlag Millionenverluste eingefahren.

Brockhaus will sich jetzt schnell an die neuen Spielregeln anpassen. Statt alle sechs bis sieben Jahre eine neue Enzyklopädie aufwendig zu produzieren, soll die Redaktion zukünftig ständig neues Wissen aufbereiten. "Wir haben im vergangenen Jahr die Redaktion in Leipzig ausgebaut und in eine Online-Redaktion umgewandelt", erklärt Brockhaus-Sprecher Klaus Holoch im Gespräch mit Zeit online. Derzeit seien die 60 Mitarbeiter damit beschäftigt, die Inhalte der Papier-Enzyklopädie an die neue Publikationsform anzupassen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Verlag erste Gehversuche mit dem neuen Modell gemacht. Der Verlag stellte die relativ kurz gehaltenen Artikel von Meyers Lexikon kostenlos ins Internet, auch dieses Angebot sollte sich durch Werbung finanzieren. Klaus Holoch zieht eine positive Bilanz des Experiments: "Obwohl wir für das Angebot kaum die Werbetrommel gerührt haben, erreichen wir Zugriffszahlen, die zum Beispiel mit denen der Zeitschrift Brigitte vergleichbar sind."

Lehren aus dem Projekt hat der Verlag ebenfalls gezogen: "Im Internet herrscht natürlich ein ganz anderer Aktualitätsbegriff", sagt Holoch. Begnügten sich Verlage früher damit, Enzyklopädien höchstens durch Ergänzungsbände zu aktualisieren, erwarten die Nutzer heute schnell aktuelle Informationen. Zwar hatte der Verlag für Käufer der Enzyklopädie bereits einen Online-Service eingerichtet, neue Informationen wie Sterbedaten oder aktuelle politische Entwicklungen wurden aber eher langsam und spärlich eingepflegt.