Finanzmarkt Nur Peanuts bei der Deutschen Bank

Die Bankenwelt kriselt, doch das größte private deutsche Geldinstitut macht strahlenden Gewinn. Ein Erfolg für Josef Ackermann - aber kein Signal für ein Ende der Krise. Die Zukunft verlangt nach mehr Bescheidenheit

Es ist ein guter Tag für Josef Ackermann. Gespannt hatte die Finanzwelt auf das Zahlenwerk gewartet, dass der Chef der Deutschen Bank an diesem Donnerstag - seinem 60. Geburtstag - in Frankfurt präsentierte. Ackermann hatte hoch gepokert. Während die Konkurrenz die Märkte mit immer neuen Milliardenabschreibungen schockierte, hatte er versprochen, dass bei der Deutschen Bank mit keinen bösen Überraschungen zu rechnen sei.

Ackermann hat Wort gehalten. Das Frankfurter Institut hat im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 6,5 Milliarden Euro erwirtschaftet, den Ackermann gut gelaunt präsentierte. Gerade einmal 50 Millionen muss die Deutsche Bank im vierten Quartal 2007 abschreiben. Das sind, um im Sprachduktus des Hauses zu bleiben, Peanuts. Es deutet derzeit auch nichts darauf hin, dass Verluste versteckt worden sind. Die Zahlen sind sauber, soweit sich das erkennen lässt. Entsprechend lag der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie am Mittwoch im Plus.

Anzeige

Der Erfolg sei Ackermann gegönnt. Unter seiner Führung hat das Geldhaus rechtzeitig riskante Positionen aufgelöst und Geschäftschancen wahrgenommen. Stellenstreichungen im Investmentbanking sind nicht ausgeschlossen, für die betroffenen Banker aber größtenteils leicht verkraftbar. Sie haben in den Jahren des Booms üppige Bonuszahlungen kassiert. Aus der Sicht des einzelnen Unternehmens und seiner Aktionäre tut Ackermann genau das, was ein Manager leisten muss.

Doch es wäre falsch, sich jetzt beruhigt zurückzulehnen. Die Ergebnisse der Deutschen Bank lassen sich nicht verallgemeinern. Es ist keineswegs so, dass das individuelle Geschick einer Bank der Schlüssel zur Überwindung der Krise ist und dass, wer jetzt Belastungen einräumen muss, einfach nur schlecht gezockt hat.

Leser-Kommentare
    • ambln
    • 07.02.2008 um 17:50 Uhr

    Nicht, dass ich es nicht gerne will- aber ob man das der Deutschen Bank so glauben darf? Immerhin ist man ja das Gefühl kaum losgeworden, dass sie in Frankfurt kaum genug bekommen konnte vom Messen mit den ganz Großen. Wo Citigroup und JPMorgan Chase ihre CEOs vor lauter Abschreibungen verlieren, hat Jo Ackermann auf moderates Vorgehen und Risikobegrenzung gesetzt? Allen Respekt, und wie heißt es so schön: Verluste früh und hoch, Gewinne spät und niedrig ausweisen- da ist hoffentlich nichts durcheinandergegangen.

    • cbuss
    • 07.02.2008 um 22:14 Uhr

    AFAIK waren es <50 Mio im 4. Quartal. Nicht zu vergessen die etwa 2,3 Milliarden im 3. Quartal.Im übrigen: Es ist doch bekannt, dass die 25% Eigenkapitalrendite nicht zuletzt daher kommen, dass J. Ackermann systematisch das Eigenkapital reduziert hat. Wenn man diese Zahl also so isoliert betrachtet, ist eine allgemeine Schlussfolgerung mE nicht zu halten.

  1. Bei den Gebühren ist das auch kein Wunder. 

  2. Endlich wieder mal jemand, der eine so hohe Rendite für langfristig unrealistisch hält. Das kann nur zu Lsten anderer erwirtschaftet werden d.h. letztlich bei den kleinsten

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service