Banken "Die nächste Geldspritze kommt bestimmt"Seite 3/3

Faust: Nein, die gibt es tatsächlich nicht, denn niemand weiß, wie tief die Rezession in den USA gehen wird. Selbst wenn es jetzt zu einer neuerlichen Rettungsaktion kommt, wird die IKB auf keinen Fall eigenständig bleiben können.

ZEIT online: Offenbar werden derzeit verschiedene Möglichkeiten durchgespielt, um die IKB wieder zu stabilisieren. Von einer Aufspaltung in einen gesunden Geschäftsbereich und eine „bad bank“ , die alle schlechten Risiken übernehmen soll, ist die Rede, auch davon, dass die Bundesregierung ihre Postbank-Aktien verkauft oder der KfW einen Kredit gibt. Was wäre am sinnvollsten?

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Faust: Eine schnelle Aufspaltung wäre nur dann eine Option, wenn man die Bank flott verkaufen wollte. Aber so schnell wird sich kein Käufer finden. Ich denke, dass man in einem ersten Schritt versuchen wird, die Eigenkapitalbasis der IKB zu stärken, um danach mit etwas mehr Ruhe einen Käufer zu suchen. Dann müssen auch die schlechten Risiken von den guten getrennt werden. Ohne eine Aufspaltung wird niemand die IKB kaufen wollen.

ZEIT online: Das bedeutet, dass letztlich wieder der Bund für die schlechten Risiken einstehen muss und auf der „bad bank“ sitzen bleibt.

Faust: Eine „bad bank“ kann nur existieren, wenn sie von den jetzigen IKB-Eigentümern mit reichlich Eigenkapital ausgestattet wird. Dieses Kapital wird mehrheitlich von der KfW bzw. dem Bund bereitgestellt werden. Eine Aufspaltung hätte den Vorteil, dass wenigstens der gesunde Teil der IKB nicht mit in den Sog der Krise gezogen wird. Sein Verkauf könnte auch einen Teil der Kosten decken. Wie gesagt: Letztlich geht es um Schadensbegrenzung.

Die Fragen stellte Alexandra Endres.

 
Leser-Kommentare
  1. Die Forderung nach Insolvenz der IKB läßt auf den bestürzend schlechten Ausbildungsstand in Volkswirtschaftslehre in unserem Land schließen.Journalisten mag man derlei Unsinn noch als Gedankenexperiment durchgehen lassen. Politiker, insbesondere solche mit Verantwortung, müßten schnellstens von ihrem Mandat entfernt werden.Eine Pleite der IKB wäre der Schneeball, der eine unkontrollierbare Lawine, lostritt. Auch der Einlagensicherungsfonds wird nur das erste Schneebrett dieser Lawine halten können. Wie sagte ein Professor der Bilanzlehre einmal so schön süffisant wie treffend: "Stille Reserven sind immer dann nicht mehr da, wenn man sie am meisten braucht." Wir haben es nicht mit der Schieflage eines einzelnen Instituts zu tun. Die Finanzwelt ist in strukturellen Schwierigkeiten. Schon die Insolvenz eines Unternehmens der Realwirtschaft zieht viele Pleiten in den nachgelagerten Unternehmen nach sich. Siehe Holzmann. Tausende Arbeitslose. Viele insolvente Subunternehmer und Lieferanten von Subunternehmern, die gleichfalls in Schwierigkeiten gerieten. Die Inanspruchnahme des Einlagensicherungsfonds würde bei der IKB nicht Halt machen.Bei den Banken erreicht dieser Multiplikatoreffekt aufgrund ihrer Funktion als Geldschöpfer schnell exponentiell zu messende Ausmaße.Die Anhänger des klaren Schnitts seien mit einer Anleihe aus der Medizin gewarnt:Ein Zahnarzt, der bei Kariesbefund sofort alle Eckzähne zieht,Ein Internist, der wegen eines Tumors, sofort alle befallenen Organe entferntsind selten gute Ärzte, in dem Sinne, daß der Patient überlebt.Zum Wohle aller Volkswirtschaften müssen Insolvenzen der Banken vermieden werden. Die moralische, ethische Verärgerung der Beobachter mag verständlich sein.Aber wenn überhaupt, dann kann ein Institut nur langsam aus dem Wirtschaftskreislauf "operiert werden. Ansonsten kollabiert der Patient wegen Organversagen.Alle Stimmen, die eine Beeinträchtigung der Realwirtschaft noch nicht feststellen können, werden sich noch wundern. Ende 2008 werden die Ausläufer des Finanztsunami gegen die Kaimauern der realwirtschaftlichen Unternehmen branden. Die Kommentatoren der IKB-Krise übersehen, daß die IKB nur das Symptom der Krise ist. Die Ursachen liegen in der gegenwärtigen Verfassung des Finanzsystems begründet. 

  2. Aber wie diesem Finanz-Terror begegnen?Was, wenn nicht ein "Ende mit Schrecken", ist eine adäquate Antwort darauf, dass eine kleine vornehmlich amerikanische Elite sich dadurch bereichert, dass sie die ganze Finanzbranche "kaputt wirtschaftet" und den Steuerzahler danach zur Reparatur des Systems erpresst?Ich bin sehr, sehr fassungslos darüber, dass wir jetzt tatsächlich gezwungen sein sollen die faulen Hauskredite amerikanischer Underdogs samt eingerechneter (und schon längst ausgegebener) Provisions- und Verwaltungskosten entlang der Verwertungskette zu zahlen.Das, was jetzt angeblich an Notmaßnahmen in WestLB, ikb & Co. eingeschossen werden muss, das ist doch das Geld, was bei den Bürgern nie als "Aufschwung" und "Binnenkaufkraft" ankam. Das ist das Geld, mit dem man anstehende Gehaltserhöhungen hätte gegenfinanzieren können, mit dem Straßen saniert und Kindertageseinrichtungen und innovative Technologien hätten finanziert werden sollen. Und eben das Geld haben sich doch die Herren Vorstände und Manager hier und in Übersee schon vor Jahren als Gehälter, Boni und Provisionen auszahlen lassen und schon lange konsumiert.Während der Bürger schuftet und sein Gehalt dennoch von der Inflation aufgefressen wird, werden in den Vorstandsetagen die Champagner-Flaschen und luxuriöse Dienstreisen mit dem Gewinn bezahlt, der demjenigen vorenthalten wird, der ihn erwirtschaftet hat.Und nun soll man akzeptieren, dass sehenden Auges gutes Geld dem Schlechten hinterher geworfen wird? Sorry, dafür habe ich kein Verständnis. Meiner Meinung nach haben wir überhaupt keinen Bedarf daran, dieses korrupte System weiter am Leben zu erhalten. Sicherlich würde der Nidergang der ikb nicht folgenlos bleiben, aber es ist doch für eine Marktwirtschaft überhaupt nicht hinnehmbar, dass der Steuerzahler ohne Gegenleistung Risiken privatwirtschaftlichen Aktivitäten übernimmt.Wenn das Investment der kfw Mist ist, dann tranchiert man heraus, was noch etwas taugt und verkauft den Rest für einen Euro an einen Privatmann.Wenn wir dem Terror jetzt nachgeben, dann wird er in ein paar Jahren mit anderen Protagonisten wieder auf der Matte stehen. Man darf diese kriminellen Strategien nicht dadurch adeln, dass man jetzt signalisiert: Der Staat und seine Bürger lassen sich betrügen, ohne dass es nennenswerte Konsequenzen für die Branche gibt.Dieses Signal auszusenden wäre doch gleichbedeutend mit der Aussage: Die Strategie war richtig, weiter so! Ein Betrug muss nur groß genug sein, damit er funktioniert ..F. Mayer

  3. Ob es nur eine amerikanische Elite ist, die sich bereichert, möchte ich bezweifeln. Sicher ist jedoch, dass sich einige wenige bereichert haben, die Steuerzahler haben aber die große Last zu tragen.Ich vermisse die Hinterfragung der Verträge der verantwortlichen Manager. Es bestand und besteht offenbar ein nur sehr geringes Risiko und so gut wie keinerlei Haftung. Gegenüber einem Durchschnittsbürger, der - wenn er Glück hat - arbeiten kann und darf und der sich tagtäglich mühen muss, sind die Konsequenzen für Verantwortliche geradezu lachhaft.

    • wll
    • 14.02.2008 um 11:22 Uhr

    Sollte, wie von "Korfstroem" geschildert, der volkswirtschaftliche Schaden die Kosten der für die IKB erforderlichen Rettungsaktio(nen) übersteigen, lassen sich diese IMHO tatsächlich rechtfertigen.
    Allerdings nur unter einer Bedingung: gegen die veranwortlichen Bankmanager und Aufsichtsräte müssen drastische Haft- und Vermögensstrafen verhängt werden. Das bisherige Prozedere des "goldenen Handschlags" wäre nämlich eine Beleidigung für all diejenigen, die jetzt mit ihren Steuergeldern oder gar mit ihren Arbeitsplätzen für die "Spielschulden" dieser sauberen Herrschaften einstehen müssen.
    Ansonsten sehe ich die Gefahr, dass deren Spekulationen in Zukunft eher noch riskanter ausfallen. Sie würden dann nämlich im sicheren Bewusstsein agieren, im Erfolgsfall üppige Boni zu kassieren, während eventuelle Verluste ja wieder der Steuerzahler übernähme - ohne dass sie ernsthaft zur Rechenschaft gezogen würden. Denn damit meine ich eben keine Millionenabfindung zum Abschied und den nächsten Managerposten nach ein paar Monaten "Schamfrist".
    Im Übrigen sollten derartige "Spekulationen" den staatlichen und halbstaatlichen Kreditinstituten verboten werden. Deren Zweck und einzige Daseinsberechtigung ist ja eben die Mittelstands- und Wirtschaftsförderung (z. B. von Unternehmensgründungen). Es gibt bei diesen Instituten keine Rechtfertigung dafür, mal eben irgenwo auf der Welt auf gut Glück "herumzuzocken" - noch dazu (letzten Endes) mit dem Geld der Steuerzahler...

  4. Es ist ja in der Tat nicht ganz so einfach, die IKB in die Insolvenz zu entlassen.
    Ich kann aber auch sehr gut verstehen, dass der Steuerzahler, dem in den letzten Jahren allzuviel zugemutet wurde, nicht bereit ist nun erneut aufgefordert zu werden, für Verluste eines Institutes gerade zu stehen in welchem die Manager aus Selbstüberschätzung weit über ihr Ziel und das Aufgabenspektrum der Bank hinausgegangen sind. Solche Selbsterfahrungsspirenzchen ohne Risiko für die "verantwortlichen  Managern/innen", nur auf  Kosten der Steuerzahler sind in der Volkswirtschaftslehre auch nicht vorgesehen. So kann Wirtschaft nicht funktionieren.

  5. Aber, aber - woher die Aufregung ? Das alles ist doch ganz normal und liegt im Bereich des zu Erwartenden ! Die Sozialisierung von Spekulations- verlusten wird wie immer ausgeglichen - durch die Privatisierung von Spekulationsgewinnen. Deshalb sprechen wir auch von "sozialer" Marktwirtschaft, wenn das obwaltende Wirtschaftssystem beschrieben wird ! Und das ist es doch wohl, was die Wählerschaft wünscht. Anderenfalls hätten Wahlergebnisse schon längst anders aussehen müssen, oder ? Vielleicht funktioniert parlamentarische Demokratie nur, wenn die Mehrheit nicht versteht, was läuft ? Ist - zugegeben - auch kein schöner Gedanke.

  6. Die Kriese erinnert mich sehr an die Holzmannkriese die auch den zusammenbruch des Immobilienmarktes zu folge haben sollte. In die marotte und dubiose Immobilienfirma wurden auch Millionen geschoben um sie zu retten! HAHAHA. Die Millionen wurden von den Managern und Großaktunären eingestrichen. Und siehe da nach 2 Jahren kamm trotzdem das aus. Auch ohne die Vorher beschriebenen Schreckenszenarien. Und jetzt heist halt Holmann IKB. Nur diesmal werden nicht Millionen sondern Milliarden gezahlt um Sie zu retten. Und auch dieses mal werden sich das Geld nur die Großaktunäre unter den Nagel reisen um ihr Geld in sicherheit zu bringen. Und wie bei Holzmann wird es auch wieder keine Konsequenzen für den Aufsichtrat oder die Manager haben. Und die Grossaktionäre werden dank der staatlichen Zusschüsse wieder ihr Geld in Sicherheit bringen! Ob die Bank in 2 Jahren wieder Bankrott geht bleibt abzuwarten. Aber ich muss erschrocken feststellen das Manager, Aufsichtsrätte und Grossaktionäre mit Dividenten, Auszahlungen und anderen Recht zweifelhaften Methoden sich Masslos bereichern und danach noch vom Staat (also den Steuerzahlern) finaziert werden. Aber vieleicht gibt es ja diesmal irgendwelche Konsequenzen für die Verantwortlichen und nicht nur Millionenabfindungen! Das wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

  7. Der Insolvenzantrag droht  nicht nur, nach der Entscheidung dieses unfähigen Aufsichtsrates und Mithilfe der KfW und des Bundesfinanzministerium, wurde nun die Ausgabe von sog. "Jungen Aktien"  sprich Kapitalerhöhung, zum Preis von 2,56 Euro je Anteilsschein am 29.7.08 bis Mitte August herausgegeben. Eine Frechheit und Betrug der Aktionäre, der Kurs der Aktie liegt derzeit bei nur noch 2,51 Euro und war schon kurz vor 2,20 Euro. Das ist weder ein faires Angebot an die Aktionäre, noch sollte man bei diesem erneuten Betrugsmanöver mitmachen. Das Urteil der EU dazu steht immer noch aus und vorerst passiert dort so wie so nix. Kann sein, dass der Kurs mittlerer Weile noch unter 2,00 Euro sinkt!

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