Alkoholmissbrauch Tödlicher Rausch
Im Berliner Komasaufen-Prozess sind nach dem Alkoholtod eines Schülers zwei Kellner zu Sozialarbeit verurteilt worden. Die Hauptschuld sieht die Anklage aber beim Kneipenwirt. Das Urteil gegen ihn steht noch aus
Die Geschichte von seinem tragischen Tod ging durch alle Medien: Nachdem Lukas W. bei einem Wetttrinken innerhalb einer Stunde fast 900 Milliliter Tequila in sich hineingeschüttet hatte, fiel der 16-jährige Gymnasiast in ein Koma, aus dem er nicht mehr erwachte. Der Fall setzte eine Diskussion über den Alkoholmissbrauch von Jugendlichen in Gang: Inzwischen sind die sogenannten Flatrate-Partys bundesweit verboten und in Berlin zählt die Polizei seitdem jeden aufgegriffenen betrunkenen Minderjährigen. 663 waren es von April bis Dezember 2007. Tendenz: In der Freizeit der Schüler steigend.
Nun wurde der Tod des Schülers auch strafrechtlich geahndet, vor allem weil die tödliche Wette auf einer Täuschung basierte. Lukas´ Kontrahent, der 27-jährige Wirt Aytac G., trank an jenem Morgen des 25. Februar 2007 hauptsächlich Wasser. Erst durch seine Nüchternheit provozierte der Wirt nach Ansicht des Gerichts jenen tragischen Ausgang. Er ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt, ein Termin für seinen Prozess steht bislang noch nicht fest.
Am Montag verurteilte das Berliner Landgericht drei von vier 17- bis 21-jährigen Jugendlichen, die den Wirt bei seinem Betrug unterstützten. Zwei von ihnen wurde wegen Beihilfe zur schweren Körperverletzung die Teilnahme an einem zehnmonatigen sozialen Trainingskurs auferlegt. Außerdem muss Schiedsrichter Mathias M. die Kosten für die Anwältin von Lukas` Mutter bezahlen. Ein 18-jähriger Angeklagter wurde von den Vorwürfen freigesprochen, weil er von dem Betrug nichts wusste. Das Verfahren gegen die 17-jährige Serviererin wird am 22. Februar fortgesetzt. Auch sie hofft auf einen Freispruch.
Mühsam gestalteten sich die Ermittlungen der Mordkommission, die Staatsanwalt Reinhard Albers mit der Untersuchung des Falles beauftragte: Der Wirt Aytac G. ahnte den Ärger und behauptete sofort, Lukas W. sei bereits betrunken in seiner Charlottenburger Bar Eye T. eingetroffen. Später äußerte der Mann, der sich nach Aussage des Staatsanwaltes gut darstellen kann, es habe sich nicht um ein verabredetes Wetttrinken gehandelt, sondern Lukas sei überraschend aufgetaucht und habe ihn bedrängt. Dem Gericht schließlich, wo er als Zeuge gehört wurde, wollte er weismachen, er habe den Betrug mit dem Wasser nicht veranlasst. Er will es aber gewesen sein, der gebeten habe, dem Gymnasiasten ein Glas Wasser zu servieren, damit der mit dem Trinken aufhört.
Im Sommer 2007 versuchte Aytac G., die jugendlichen Angeklagten auf eine für ihn günstige Version einzuschwören. Das taten diese anfangs auch aus Loyalität gegenüber dem Mann, den sie freundschaftlich Papa nannten. Als die Ermittler von dieser Beeinflussung erfuhren, verhafteten sie Aytac G. im Juli 2007. Bis zum vergangenen Mittwoch saß der Türke in Untersuchungshaft, wegen seiner Freilassung beschwert sich nun die Staatsanwaltschaft beim Berliner Kammergericht.
Durch diese Schwierigkeiten kam die Wahrheit erst im Gerichtssaal zutage. Hier hätten sich die Angeklagten nicht geschont. Schuldbewusst und sichtlich beeindruckt vom Tod ihres Altersgenossen berichteten sie, was sich zugetragen hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Denn obwohl dieses Verfahren für viele Menschen - insbesondere für Jugendliche - von größtem Interesse ist, hatte die Kammer aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes der Jugendlichen entschieden, Zuschauer erst nach der Beweisaufnahme zuzulassen.
- Datum 29.01.2009 - 12:06 Uhr
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Lächerlich - die Hauptschuld liegt bei der Gesellschaft, die so etwas zulässt, toleriert und fördert, aber auch konkret bei den Eltern der Jugendlichen und möglichen Fehlern in der Erziehung.
Wer verdient sich denn eine goldene Nase am exzessiven Alkoholkonsum der Bundesbürger?! Genau: Der Staat und somit ,,wir", die Gesellschaft.
Die Frage ist nur, ob diese Rechnung am Ende aufgeht: nicht, dass der gesundheitliche Schaden in der volkswirtschaftlichen Billanz am Ende schwerer wiegt als das schnelle Geld durch den Alkoholverkauf.
Alkohol sollte nicht verboten werden; sein ,,Wert" aber sollte gesteigert werden - eine Flasche Bier z.B. nicht unter 3-4 Euro verkaufen!
Weiterhin sollten Eltern, deren minderjährigen Kinder sich dem Komasaufen hingeben, empfindlichste Strafen erfahren (mehrere tausend Euro Geldbuße, z.B.).
Ich selbst bin Mitte 20 und gelte quasi als Exot, weil ich nicht (!) - bzw. nur in geringsten Maßen, alle 4-6 Monate - Alkohol trinke - normalerweise sollte es andersherum sein!
,,Saufen" ist für viele - unabhängig der sozialen Klasse - normal; es gehört zum guten Ton.
Und genau hieran sollte gesellschaftlich etwas verändert werden, und zwar schnell!
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