Kunst Der 100-Millionen-Euro-CoupSeite 2/2

Nun ist das Rätselraten groß: Mehr als dass die Räuber zirka 1,75 Meter groß und maskiert sind, einer von ihnen mit einem slawischen Akzent spricht und das Fluchtauto weiß und alt ist, wissen sie nicht. So sind die Fahnder auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. 100.000 Franken Belohnung sollen wertvolle Hinweise bringen.

Der Schweizer Kunstfachmann Thomas Krayenbühl spricht am Montag von einem "grausamen Verlust für den Kunstplatz Zürich" und vergleicht den dreisten Raub mit jenem aus der amerikanischen Gardner-Kollektion. Aus dem Museum in Boston wurden 1990 mehrere wertvolle Kunstwerke entwendet, die teilweise wiedergefunden wurden. "Entweder handelt es sich um einen Auftragsraub, oder die Täter versuchen die Versicherung zu erpressen ", sagt Krayenbühl, der lange Präsident der Zürcher Kunstfreunde war. Private Museen würden oft höhere Diebstahlversicherungen als staatliche Häuser abschließen, deshalb gerieten sie eher ins Visier von Dieben , die es auf ein Geschäft mit der Versicherung abgesehen haben.

Alle wichtigen gestohlenen Werke würden in einem internationalen Register geraubter Kunst aufgeführt, sagte der Kurator des Bührle-Museums Lukas Gloor während einer stark besuchten Pressekonferenz am Montagnachmittag. "Diese Bilder sind auf dem Kunstmarkt nicht verkäuflich", ist sich der Kunst-Manager sicher.

Ein Sprecher der Bührle-Familie, die 1960 rund 200 Kunstwerke einer Stiftung vermachte mit dem Zweck, die Bilder der Öffentlichkeit zu zeigen, sprach auf Anfrage von einem "dramatischen Schlag" für die Nachkommen von Emil Bührle. Der in die Schweiz ausgewanderte deutsche Industrielle hatte die Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon Bührle & Co. ab 1936 zu einer weltbekannten Waffenschmiede ausgebaut.

"Wir haben uns verschiedene Maßnahmen zur Steigerung der Sicherheit überlegt", sagte der Bührle-Sprecher, der darum bat, seinen Namen nicht zu nennen, da sich die Familie nicht öffentlich zum Raub äußern will. Der Einbau einer Sicherheitsschleuse sei ebenso erwogen worden wie die automatische Verriegelung des gesamten Gebäudes, sobald der automatische Alarm ausgelöst würde. "Doch bei einem bewaffneten Raubüberfall wären immer noch Menschenleben in Gefahr gewesen, und bei der Abriegelung hätte unter den Besuchern Panik ausbrechen können", begründet er den Verzicht auf weitergehende Sicherheitsmaßnahmen. Deshalb sei man der Ansicht, genügend Vorkehrungen getroffen zu haben. "Wir haben unser Sicherheits-Dispositiv gemacht", sagte der Sprecher.

Ein Sprecher der Zürcher Polizei sagte, es handele sich für die Schweiz um den größten Kunstraub aller Zeiten und vermutlich um einen der größten Europas. Ob ein Zusammenhang zum Überfall von vergangenem Mittwoch besteht, ist offen. Unbekannte, die sich in einer Ausstellung im Kulturzentrum eines Shoppingcenters 30 Autominuten außerhalb Zürichs entfernt versteckt hielten, hatten zwei Ölgemälde des spanischen Künstlers Pablo Picasso geraubt und befinden sich seither auf der Flucht.

 
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