Tschad

Krieg als Familienangelegenheit

Die Rebellion im Tschad droht sich zu einem offenen Krieg mit dem Nachbarland Sudan auszuweiten. In den Konflikt könnte auch die EU-Friedenstruppe für Darfur verwickelt werden

In Tschads Hauptstadt N’Dschamena werden nach dem gescheiterten Regierungssturz die Toten eingesammelt. Die vorerst geschlagenen Rebellen ziehen sich derweil in ihre Rückzugsbasen in der 800 Kilometer entfernten sudanesischen Bürgerkriegsregion Darfur zurück. Aber der Konflikt ist noch lange nicht zu Ende.

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Ratlos ist man bei der Eufor, der multinationalen Einheit der Europäischen Union. Die Friedenstruppe, deren Entsendung dieser Tage in die Grenzstadt Adré und in die angrenzende Zentralafrikanische Republik beschlossen war, wird dort möglicherweise nie ankommen. Die unmittelbare Folge: Mehr als 400.000 Flüchtlinge sind bar jeder Hilfe und werden möglicherweise verwickelt in Rückzugsgefechte zwischen der tschadischen Armee und den Rebellen.

Beigelegt ist der Konflikt längst nicht. Vielmehr könnte er sich zu einem offenen Krieg zwischen dem Tschad und dem Sudan auswachsen. Beide Länder werfen sich - höchstwahrscheinlich zu Recht - vor, wechselseitig Rebellen der Gegenseite zu unterstützen. Im Januar 2008 noch bombardierte die tschadische Luftwaffe Stellungen von Khartum-treuen Milizen in Darfur.

Darfur war schon immer ein Aufmarschgebiet für unzählige Rebellionen im Tschad. Von dort aus gelangte auch der jetzige Diktator Idriss Déby 1990 an die Macht. Umgekehrt haben viele Darfur-Rebellen ihre Wurzeln im Tschad und in dessen Armee.

Die Anwesenheit der Eufor würde das Machtgleichgewicht im Grenzgebiet zwischen dem Tschad und Sudan empfindlich stören. Vor allem für den Sudan stellt die Eufor-Truppe ein Ärgernis dar. Sie würde durch ihre Präsenz im Osttschad die Rückzugsgebiete der Darfur-Rebellen absichern, die der Sudan auch im Tschad unentwegt angreifen lässt.

Die stärkste Rebellenbewegung in Darfur, die „Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit“ (JEM), hat direkte Verbindungen zu Tschads Regierungsclique um Idriss Déby, auch, weil ihre Mitglieder der gleichen Volksgruppe der Zaghawa angehören. Um die JEM zu vernichten, müsste Khartum daher auch Déby stürzen. So nähme die Eufor mit ihrem Einsatz ein Sicherheitsproblem des tschadischen Diktators Déby auf ihre Schultern, was die allseits proklamierte Neutralität fragwürdig erscheinen lässt.

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Leser-Kommentare

    • 09.02.2008 um 11:02 Uhr
    • MDNL

    dass die kräfteverhältnisse durch eine eufor-mission zugunsten von deby verschoben würden, ist sicher schlecht. deby ist ein schlimmer diktator. andererseits sind die herren in sudan ebensolche verbrecher.die verantwortlichen, die über die entsendung der eufor-truppen definitiv entscheiden werden, dürfen einfach nicht vergessen, dass es um die hunderttausenden flüchtlinge und um die verhinderung von noch mehr toten gehen sollte. eine neutrale mission ist in diesem fall im tschad-sudan-grenzgebiet realitätsfremd!

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  • Von Jochen Stahnke
  • Datum 8.2.2008 - 05:20 Uhr
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