Deutsche Post Der Kostenfanatiker

Er war der Kronprinz, nun wird er schneller Chef als erwartet: Der Aufsichtsrat hat Frank Appel zum neuen Vorstandschef der Deutschen Post ernannt. Keine leichte Aufgabe für den Zumwinkel-Erben

Nach dem dramatischen Rückzug von Klaus Zumwinkel hat die Deutsche Post einen raschen Generationswechsel und Neuanfang eingeleitet. Der Mann an der Spitze heißt ab sofort erwartungsgemäß Frank Appel. Der 46-Jährige hat kein leichtes Amt übernommen: Mehrere Herausforderungen muss er anpacken. Appel zeigte sich am Montagabend in Bonn sogleich kämpferisch. Er werde "rasch und konsequent Handlungsschwerpunkte setzen" - "aus dem größten Anbieter im globalen Markt machen wir den besten". Die Fußstapfen, die der "gelbe Titan" Zumwinkel nach 18 Jahren als Vorstandschef hinterlässt, sind für jeden Nachfolger groß - auch für Appel. Er hat seinem Ziehvater in den vergangenen Jahren als "Kronprinz" schon respektvoll über die Schulter geschaut. Auf den ersten Blick gibt es mit der hausinternen Lösung auch nach der Ära Zumwinkel eine Kontinuität: Appel wird den Konzern über Nacht wohl nicht radikal umkrempeln.

Doch während der 64-jährige Zumwinkel wenige Tage vor seiner für Anfang März selbst geplanten Rücktrittsankündigung mit einem kaum verständlichen steuerlichen Hazardspiel sein gesamtes Lebenswerk ruinierte, muss "Zumwinkel junior", wie ihn eine Zeitung titulierte, jetzt erst richtig zeigen, was in ihm steckt. Auf seinen Förderer wird er kaum noch bauen können. Denn die Steueraffäre durchkreuzte auch Zumwinkels Ambitionen auf den Post-Aufsichtsratsvorsitz.

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Bisher war Appel einer breiteren Öffentlichkeit unbekannt. Er ist weder ein Showman noch in der deutschen Politik vernetzt. Acht Jahre bei der Post haben auch ihn schon reich gemacht. Einschließlich Aktienoptionen erhielt er allein für 2006 rund 2,5 Millionen Euro Gehalt. Im November vergangenen Jahres kassierte er auf einen Schlag mehr als zwei Millionen Euro aus dem Verkauf von Aktienoptionen.

Zumwinkel hinterlässt einige Baustellen. Vor allem sind es die Milliardenverluste im US-Geschäft, die Unzufriedenheit der Investoren sowie die ungeklärte Zukunft der Tochter Postbank. Wenigstens auf dem heimischen Briefmarkt, bei dem das frühere Staatsunternehmen nach wie vor am meisten Gewinn macht, hat die Post fürs erste Ruhe: Der nicht zuletzt auf Betreiben Zumwinkels eingeführte Mindestlohn macht der Konkurrenz schwer zu schaffen und versetzt den Marktführer Post (Marktanteil rund 90 Prozent) weiter in eine komfortable Lage.

Für das defizitäre US-Geschäft war Appel bisher nicht direkt verantwortlich, das sieht jetzt anders aus. Anstatt zeitig zu bremsen, setzte Zumwinkel vergeblich auf eine Wende, feuerte seinen deutschen USA-Chef Uwe Dörken und verpulverte noch mehr Geld. So wurde die Post auch der größte Besitzer eines privaten Flughafens in den USA, in Wilmington/Ohio. Inzwischen sind die Investoren hier sehr ungeduldig geworden. Ein rasche Lösung sei aber nicht zu erwarten, hieß es aus dem Umfeld Appels.

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