Italien Wiedergänger Berlusconi

Noch einmal zieht er in die Wahlschlacht, doch das Feuer ist weg. Ein andrer stürmt nun vorwärts: Walter Veltroni

Berlusconi ist müde. Auch die dicke Schminkschicht kann dies nicht verbergen. Der Mann hat viel gearbeitet in den vergangenen 14 Jahren, als Medienzar, Angeklagter, Fußballpräsident, Regierungschef und Oppositionsführer. Längst ist er im Pensionsalter, aber er muss jetzt noch mal ran.

Bei seinem ersten Wahlkampf 1994 war er 57 Jahre alt. Damals postierte er sich vor ein Bücherregal in seiner schlossähnlichen Villa in Arcore bei Mailand, sprach in die Fernsehkamera, er wolle Italien von den Kommunisten befreien, und wurde gewählt.

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Heute gibt es eine ähnliche Botschaft, aber anstelle der Bücher hat Berlusconi eine kostbare, chinesische Vase und ein Madonnenrelief für den Hintergrund seiner Fernsehansprache gewählt. Einrichtungsgegenstände reicher, italienischer Großeltern.

Tatsächlich ist Berlusconi mehrfacher Großvater. Aber er kann sich nicht um seine Enkel kümmern, wie Romano Prodi. Der gestürzte Regierungschef des Mitte-Links-Bündnisses, zweifacher Kontrahent Berlusconis in früheren Wahlkämpfen, zieht sich jetzt ins Privatleben zurück. Berlusconi aber stürzt sich in Wahlkampf Nummer fünf .

Vor der chinesischen Vase drischt er altbewährte Phrasen: “Die letzten beiden Jahre unter der Linken haben unsere Freiheit beschnitten. Wir leiden unter dem Regime der Steuer, der Bürokratie und der Justiz.” Das Übliche halt. Berlusconis Welt hat sich eben in den letzten 14 Jahren kaum verändert. Die der übrigen Italiener schon. Die meisten von ihnen haben keinen superreichen Großvater mit einem tollen Fußballklub, einem Dutzend Villen und Blumenvasen, die ein paar tausend Euro kosten. Sie leiden weniger unter der Justiz als unter den horrenden Lebenshaltungskosten, unter der extrem hohen Jugendarbeitslosigkeit und dem Müll auf den Straßen.

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