Spenden Vertrau mir! sagt dein Freund
Seit der Krise bei Unicef stellt sich für Spendenbereite die Frage neu: Wer garantiert mir, dass mein Geld ankommt? Die Internetplattform Betterplace bietet eine Antwort
Mary Nyuyinwi aus Kamerun ist vertrauenswürdig. Zumindest für die zehn Unterstützer, die der 42-Jährigen das Schulgeld für ihren Sohn, ihre Nichte und ihren Neffen gespendet haben. Für 826 Euro können die drei Kinder ein Jahr lang zur Schule gehen. Mary Nyuyinwi hat ihre Bitte um die Schulgeld-Spende auf betterplace.org platziert, einer Internetplattform, die hilfesuchende mit hilfsbereite Menschen direkt vernetzen will. „Wir wollen zeigen, dass Spenden auch effizienter geht und transparenter“, sagt Betterplace-Geschäftsführer Till Behnke. Der Wirtschaftsinformatiker hat die Betterplace-Stiftung vor drei Monaten mit Partnern und finanzkräftigen Unterstützern wie Daimler Financial Services in Berlin gegründet.
Auf betterplace.org stellen sich soziale Projekte aus aller Welt vor und beschreiben, was sie konkret benötigen. Sie listen minutiös auf, wofür sie wie viel Geld ausgeben wollen: 1500 Plastikplanen zu 6150 Euro als Soforthilfe für Bangladesch, 10.500 Euro zum Aufbau einer Bücherei in Nepal oder eben Marys 826 Euro Schulgeld. Jedes Projekt hat einen Projektverantwortlichen, der den Fortschritt seines Vorhabens detailliert protokollieren soll. Der Spender soll genau wissen, an wen seine Spende am Ende fließen wird und wofür sie ausgegeben werden soll.
Anders als bei großen Wohltätigkeitsorganisationen wie Unicef funktioniert der Seriositätscheck der einzelnen Projekte bei Betterplace nicht über ein Markenversprechen, das Vertrauen ins Produkt stiften soll – nach dem zweifelhaften Vorbild „wo Unicef draufsteht, werden schon keine Spenden veruntreut werden“. Die Projekte knüpfen stattdessen ein Vertrauensnetzwerk um sich herum. Menschen, die ein Projekt kennen, empfehlen es weiter. Außerdem ist die Liste der Spender für jedes einzelne Projekt einsehbar; die Kontaktaufnahme zu den Spendern, Fürsprechern und Projektverantwortlichen braucht nur einen Mausklick. Vertraut man dem Urteil der Vertrauensnetzwerker – beispielsweise weil man einige davon kennt oder gar mit ihnen befreundet ist – soll dies auch das Vertrauen ins Projekt stärken. Das Betterplace-Spendensiegel heißt unmittelbarer oder mittelbarer Kontakt.
Seit der Gründung sind so rund 20.000 Euro über betterplace.org gespendet worden, sagen die Initiatoren. Neun der annähernd 100 Projekte, die hier mittlerweile aufgelistet wurden, sind abgeschlossen. Neben Privatpersonen wie Mary rufen auch kleinere und größere Organisationen zum Spenden auf. Zum Beispiel die Hilfsorganisation Care Deutschland, die unter anderem Spenden für jene Plastikplanen für Bangladesch gesammelt hat. Astrid Marxen, Referentin für Fundraising bei Care, hofft, über Betterplace eine jüngere Spendergruppe anzusprechen, denn offline seien ihre Spender „um die 60 und meist weiblich“. In der Web-2.0-Community, wie Jan Schmidt vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung sie kennt, könnten die kleinen Betterplace-Projekte gut ankommen. „Der Gedanke ist weit verbreitet, dass dezentrale Initiativen für soziale Ziele besser funktionieren als hierarchische Organisationen.“ Gegen Spendenriesen wie Unicef gebe es allein schon der Größe und Undurchsichtigkeit wegen Vorbehalte.
Garantieren, dass alle Projekte sauber sind, kann betterplace-Geschäftsführer Till Behnke allerdings nicht. Gerade die kleinen können nicht wie Care ihre Gemeinnützigkeit durch die Finanzamts-Überprüfung belegen. Letztlich müsse dem Spender klar sein, dass die Verantwortung für seine Entscheidung zu spenden bei ihm alleine liege, sagt Behnke. „Wenn Du das Projekt nicht kennst und auch keinen Mittler, dann vertraue nicht.“ Generell, schätzt Medienforscher Schmidt, gebe es eine Tendenz, dass online in Bewertungsverfahren eher positiver als negativer gerankt würde. Aber einen wirklichen Anreiz zum Missbrauch der Betterplace-Bewertung sieht er nicht, „der Aufwand ist zu groß“.
Garantieren will Betterplace hingegen, dass die Privatspenden auch wirklich vollständig weitergegeben werden. Das Unternehmen hat keinen riesigen Verwaltungsapparat, der wie beispielsweise bei Unicef gerne einmal 18 Prozent der eingenommenen Spenden verschlingt. Hier arbeitet ein gutes Dutzend Menschen, meist freiberuflich. Sie verdienen bislang wenig, finanziert von Partnerunternehmen, die an den Erfolg glauben.
- Datum 15.02.2008 - 06:18 Uhr
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