Steuerskandal Mit dem BND in der Grauzone

Im Fall Zumwinkel hat sich der Geheimdienst in ein Verfahren eingemischt, das allein Staatsanwälte und Gerichte zu klären haben. Die Opposition im Bundestag will den Vorgang jetzt prüfen

"Abscheuliche Mittel, für gute Zwecke eingesetzt, machen auch den Zweck abscheulich", schrieb Anton Tschechow vor mehr als einhundert Jahren. Der Satz gilt noch heute, und fragt man Politiker, ob bei der Suche nach Steuersündern der Zweck jedes Mittel heiligt, sagen alle nein. Doch anschließend folgt stets ein "aber".

Wie so oft, wenn in den vergangenen Jahren die Methoden des Staates diskutiert wurden, geht es um sehr viel. Dieses Mal nicht um den Terror und die Gefahr von außen. Wie der Fall des zurückgetretenen Postchefs Klaus Zumwinkel zeigt, ist die Gesellschaft von innen bedroht, durch ihre eigenen Eliten. Viele von denen, die den Staat stützen und stärken sollten, scheinen ihn als lästiges Übel zu empfinden und ausnehmen zu wollen. "Diese Leute machen alles kaputt", zitiert der Spiegel Bundesinnenminister Wolfgang Schäubles Sorge. Doch wie in dessen Kampf gegen den Terror stellt sich auch im Fall Zumwinkel die Frage, wie weit der Staat gehen darf, um sich zu schützen.

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Im Moment ist nicht einmal geklärt, wie weit er überhaupt ging. Zwei Versionen gibt es. In der ersten war der Bundesnachrichtendienst lediglich Bote der brisanten Informationen, die zu Zumwinkels Verhaftung und zu Hunderten Hausdurchsuchungen führten. Ein Informant soll dem BND einen Datenträger angeboten haben, die Geheimdienstler leiteten diesen und den Zuträger an die Steuerermittler weiter und überbrachten im Gegenzug den finanziellen Dank des Finanzministeriums.

Der Ablauf wird unter anderem von Finanzminister Peer Steinbrück bestätigt. Es dürfe dabei "keine Legendenbildung" geben, sagte er am Montag in Hamburg. Der Informant sei von sich aus "außerhalb der Bundesrepublik" an den BND herangetreten und der BND habe, wie es seine Pflicht gewesen sei, die Informationen weitergeleitet. "Alles ist korrekt gelaufen. Ich habe keine Zweifel, dass die Behörden sich korrekt verhalten haben."

Die Spione hätten in diesem Fall wie gute Staatsbürger gehandelt und lediglich Amtshilfe geleistet. Ihre Auslagen, wie hoch auch immer, wurden ihnen demnach ganz korrekt laut Abgabenordnung erstattet. Juristisch nicht zu beanstanden. Doch bleibt auch in dieser Version zu klären, ob das Finanzministerium sich Hilfe bei der Suche nach Steuersündern kaufen darf. Auch wenn ein möglicherweise hundertfacher Gewinn für den Staat das Ausgeben der einen oder anderen Million zu rechtfertigen scheint. Immerhin gab es auch lange ein Kronzeugengesetz.

Und es gibt auch in diesem Fall Kritik an dem Verfahren. So bemängelte der Innenexperte der Union, Hans-Peter Uhl (CSU), dass der BND wohl wie so oft vergessen habe, das Parlamentarische Kontrollgremium von den doch wichtigen Ermittlungen zu unterrichten. "Das ist ein Gesetzesverstoß, mit Verlaub."  Vorkommnisse "von besonderer Bedeutung" seien dem Gremium unaufgefordert zu melden, sagte Uhl ZEIT online.

Leser-Kommentare
  1. Jetzt geht’s los – über das süße Gefühl der Rache
     
    Das mit dem drögen Zumwickel, oder wie dieser Steuer-Postbeamte heißt, das soll schon alles gewesen sein? Harz IV sucht den Superstar! Aber nichts in Sicht. Nach einem furiosen Auftritt der gesamten beamteten Nichtraucher-Fahndergemeinde, plötzlich Schweigen.
    Einen blassen Rotweintrinker und Zigarrenraucher haben sie uns zum Anfüttern vorgeworfen. Uns, die wir NICHTS haben, was es zu Verschleiern gäbe und was sie nicht schon längst wüssten oder kassiert hätten, uns soll das Gefühl der süßen Rache plötzlich vorenthalten werden.
    Kein Popstar, die oder der in die Kiste muss. Kein Rennfahrer, kein Fußballspieler. Alle sauber. Gott sei Dank – wäre auch schwer zu ertragen. Rache ist nur schön, wenn die brummen, die wir nicht verstehen. Aber echte Rache ist das auch nicht – weil wir sie nicht verstehen. Superstarmacher verstehen wir, aber die sind alle sauber – Madonna sei Dank.
    Was also soll der ganze Zirkus – blasse Zigarrenraucher, die überall rauchen, wo’s schon längst verboten ist, die festzunehmen ist doch keine Kunst – vor allem aber kein Event, den wir verstehen.
    Kunst wäre: uns glücklich zu machen – aber wer sollte das hierzulande schon leisten. Rache macht glücklich ... aber an wem sollte man sich hierzulande schon rächen. Mal sehn was heute in der Glotze kommt ...
    (TPL)

    • PeKara
    • 18.02.2008 um 16:53 Uhr

    Ein Dieb (DVD-Beschaffer) der einen Dieb (Steuerhinterzieher) stiehl, hat 100 Jahre Begnadigung.

    • SAM.
    • 18.02.2008 um 16:58 Uhr
    3. HIER

    stimmt das spanische Sprichwort nicht. Der Dieb hat nicht einen anderen Dieb bestohlen, sondern wurde vom Staat fuerstlich belohnt.

    • clubby
    • 18.02.2008 um 17:09 Uhr

    aktiv werden, und dabei so dusselig agieren, ohne den Schuldigen wirklich zu schaden , aber den Anschein zu wahren, man habe es versucht. (Siehe NPD Verbot).
    Ich greife mal vor: Die sünder sind zwar welche, aber alle Beweise, werden vor Gericht nicht gelten, weil sie mit nicht rechtstaatlichem Mitteln erhoben wurden. So sind alle glücklich:
    - die von neoliberalen Politikern geliebten "Sünder" ("Kapital ist ein scheues Reh")
    - der Rechtsstaat , der seiner "Pflicht" nachkommt.Sehet her, läuft doch alles wie es soll!
    Alle, bis auf den einfachen Angestellten, der diese Möglichkeiten in dem Umfang nicht hat, und weiter den Laden auf seinen Schultern trägt.

    • PeKara
    • 18.02.2008 um 17:12 Uhr
    5. @SAM.

    "...sondern wurde vom Staat fuerstlich belohnt...."aber der Staat holt sich das Geld vom Dieb.

    • wpev
    • 18.02.2008 um 17:26 Uhr
    6. BND

    Spielt es eine Rolle wer den Betrug an der Sozialgemeinschaft aufdeckt? Oder wer Hilfe leistet? Müller, Meier, Schulze gebeutelte Steuerzahler und Rentner gleichen ungewollt aus was Herr Zumwinkel am FA vorbei lavierte. Er selber oder seine Berater... egal! Ist uns der namenlose "Bankspion" sympathischer als der Gedanke an einen BND der einen bundesweiten Raubzug (mit) aufdeckt? Jedweder Untersuchungsausschuß schmälert die monetären Rückflüsse an Herrn Steinbrück! Besser sollte der BND unter allen Büffets Wanzen anbringen... damit die Herren der Appetit vergeht... bei Lachshäppchen und Schampus Lichtensteiner Pfade zu erkunden. Wenn hier bislang auch keine Untreue am Unternehmen sichtbar wird... wird sie an uns den Lesern begangen?

    • flury
    • 18.02.2008 um 17:45 Uhr

    Wie soeben berichtet wurde, hat die Niederlassung des Bankhauses Metzler (vom Sprecher zwischenzeitlich bestätigt) in München staatsanwaltlichen Besuch erhalten, neben einer anderen Privatbank, neben zweier Privatvillen-Besitzer in München.
    Dachte ich mir's doch, daß auch die Privatbankiers in diese Machenschaften - wie auch immer, entweder als Direktbeschuldigte oder als Zeugen - involviert sind. In vielen Fällen ginge es um weitaus größere Summen als dies im Fall Zumwinkel der Fall ist. Es wird sich doch rentieren, demnächst mal über Luxuszellen nachzudenken, nur bitte dies nicht, die ganz normaln tun es auch.

    • suraf
    • 18.02.2008 um 18:02 Uhr

    Wo liegen die rechtsstaatlichen Bedenken gegen den Einsatz des BND? Das irgendwann Steuersünder wie in Abu Ghureib vom Geheimdienst gefoltert werden um alles über ihre Geiheimkonten zu erfahren ? - Oder gab es etwa die Hoffnung, daß sich die Steuerverkürzer von der ethisch bedingten Zurückhaltung des Finanzministers beeindruckt zeigen - und sie den rein moralischen Druck verspüren sich selbst anzuzeigen? Auch wenn Herr Niebel sich für seine Wählerklientel in die Bresche wirft, um sie vor dem Geheimdienst zu schützen, bleibt festzustellen, daß der Staat nur dann seine Rechtsordnung bewahren wird, wenn es keine Straftat gibt, die de facto nicht verfolgt werden kann.

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