Internetwahlkampf "Danke für den Spam!"
Mit einer ungeschickten Internetkampagne versuchte die Hamburger FDP vor den Bürgerschaftswahlen zu punkten. Statt Interesse erntet sie Spott - und eine Abmahnung vom Anwalt
Der Hamburger IT-Unternehmer Hanno Zulla staunte nicht schlecht, als er eine Nachricht von einem Unbekannten bekam: "Hallo! Kennst du schon den FDP-Wahlwerbespot für die Bürgerschaftswahlen in HH? Wäre der nicht was für deinen Blog?", stand in der kurzen Email. Als Absender war ein "Niklas Sörensen" angegeben. Doch nach einer kurzen Recherche fand Zulla heraus: der Absender war erfunden - die Mail stammte von einer Werbeagentur, die im Auftrag der FDP einen Werbespot verbreiten sollte. Als Zulla bei der Partei nachfragte, bekam er eine erstaunlich offene Antwort: „Kennen Sie das Stichwort ‘virales Marketing’?“
"Virales Marketing" ist eine der neuen Geheimwaffen der Werbebranche. Statt Werbespots zuerst im Fernsehen zu schalten, veröffentlichen Werbeprofis heute ihre Botschaften zuerst im Internet. Mit Filmen auf dem Videoportal YouTube, Kampagnen auf Netzwerkseiten wie StudiVZ und Facebook versuchen sie, direkten Zugang zum Kunden zu bekommen. Der Vorteil: Da die Kunden die Markenbotschaft selbst weiterverbreiten, sind die Kampagnen vergleichsweise billig - und genießen hohe Glaubwürdigkeit.
"Es ist ein Mythos unter Werbern, dass es reicht, ein Video hochzuladen und drei Mails zu verschicken, um eine Kampagne zu starten", erklärt
Martin Oetting
, der sich bei der Agentur trnd auf die digitale Mundpropaganda spezialisiert hat. Heute sei der Markt mit Zehntausenden von lustigen Filmchen übersättigt: "Wer gegen die Videos auf YouTube anstinken will, muss sich schon sehr anstrengen". Das Spiel mit verdeckten Identitäten hält Oetting für unprofessionell: "Wenn man mit Webloggern spricht, sollte man mit offenen Karten spielen."
Punkten konnte die FDP mit ihrem Wahlwerbespot online nicht, die Abrufzahlen waren zunächst nur mäßig. Zwar war der Film aufwendig und professionell produziert und trumpfte mit dem Schauspieler Sky du Mont auf. Die Pointe zum Schluss, bei der sich du Mont und der Hamburger Spitzenkandidat Hinnerk Fock anlächeln, ist jedoch eher peinlich. "Der Spot ist so schlecht gemacht, dass man ihn gesehen haben muss, um es zu glauben", schreibt Zulla in seinem Weblog. Aber dabei beließ er es nicht: mit Hilfe seines Anwalts mahnte er die Partei wegen unerlaubter Email-Werbung ab.
Bei der FDP möchte man die peinliche Episode nicht besonders hoch hängen. Der Anwalt Ralph Oliver Graef teilt auf Anfrage mit, dass ein Mitarbeiter der beauftragten Werbeagentur Oysterbay über das Ziel hinaus geschossen sei - man habe die Weblogger nicht täuschen wollen. Im Prinzip habe die Partei durchaus das Recht, politisch interessierte Webblogger anzuschreiben. In diesem Fall habe man aber aus "prozessökonomischen Gründen" die Unterlassungserklärung unterschrieben und die Anwaltskosten bezahlt.
- Datum 21.02.2008 - 03:55 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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Zum einen ist im politischen Wahlkampf das Youtube-Video als Satire moderne Kunst und durch die Verfremdung ein neues gehaltvolles Kunstwerk,Sollte die FDP dennoch anderer Auffassung sein, ist Sie jetzt in einer strategischen Falle. Egal, was sie macht, es ist falsch, Allein die Diskussion um rechtliche Schritte killt das Image der Partei.Entweder Sie unterläßt die rechtlichen Schritte und ist blamiert oder aber sie legt Rechtsmittel, dann es ist um ihren liberalen Ruf geschehen. Das anti-liberale Denken in der Partei bricht dem CDU-Anhängsel hoffentlich wenigstens in Hamburg bald das politische Genick. In den Landtag der Hansestadt Hamburg gehört diese Partei auf jeden Fall schon mal nicht. Das ist sicher!GrußBernhard
Der Film "trumpfte mit dem Schauspieler Sky du Mont auf." Kann man mit dem auftrumpfen? Das ist doch der, der Tom Cruise für einen Weltstar hält, der es richtig findet, dass dieser "Schauspieler" Stauffenberg spielte. Na ja, auch der Herausgeber der FAZ glaubte, Cruise unbedingt einen Bambi geben zu müssen ...
... wenn niemand mehr in die Quere kommt.isaac ben laurence weismann
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