Steuerhinterziehung Kapitales Fernweh

Der Steuerskandal zeigt auch, dass die Zeit des Schwarzgeldes in Europa langsam vorbeigeht. Kein Problem für die ganz Reichen – Steuerparadiese gibt es auf der Welt genug

Noch gibt es sie, die guten Argumente. Auf den Seiten des Liechtensteinischen Bankenverbands preist man die Vorteile des Finanzplatzes: „Enge Beziehungen und offene Grenzen zur Schweiz, keine Steuerharmonisierung.“ Vor allem aber: „Keine Steueramtshilfe und starkes Bankgeheimnis“ – und das „trotz Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR)“. Auch die Geldsumme ist dokumentiert, die die Liechtensteiner Banken im Jahr 2006 verwaltet haben: Rund 160 Milliarden Schweizer Franken, umgerechnet mehr als 100 Milliarden Euro. Fast den gleichen Betrag haben die Deutschen im vergangenen Jahr für Kraftstoff, Strom, Gas und Heizöl ausgegeben. Nicht schlecht für ein Land, das etwa so viel Einwohner hat wie das bayrische Germering im Kreis Fürstenfeldbruck .

Der Grund für den Erfolg: Seit Jahrzehnten setzt das Finanzsystem des Fürstentums, an dessen Spitze das geschäftsführende Oberhaupt Erbprinz Alois und sein Regierungschef Otmar Hasler stehen, auf absolute Verschwiegenheit. Das Bankensystem gilt bis heute als eines der geschlossensten der Welt. Dazu gehört ein Stiftungsrecht, das es ermöglicht, mittels eines Treuhänders, die Identität des Besitzers der Stiftung zu verschleiern. So entstand ein populärer Rückzugsraum für Steuerflüchtige; das Kapital floss aus aller Welt ins Land. Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft liegen rund 180 Milliarden Euro deutscher Schwarzgelder auf den Konten Liechtensteiner und Schweizer Banken.

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Ein gutes Geschäft für Anwaltskanzleien, Unternehmensberatungen und private Geldhäuser. Und ein Ärgernis für die deutschen Finanzbehörden und Finanzinstitute. Fast wehrlos mussten sie zusehen, wie die Liechtensteiner auf heimischem Terrain grasten. Michael Bormann, Partner einer internationalen Steuerkanzlei in Berlin, spricht gar von „einem Heer von Handlungsreisenden, die von schweizerischen und liechtensteinischen Banken entsandt werden und die vermögende Privatkunden besuchen und über die Vorteile in Liechtenstein aufklären“. Einige von ihnen böten auch besondere Dienstleistungen an, etwa Geldtransporter, mit denen das Vermögen über die Grenze geschafft werde.

Das System war über Jahre eingespielt. Gelder wurden über Scheingeschäfte nach Liechtenstein transferiert oder bar über die Grenze geschafft. Das geschieht bis heute recht problemlos, zu überfordert sind die Grenzkontrolleure, zu geschickt die Tricks. "Man kann nicht jeden an der Grenze fragen, ob er 15.000 Euro dabeihat", sagt Dieter Ondracek, Chef der Deutschen Steuergewerkschaft. Einmal im Land, wurde das Geld auf Nummernkonten oder in Stiftungen geparkt und die Identität des Besitzers verschleiert. Andere Gelder flossen in Briefkastenfirmen, von denen es in Liechtenstein nach Angaben der Deutschen Steuergewerkschaft rund 80.000 geben soll.

Leser-Kommentare
    • flury
    • 18.02.2008 um 21:24 Uhr

    Auszug aus Spiegel-Online von heute - einfach zum Genießen: "Es ist das, was man Ironie des Schicksals nennt: Acht Mal im Jahr kommt die Mitarbeiterzeitung der Deutschen Post heraus, "Premium Post" genannt. Redaktionsschluss der aktuellen Ausgabe war am Dienstag, am Mittwoch dann wurden die rund 400.000 Exemplare bundesweit an Angestellte und ehemalige Mitarbeiter der Post verteilt.Das war genau einen Tag zu früh. Denn die Redakteure konnten beim Erstellen der Mitarbeiter-Postille nicht ahnen, dass ihr Chef Klaus Zumwinkel am Donnerstagmorgen in einer großangelegten Razzia von Staatsanwälten und Steuerfahndern ins Visier genommen würde. Und das, obwohl er in eben jenem Blatt noch vollmundig getönt hatte: "Führungskräfte", so der bis dahin geschätzte Dax-Vorstand, "sind Vorbilder".Das Ganze erinnert doch sehr an: "Ihr müßt den Gürtel enger schnallen, maßvolle Lohnabschlüsse sind angesagt, Mindestlöhne vernichten Arbeitsplätze ..." und weiteres Brimborium dieser Möchtegerns und selbsternannten Eliten. Es sind keine Eliten, sondern ganz schlichte Soziale Marktwirtschafts-Schmarotzer -  Absahner im weißen Hemdkragen zu Lasten der Mitarbeiter und täglich (wirklich) Wertschöpfenden. Es wird wirklich Zeit, daß manche dieser "Vorzeige"-Kandidaten bald mal schlichte Gefängsnisaufenthalte genießen.

  1. er hat vor langer- verjaehrter Zeit Fehler gemacht.Sackgasse- die Amnestieangebobote Eichels haetten das Ende der Karrierebedeutet. Er hat besser gearbeitet als viele DAX Vorstaende, mit Ausnahme desUSA Geschaefts - DHL-.  Richtet niemanden hin !!

  2. Richtig ist, dass man diesen Leuten das Handwerk legen muss. Genauso richtig wäre, man würde unseren unglaubwürdigen Politikern mal das Handwerk legen. Da stellt sich eine Nebelkerze hin, pardon Niebel genannt, und behauptet, das Vorgehen des BND wäre unrechtmäßig. Aber was hat Otto Graf Lambsdorff gemacht? Steuern hinterzogen, bis sich die Balken bogen. Er wurde deshalb rechtskräftig als Steuerhinterzieher verurteilt.Von den anderen Parteien will ich garnicht erst reden. Der schwarze Sheriff aus Hessen ist auch so ein Paradebeispiel. Über unseren seeligen Kanzler H.K. will ich auch nicht reden, Black Out sei Dank. Dann stellt sich die Frage des Bundesrechnungshofes. Der prangert alljährlich Milliardenverschwendungen an. Was passiert? Nichts, absolut garnichts! Hinzu kommen die unfähigen, von Politikern bestimmten Landesbanken. Wer zahlt die Millliardenlöcher? Der Steuerzahler. So verwerflich das Verhalten von Herrn Zumwinkel auch sein mag, unsere Politikerkaste, gleich welcher Couleur, sollte sich zunächst einmal an die eigene Nase fassen. Aber durch die enge "Verwandtschaft" zwischen Wirtschaft und Politik wird das nur ein frommes Wunschdenken bleiben.

  3. Die ganz reichen Bürger hinterziehen keine Steuer. Sie wären dumm, wenn sie es tun würden. Nur die Dummen wollen in den Knast. Steuerfahndung in Deutschland, das ist CIA und KGB hoch Zwei! Die ganz reichen Bürger, Vermögende bzw. Unternehmer, nutzen die Gestaltungsspielräume, die unser kompliziertes Steuerrecht bietet. Auch, wenn es manchmal ein Ritt auf der Schneide einer Rasierklinge ist. Weiter nutzen die wirklich Reichen unsere Staates, die dirkete oder indirekte Einflußnahme auf die Parteien der Union, CDU und CSU. Friede Springer und Liz Mohn wissen wie das geht. Unter Kohl hat es mehrere Steuerentscheidungen gegeben, die den wirklich Vermögenden Bürgern unseres Landes mit einem Federstrich Millionen im dreistelligen Bereich in die Kassen gespühlt hat. Obwohl unsere Kanzlerin im Rahmen des Liechtenstein-Skandals bisher eine ganz gute Figur macht (mein erstes Lob über unsere FDJ-Kanzlerin) - es gibt in Kreisen der Union wohl die höchste Dichte an Steuerhinterziehern - muß sie mit dem Unmut vieler ihrer Parteifreunde rechnen. Mal sehen, wie es ihr in der Zukunft in der Union in der Zukunft ergeht. Bisher hat eine exponierte CDU-/CSU-Mitgliedschaft, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, doch vor Problemen mit der Finanzverwaltung geschützt. Diese Zeiten scheinen nun vorbei zu sein. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen sich ein krimineller Steuerhinterzieher sicher fühlen durfte. Fünf Millionen für eine DatenCD mit noch nicht einmal tausend Datensätze. Ca. 119.000 Datensätze stehen noch zum Verkauf. Dazu kommen die Datensätze, min. 700.000 aus der Schweiz oder aus Luxemburg. Wer würde da nicht  versuchen mit der Kopie einiger Hundert Datensätze vielfacher Millionär zu werden. Ein Nezt von PC-System ist nicht wirklich zu schützen - egal wie hoch der betriebene Sicherheitsaufwand ist. Ich wünsche allen Kopierern, das ist kein Diebstahl, viel Glück. Außerdem sind berufskriminelle Erpresser wohl immer noch im Lande unterwegs, um Kasse zu machen. Jeder Steuerhinterzieher sollte wissen, für ihn gibt es keine Ruhe, keine Gnade, ... und vor allem kein Paradies mehr. Es lohnt sich nicht mehr Steuern zu hinterziehen. Für Steuerhinterzieher gibt es nur noch den Knast und Ächtung auf Dauer. Und: das ist gut so.  PS: Selbst BILD empfiehlt seinen Lesern die Selbsanzeige und bietet gleich ein rechtssicheres Formular mit an.  

  4. Frau Künast (Grüne) hat es offenbar am Treffensten formuliert.Das Ganze erinnert an organisierte Kriminalität.

  5. Frau Künast (Grüne) hat es offenbar am Treffensten formuliert.
    Das Ganze erinnert an organisierte Kriminalität.

  6. @redaktion  - Super TitelKapitales Fernweh  Sagt aus um was es geht,ohne nur einseitig Schuld zuzuschieben.Es drückt pointiertein Problem für alle aus.Auch die, die lieber im eigenen Land weniger Steuern zahlen würden,egal ob das sinnvoll ist oder nicht.Sehr schön.

  7. Der Weg in die "Asoziale Maktwirtschaft" ist schon längst beschrieben.Hier einige Leseproben: http://web916.basicbox9.s...

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