Fidel Castro "Eine Ära geht zu Ende"

Der kubanische Präsident Fidel Castro kündigt seinen Rücktritt an. Damit endet eine halbes Jahrhundert Geschichte. Ein Interview mit dem Kuba-Experten Bert Hoffmann

ZEIT online: Ist dieser Rücktritt eine Überraschung?

Bert Hoffmann: Es ist eigentlich die Normalisierung einer Amtsnachfolge, die wir erwartet haben. Aber eine Ära von einem halben Jahrhundert geht zu Ende, die die Welt beschäftigt hat. Fidel Castro stand in oft im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit.

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ZEIT online: Was bedeutet dieser Bruch historisch?

Hoffmann: 49 Jahre im Amt – das ist länger als die Lebensdauer der DDR. Der Abschied von dieser Führungsfigur ist ein psychologischer Bruch von großer Bedeutung für das Land. Alle Institutionen Kubas tragen die Handschrift von Fidel. Der Übergang, der sich anderthalb Jahre hingezogen hat, wird den Schock mindern, denn sein Bruder Raúl bestimmt schon seit Monaten die kubanische Politik.

Castro kandidiert nicht für die neue Amtszeit, er ist kein „Fidel auf Lebenszeit“. Viele hatten gedacht, dass seine Herrschaft nur durch eine „biologische Lösung“ zu Ende gehen würde. Dass es eine politische Lösung innerhalb des Apparates gibt, dass die Amtsgeschäfte in einem zivilen Prozess übergeben werden, widerspricht dem archaischen Prinzip des Führers auf Lebenszeit. Zum Glück. Es gibt zwar keine demokratische Ablösung durch freie Wahlen, aber eine zivile. Das ist letzten Endes die historische Dimension, die dieser Rücktritt hat.

ZEIT online: Welche Auswirkungen wird es auf die Beziehungen mit den USA haben?

Hoffmann: Raúl Castro hat gegenüber den USA bereits verschiedene persönliche Gesten gemacht. Aber man darf die Erwartungen nicht zu hoch hängen. Vor den Präsidentschaftswahlen in den USA wird nichts passieren. Raúl Castro verkörpert die Kontinuität der Revolution, aber er hat längst nicht die Symbolkraft, die Fidel besitzt. Fidel ist sowohl für die Linke als auch für die Rechte im Westen eine Symbolfigur. Mit Raúl ist es vorstellbar, dass eine Aussöhnung seitens der USA möglich wird, wie man es mit Vietnam gemacht hat – was mit Fidel ausgeschlossen war. Das heißt nicht, dass eine Aussöhnung automatisch erfolgt. Sie wird aber viel stärker in der amerikanischen politischen Diskussion ein Thema werden.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 19.02.2008 um 16:19 Uhr

    "°"°"soll endlich an die geschichtliche Müllhalde rausgeschmissen werden.

  1. Der MaxLeader geht und Bush hat die Hoffnung geäussert, dass es jetzteinen demokratischen Wandel in Cuba geben könnte. Das wäre tatsächlichzu hoffen! Ach, noch eine Kleinigkeit: Sehr geehrter Herr Bush, wir hoffen auchsehr auf einen demokratischen Wandel in den USA! It's time for a change! Vorrausetzungen wären allerdings freie und demokratsichen Wahlen, bei denennicht nur Sie, sondern auch Ihre ganze republikanische Entourage zur Hölle geschickt werden würden: Wir sind bereit diesen Wandel mit allen Mitteln zu unterstützen! Sagen Sie einfach kurz Bescheid, wenn Sie dazu UNSERE HILFE! benötigen.Vielen Dank!Mathias Will
    wolkenunddreck.de

    • SAM.
    • 19.02.2008 um 17:07 Uhr
    3. HIER

    muss man sich freuen, dass Castro und Bush im selben Jahr von der Bildflaeche verschwinden. Gibt es einen schoeneren Zufall?

  2. Ich wage eine Vorhersage:
    Mit Fidel Castro verschwindet, erst recht wenn seine biologische Uhr abgelaufen, wohl nach und nach ein (politisches) Gesellschaftsbild, das es kein zweites Mal auf der Welt gibt.
    Das Land und seine Bevölkerung möchte wirtschaftlich wachsen. Was sie um jeden Preis, auch entgegen dem Ideal Castros, erstreben wird, weil ohne Schuldbewusstsein dem nicht mehr seienden Maximo Lider, dem Retter ihrer Heimat. Dafür wird die im Interview angesprochene cubanische Elite schon sorgen um sich anschließend die größten Rosinen rauszupicken.
     
    Selbstverständlich in der Regieführung der USA, die dann als Dank dafür ein neues Testareal, ein Spielzeug erhält, auf ihrem Weg die absolute Weltherrschaft zu erringen.
     
    Äußerlich wird sich Cuba verschönern, Arbeitplätze werden sprunghaft steigen, der Tourismus bis zum Anschlag angekurbelt. Doch der kleine Mann wird immer klein bleiben. Er wird nicht wissen wie ihm geschieht, wenn er nunmehr ausgebeutet wird. Er wird mehr arbeiten aber immer noch gleichviel haben. Er wird merken, dass eine riesengroße Scheiße am Laufen ist, doch er wird sich nicht wehren können, da er es nie gelernt hat in der Obhut seines liebenden und fürsorglichen Übervaters Fidel.
     
    Fidel Castro hat es, bei all seiner Liebe zum Land, die ich ihm wirklich zuspreche noch weit über seinem Machtanspruch, versäumt mit der Zeit zu gehen. Sein Volk wachsen und erwachsen werden zu lassen. Wie alle kontrollsüchtigen Dominanten hat er jede Veränderung abgelehnt. Nach Batista war Cuba = Castro. Wenn er nicht mehr ist, wird Cuba = der_ ihn sich_am_schnellsten_schnappt sein.
     
    Es ist wahr, eine unvergleichliche Ein_Mann_ein_Staat_Ära geht zu Ende!

  3. Angenommen,.....Kuba öffnet sich langsam. Dann werden die Eliten nach Florida verschwinden. Und die restlichen 90% der Kubaner müssen sich die Frage stellen:"Was haben wir nach 50 Jahren Isolation einer globaliserten Welt zu bieten? Was ist unser "Value", unser Beitrag?"
    Zigarren produzieren vielleicht? Gibt es schon! Touristik und Strände? Gibt es schon! Vielleicht Schuhe nähen für Nike und Jeans für Hilfiger? Machen schon die Vietnamesen? O.K., dann vielleicht Software entwickeln für SAP und Microsoft? Das machen schon die Inder!
    Kurzum: aus 0,9% Arbeitslosenrate wird schnell 80%. Die Kubaner vergleichen ihren möglichen Wohlstand immer mit den Amerikanern in Florida. Realistischerweise werden sie sich nach Osten orientieren müssen, denn Haiti ist Karibik und Haiti ist näher als Florida! Dort ist keine Armut wie in Kuba - dort ist Elend. Vorbei sind dann die kostenlose medizinische Versorgung und andere "Errungenschaften der Revolution". Dafür brauchen Frauen, die mit einem Ausländer gesehen werden, aber nicht mehr ins Gefängnis zu gehen. Und statt den "nur" 18 Dollar monatlich haben die meisten Kubaner dann "Null" Dollar!
    Kurzum, wer die Frage nach dem Beitrag Kuba's für eine globalisierte Welt beantworten kann, der hat auch schon die Lösung! 
     
     

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