Vampire Weekend im Interview Nur die Gitarre sauberer drehenSeite 3/3
Koenig: Wenn man sich anschaut, was in der postkolonialen Ära gewachsen ist, sieht man Nationalismus und Kulturstolz. Aber der Postkolonialismus zeigte auch, dass Vermischung der Kulturen nicht zwangsläufig so schlecht sein muss wie der Kolonialismus selbst. Die Globalisierung gibt es schon sein hunderten von Jahren, und es gibt viele interkulturelle Verbindungen. Wenn man den Postkolonialismus auf die Musik bezieht, beginnt man zu fragen: ‚Sind die Musiken wirklich so verschieden? Sollten sie zusammengefügt werden? Sollte man in einer modernen Welt nicht auch die Musiken der restlichen Welt hören, eben weil es eine gemeinsame Geschichte gibt?’
ZEIT online:Preppy ist ein Wort, mit dem Vampire Weekend immer wieder beschrieben werden. Was bedeutet das?
Koenig: Ich glaube, prep kommt von prepatory school und bezeichnet eine bestimmte Schulart. Vielleicht eine, die George Bush besucht hat. Abgesehen davon ist es eine Art, sich zu kleiden – in Ralph Lauren oder Lacoste. Ein klassischer Look, den jeder tragen kann, der aber auch für eine konservative Ausbildung steht. Unsere Art preppy zu sein ist nicht die der anderen Leute. Wenn man jemanden auf der Straßen fragt, wie wohl ein preppy Mensch lebt, dann hört man: Er ist Banker, verdient gut und hat ein Haus in Connecticut. Aber er spielt nicht in einer Band namens Vampire Weekend.
ZEIT online: Dann ist preppy das Gegenteil von Rock’n’Roll.
Koenig: Ja, irgendwann kam dieser Indierocker-Stil auf: Man sollte möglichst schlampig aussehen, als sei man gerade aus dem Bett gerollt. Ich denke, unsere Musik klingt, wie preppy Klamotten aussehen, und nicht, als sei sie gerade aus dem Bett gerollt. Mich langweilt dieser ganze Indierock-Dresscode. Preppiness passt zu uns.
ZEIT online: Anfang des Jahres hat eine BBC-Jury Vampire Weekend auf die Liste der meistversprechenden Neulinge in 2008 gesetzt. Was bedeutet Ihnen das, und was verändert es?
Tomson: Wir konzentrieren uns auf unsere Hälfte der Gleichung: Wir machen die Lieder, mit denen wir uns wohl fühlen und bringen sie raus. Die andere Hälfte ist die Reaktion der Leute. Die BBC-Liste zeigt uns, dass die Menschen uns ein weiteres Mal positiv aufgenommen haben, das fühlt sich großartig an. Aber es liegt nicht in unserer Macht.
Das Gespräch führten Rabea Weihser und David Hugendick
Lesen Sie hier die Rezension von Vampire Weekends Debütalbum »
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- Datum 07.01.2010 - 11:45 Uhr
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