Kolumne Keine Angst vor Globalisierung
Im französischen Weinbaugebiet Roussillon versuchen die Winzer mit unverkennbaren Rotweinen gegen starke Konkurrenz und sinkende Preise anzukämpfen. Der 9. Teil unserer Weinkolumne
Es windet so heftig, dass man kaum vorankommt. Der Tramontane bläst schon den dritten Tag aus Nordwest, sogar die Bäume stehen schief. Sie haben die Wahl, umzufallen, oder sich zur Seite zu beugen. Olivier Chouilly macht der kalte Wind aus den Bergen nichts aus. Ohne Jacke steht er vor der
Genossenschaftskellerei
von Pézilla im Roussillon, Frankreichs südlichster Region. Chouilly ist Anfang 30, Direktor der 1945 gegründeten Kooperative und damit verantwortlich für 100 Genossen, die der Weinbau ernähren soll. Dass Chouilly so jung zum Direktor bestimmt wurde, liegt auch daran, dass man ihm zutraut, Antworten zu finden auf Fragen, die die Älteren unter den Weinbauern bis vor Kurzem gar nicht kannten. Die die Globalisierung aber mit sich brachte und die alle Winzer beschäftigen, ob in Südfrankreich, Rheinhessen oder Spanien: Für welches Marktsegment produzieren wir? Wie schärfen wir unser Profil? Wie behaupten wir uns im härter werdenden globalen Wettbewerb?
„Wir machen gute Weine, aber die Kommunikation ist schlecht“, sagt der junge Direktor. Die Zeiten sind vorbei, als die Weine, ohne Marketing-Kampagne, einfach in der Region getrunken wurden. In der Europäischen Union wird zu viel Wein erzeugt, die Behörden bezahlen Prämien, damit Rebstöcke herausgerissen werden. Die Kellerei beliefert Supermärkte in 14 Ländern, darunter Polen, Island und Mauritius. Die Lage ist trotzdem angespannt. „Wir erzielen immer geringere Preise.“ Gleich fünf Vins Doux Naturelles stehen im Sortiment, traditionelle Süßweine, die das Roussillon vor Jahrhunderten berühmt machten und getrunken wurde wie Bier. Heute suchen auch die Einheimischen nach passenden Gelegenheiten und machen den Wein so zu einem Ladenhüter. Die Gewohnheiten der Weintrinker haben sich geändert, die Winzer halten an ihren Traditionen fest. Ein Problem, das auch Chouilly zu lösen hat.
Einer, der es schon gelöst hat, ist Cyril Henriques. Der Winzer stellt oben auf einem Berg, wenige Kilometer vom Dorf Millas, seinen Wein her. Hier wachsen die Reben der abgelegenen Domaine
Força Real
. Die Böden sind karg, die Wurzeln der Reben arbeiten sich bis zu 15 Meter tief durch den Schiefer, um an Wasser zu gelangen. Nur drei rote Côtes du Roussillon und zwei Rivesaltes, regionale Süßweine, stehen im Angebot, die Weine werden nicht nur in Frankreich stark nachgefragt. „Ich habe keine Angst vor der Globalisierung“, sagt Henriquès. Von hier oben sieht man das nahe Spanien, das Mittelmeer flimmert in der Ferne. Wer herausgefunden hat, wie man hier zurecht kommt, will nicht mehr weg. Seine Strategie, sich auf wenige hochwertige Weine zu beschränken, geht auf.
Auch
Jean Gardiés
hat keinen Grund zur Klage, seit er sich entschlossen hat, unverkennbare Rotweine zu erzeugen. Die Trauben wachsen im Schutz des Canigou, des heiligen Bergs der Katalanen, der immer etwas Schnee um die Nase hat. „Erstklassige Rotweine zu verkaufen ist einfacher als eine regionale Spezialität“, benennt Gardiés das Problem vieler einheimischer Winzer. „Ein zehn Jahre gereifter Süßwein darf nicht nur zehn Euro kosten. Wer soll denn davon leben?“
Im Roussillon scheren Tradition und Moderne des Weinbaus immer stärker auseinander. 4500 Winzer arbeiten hier, 1800 davon im Haupterwerb. Ihre Zahl wird schrumpfen. Viele keltern mit veralteter Technik, wie es seit Generationen gemacht wird, produzieren unzugängliche Weine, die von den Karten gestrichen werden. Auch einige der 50 Genossenschaften sind starre Gebilde, zu langsam, um auf die Anforderungen der Gegenwart reagieren zu können. Auf den Bergketten des Roussillon stehen Wachttürme, von den Katharern erbaut, um vor nahenden Feinden warnen zu können. Gegen die Kräfte der Globalisierung können sie nichts mehr ausrichten.
Weine der Domaine Força Real sind in Deutschland erhältlich bei www.viniculture.de , www.weinzeche.de und www.moevenpick-wein.de . Dort findet man auch Weine der Domaine Gardiés.
Über den Autor:
Rainer Schäfer schreibt am liebsten über Wein und Fußball. Er war zuletzt Chefredakteur des Fußballmagazins
RUND.
- Datum 21.02.2008 - 06:07 Uhr
- Quelle ZEIT online
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Als Leser der ersten Stunde folgender Vorschlag. An der Schreibe gilt es nichts zu verbessern, aber wie schön wäre es unterstützende Bilder dazu zu Gesicht zu bekommen. Der Autor muss vor Ort gewesen sein, um so detailiiert auskunft geben zu können, da dürften die Bilder ja auch nicht weit sein.
Ich würde mich freuen.
Die Bilder zur Zeit sind zum Abgewöhnen.
Mit besten Grüßen und weiter so!!!
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