Balkan

Steine, Granaten, russische Warnungen

Die Lage im Kosovo spitzt sich nach dessen Unabhängigkeitserklärung zu - und Russland hält seine Drohgebärde unvermindert an

Die seit langem erwartete Unabhängigkeitserklärung ist vollzogen, das Kosovo nun der jüngste Staat in Europa. Doch in den Jubel der Menschen mischen sich gewalttätige Szenen: In Belgrad haben sich mehrere hundert Jugendliche vor der US-Botschaft Straßenschlachten mit der serbischen Polizei geliefert. Sie protestierten gegen amerikanische Unterstützung für die Provinz Kosovo. Bei den Krawallen wurden mehrere Polizisten verletzt und ins Krankenhaus gebracht, Fensterscheiben gingen zu Bruch.

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Die Demonstranten, Anhänger Belgrader Fußballclubs und Angehörige extrem- nationalistischer Verbände, zündeten Mülleimer an und bewarfen das Botschaftsgebäude in der Innenstadt mit Steinen. Sie riefen auch anti-albanische Parolen und den Namen des wegen Kriegsverbrechen gesuchten bosnisch-serbischen Generals Ratko Mladic. Vor der in Moskau ansässigen serbischen Botschaft protestierten ebenfalls Dutzende von Jugendlichen gegen die Unabhängigkeitserklärung des Kosovos.

In der von Serben und Albanern bewohnten Stadt Mitrovica im Norden des Kosovos ist ein Sprengstoffanschlag auf das Gebäude des UN-Gerichts verübt worden. Zwei UN-Fahrzeuge wurden durch die Explosion schwer beschädigt. Verletzt wurde nach Polizeiangaben niemand. In der Stadt wurde am Abend noch ein weiterer Sprengsatz entdeckt, den die Polizei jedoch rechtzeitig entschärfen konnte. Die Sprengladung befand sich vor einem Büro, in dem die EU-Mission EULEX untergebracht werden soll.

Westlichen Kreisen zufolge hatten Unbekannte zuvor Gebäude der EU und der UN mit Handgranaten beworfen. Es habe keine nennenswerten Schäden gegeben, hieß es zunächst. Das EU-Gebäude sei evakuiert worden.

Im kosovarischen Merdare kam es bereits am Sonntagnachmittag zu Handgreiflichkeiten: Mehrere Hundert serbische Veteranen des Kosovo-Krieges von 1999 hatten den Grenzübergang zur abtrünnigen Provinz Kosovo blockiert. Zuvor durchbrachen sie eine Kette der serbischen Polizei, wurden aber von der Kosovo-Polizei am Überqueren der Grenze gehindert.

Auch auf dem internationalen diplomatischen Parkett löste die kosovarische Erklärung heftige Reaktionen aus: Der Schritt der überwiegend albanisch-stämmigen Bevölkerung des Kosovo trifft auf erbitterten Widerstand Serbiens, das darin von seinem engsten Verbündeten Russland unterstützt wird.

Der serbische Ministerpräsident Vojislav Kostunica verurteilte die Unabhängigkeitserklärung. Es handele sich um die Gründung eines "falschen Staates", sagte Kostunica in Belgrad. Dass die USA die Unabhängigkeit der serbischen Provinz unterstützten, sei ein "Verstoß gegen internationales Recht".

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Leser-Kommentare

  1. Für alle, die sich fragen, warum Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien eigentlich ein unabhängiges Kosovo anerkennen wollen: siehe meine Analyse "Kosovo: Was ist die Strategie des Westens?" im Community-Bereich. Friedrich Poeschel,
    University of Oxford,
    www.friedrich.poeschel.info

  2. @Poeschel: Bitte um etwas genauere Informationen wie ich zu Ihrem Artikel gelange.

  3. Das sich der Kosovo unabhängig erklären würde, war zu erwarten. Die Frage ist nun - wie reagiert der Westen und welchen Konsequenzen ergeben sich daraus?Eines ist gewiss. Die Loslösung des Kosovo von Serbien ist ein Verstoss gegen die UN-Charta - also nach internationalem Recht illegal. Die Entsendung von EU-Kräften im Rahmen von EULEX ist unzweifelhaft eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Serbiens. Ein UN-Mandat, dass auch nur einen dieser Punkte legitimieren könnte, gibt es nicht. Die heutige Bevölkerungssituation im Kosovo ist das Ergebnis ethnischer Säuberungen durch die UCK, die für Massenmorde, Vertreibungen und andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich sind. Hinzu kommen auf das Konto der UCK Drogenhandel, Verschleppung, Folter und Bombenanschläge. Die UCK ist als eine klassiche Terrororganisation. Das der Westen diese Terrororganisation aktiv unterstützte, macht sie an deren Verbrechen mitschuldig.Was bedeutet es also, wenn die EU - und besonders für uns interessant: Frau Merkel - diesen illegalen Akt unterstützen. Die Konsequenzen sind klar. Von nun an darf sich JEDER unabhängig erklären und um dieses zu erreichen, darf er morden und foltern, wie es ihm gerrade passt.Warum also sollten sich die Kurden in der Türkei nicht unabhängig erklären? Mit welchem Recht sollte man es ihnen verweigern? Und warum sollten sich die Türken in Deutschland nicht auch für einen eigenen Staat entscheiden?Ob Frau Merkel all das bedenkt? Es ist zu bezweifeln - mit Bedenken und Intelligenz haben Merkels Entscheidungen noch nie zu tun gehabt. Aber vielleicht lädt sie sich ja ein paar Leute von der UCK zum grillen ein - Kriegsverbrecher scheinen ja ihr bevorzugter Umgang zu sein. Die Kosten übernehmen die Brandenburger bestimmt wieder gern.

  4. Es ist schon ein bisschen verlogen was "wir" dort machen. Wenn es um separatistische Bewegungen in pro-russischen Ländern geht, die auf eine Fragmentierung der russischen Einflußsphäre hinausläuft, scheinen "wir" das Recht wider jeder Moral zu unterstützen. Geht es aber um die Basquen, die Vlandern oder Nord-Zypern wollen wir uns natürlich nicht in die inneren Angelegenheiten einmischen. Der berechtigte Wunsch nach einem eigenständigen Staat ist also nicht das Motiv unserer Handlungen, wieso also sollte man dieser Frage weiter nachgehen?Hinzu kommt außerdem, daß der Kosovo doch unter EU- und UN-Protektorat einer mehr als zweifelhaften Zukunft entgegensieht und wahrscheinlich weniger Unabhängigkeit haben könnte, als es bisher der Fall war. Eine sehr dubiöse Aufführung.

    • 17.02.2008 um 17:30 Uhr
    • Hajru

    Ihr schreibt alle Misst, politisch unkorekte Aussagen, ohne ausreichende politische Kenntnisse... Ich nehme mir die Freiheit, nicht zuletzt weil Kosova jetzt frei ist, darauf garnicht einzugehen.Oohhh, es ist soooo schööön, wahnsinnig schöööön, wunderbar, wunderschöön, einfach unbeschreiblich: KOSOVA IST UNABHÄNGIGMeine Glückwünsche an alle! Auch an Serben, das wird selbst für euch, vom Vorteil sein...Eeuer aller Hajru

    • 17.02.2008 um 17:40 Uhr
    • yato

    damals die serbische aggression gegen die kosovo albaner zu beenden
    war wahrscheinlich richtig.
    nun aber wegen den kosovo albanern, die nicht minder stur wie die serben sind, einen weiteren konflikt mit russland zu riskieren ist unklug für europa.
    die unabhängigkeit ist ein grosser gewinn für kosovo, aber ein schwerer verlust für serbien.
    von serbischer sichtweise her, ist es zutiefst ungerecht, dass die kosovo albaner jetzt den ganzen kosovo bekommen. gerade auch deshalb, weil die kosovo albaner ihrerseits in den letzten jahren viele serben aus dem kosovo herausgemobbt haben. ethnische säuberung diesmal anders herum.
    ich möchte hier aber weder auf der seite der einen, noch der anderen stehen. beide führen sich auf wie barbaren, sind unversöhnlich und nicht kompromissbereit, wie dumme schuljungs am pausenhof, die nur auf gewalt setzen.
    man hätte eine lösung finden müssen, die von beiden tragbar ist.
    george bush, der diese art von lösung gewollt hat, hat hier ein weiteres kuckucksei gelegt und die gefahr ist gross, dass daraus noch ein hässlicher vogel mit 2 köpfen herauswächst, der nichts gutes für europa bringt.
    hoffentlich geht es gut, denn russland hat noch 10000 atomwaffen und europa sollte eher diplomatisch und vereinend, als rigoros und spaltend sein.
    nur den albanern einen bonbon zu schenken und den serben gleichzeitig eine kopfnuss zu geben ist unklug für europa!
    ein schwerer politischer fehler!

    • 17.02.2008 um 17:55 Uhr
    • Zack34

    ."Ich nehme mir die Freiheit, nicht zuletzt weil Kosova jetzt frei ist, darauf garnicht einzugehen.".Diese Freiheit haben Sie sich bereits regelmäßig genommen, sobaldhier im Forum etwas erschien, was Ihrer Vorstellung nicht entsprachund ihr Vorrat an äußerst argumentativen volksverhetzenden Beschimpfungen (in ihrer Sprache: pol. korrekte Äußerungen) zuneige ging...Im übrigen ist Kosovo bereits seit 1999 in Ihrem Sinne "frei", ergo fast neun (9) Jahre lang. (Zur Erinnerung: Milosevic´s Zeit dauerte 12 Jahre).Was in der Zeit - ohne wennauch nur einen einzigen serbischen Polizisten oder Soldaten - aus dem "freien Kosovo" geworden ist, dürfte hinlänglich bekannt sein und ist bereits Gegenstand einiger Dokumentarsendungen und Berichte, auch trauriger Zeugenaussagen gewesen...MfGZack34.

  5. Beide Gebiete waren Teil des Osmanischen Reiches, aber die -vorher nicht existenten- Palästinenser sollen einen unabhängigen Staat haben dürfen, während die Kosovaren weiterhin von ihren "Wohltätern", den Serben, "besetzt" (eine gern benutzte Nahost-Formulierung, wenngleich im Kosovo zutreffend, im Nahen Osten dagegen nicht) bleiben müssen?

    Erstaunlich auch, dass gerade die typischen Linken, die sonst so sehr für Unabhängigkeit einstehen (selbst [oder gerade] wenn's auf Kosten der Juden geht), plötzlich von "Separatismus" sprechen und "berechtigte" "russische Interessen" gefährdet sehen.

    Die Argumente würden mich interessieren.

    .

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  • Datum 18.2.2008 - 11:01 Uhr
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  • Quelle ZEIT online, dpa, Reuters
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