Balkan "Dumme und gesetzlose Entscheidung"

Unmittelbar vor der erwarteten Unabhängigkeitserklärung des Kosovos haben Russland und Serbien den Ton mit dem Westen verschärft

Unmittelbar vor der erwarteten Unabhängigkeitserklärung des Kosovos haben Russland und Serbien ihren Konfrontationskurs zum Westen verschärft. Der russische Präsident Wladimir Putin warnte Europa am Donnerstag vor einer Anerkennung der Provinz. Um seiner Sicherheit willen habe sich Russland auf eine solche „dumme und gesetzlose Entscheidung“ des Westens vorbereitet, sagte Putin bei seiner vorerst letzten Jahrespressekonferenz als Präsident. „Wir haben einen fertigen Plan und wissen, was wir zu tun haben.“

Neben den USA sind die meisten EU-Staaten bereit, den neuen Staat aus der Erbmasse des früheren Jugoslawiens umgehend anzuerkennen – darunter auch Deutschland. Serbien kündigte an, einen Marionettenstaat auf seinem Territorium nicht zu dulden. Die Regierung in Belgrad werde eine Abspaltung der südserbischen Provinz für nichtig erklären, sagte Ministerpräsident Vojislav Kostunica in einem Interview der Tageszeitung Glas Javnosti . „Wir müssen uns auf wichtige und historische Entscheidungen konzentrieren, um alle Formen des albanischen Separatismus ein für allemal zu beenden und das Kosovo als integralen Bestandteil Serbiens zu bestätigen.“

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Die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo wird für Sonntag erwartet. Russlands berief im letzten Moment noch einmal eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats, bei der Diplomaten zufolge der serbische Außenminister Vuk Jeremic den Standpunkt seiner Regierung darlegen sollte. Das Treffen war für Donnerstag geplant. Die Veto-Macht Russland hat verhindert, dass das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen einen Beschluss zum künftigen Status der Provinz fasst. Monatelange Verhandlungen zwischen Serben und Kosovo-Albanern waren ergebnislos geblieben.

Das Gebiet von der Größe Schleswig-Holsteins wird seit dem Kosovo-Krieg 1999 von den UN verwaltet und der Nato abgesichert, darunter Bundeswehrtruppen. Im Kosovo liefen die Vorbereitungen auf die Unabhängigkeitserklärung auf Hochtouren. Die neue Flagge ist in der Produktion und das Kosovo-Philharmonie-Orchester bereitete sich auf die Aufführung der „Ode an die Freude“ aus Ludwig van Beethovens 9. Symphonie vor. Von Freitag bis Mittwoch importiert die Provinz zudem mehr Strom als sonst, um für die Feiern gerüstet zu sein. Die 16.000 Nato-Soldaten verschärften ihre Sicherheitsvorkehrungen vor allem an den Enklaven der serbischen Minderheit. Unter etwa zwei Millionen Albanern leben rund 120.000 Serben.

 
Leser-Kommentare
    • MRad
    • 14.02.2008 um 22:30 Uhr

    Die serbische Regierung versucht Präventiv-Paket gegen die Kosovo
    Unabhängigkeit zu erschaffen. Es werden mir die meißten Menschen zustimmen, dass
    dies nach den letzten vergäblichen Versuchen der serbischen Regierung aussieht seinen Anspruch auf die in der UN-Charta 1244 zugesicherte territoriale Integrität Serbiens durchzusetzen. So sehr sich Russland, Serbien & Co gegen die Öffnung der
    Büchse der Pandora stemmen, umso mehr Versuchen die USA diese zu
    öffnen. Es geht schon längst nicht mehr um die albanische Mehrheit im
    Kosovo oder um die Serben, sondern es scheint als ob die beiden
    Großmächte wieder einmal versuchen zu zeigen, wär denn der Stärkere ist,
    undzwar auf Kosten anderer. Im Zeitalter der europäischen Vereinigung
    wird anstelle mehr Territorium zu vereinen, den USA nachgedackelt und
    damit einem, für niemanden positiv endenen, Konflikt entgegen.
    Bald werden die USA, also nicht nur durch das Britische Königreich als
    „Marionetten-Staat“ in Europa vertreten, sondern auch durch das Kosovo.Anstelle der Gründung der USE (United States of Europe) wird Europa zum Okupierten der USA. Schade.

  1. Mir ist immer noch nicht ganz klar, warum den Serben am Kosovo so viel liegt. Sicher, es ist immer ein Teil des Landes gewesen, Amselfeld usw.Jedoch ist es ein bitterarmes Land, dagegen ist Ostdeutschland reich wie die Schweiz!Es ist wirtschaftlich nur ein Klotz am Bein der Serben, die selbst ja auch nicht gerade auf Rosen gebettet sind!Außerdem hat sich Serbien im Laufe seiner Geschichte weiter nach Norden verschoben, deshalb gehört ja auch die Voivodina heute zu Serbien.Auch wundert mich, warum man eigentlich Montenegro so einfach hat gehen lassen, wo dort prozentual viel mehr Serben leben als im Kosovo, und auch die restlichen Montenegriener den Serben viel näher stehen als die Kosovaren.Auch als Meereszugang und von seinen touristischen Möglichkeiten ist es viel wertvoller als der Kosovo. Anstelle der Serben hätte ich beides zu unverzichtbaren Bestandteilen Serbiens erklärt, um dann auf dem Verhandlungsweg als Trost für den Verlust des Kosovos wenigstens Montenegro zu behalten...Das wäre eine wesentlich realistischere und erfolgversprechendere Politik gewesen. So jedoch werden sie beides verlieren, das ist unabänderlich.

    • MRad
    • 15.02.2008 um 0:09 Uhr

    Hallo erstmal,um kurz auf dein Statement zu antworten. Die Logik in deinem Beitrag ist nachvollziehbar. Man muss jedoch beachten, dass Montenegro schon zu Zeiten des ehem. Jugoslawiens ein eigener Mitgliedstatt des Staatenbundes war und nicht wie das Kosovo ein fester Bestandteil Serbiens. Da auch in Montenegro alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht hatt man dieses entscheiden lassen und es entschied sich gegen eine Bindung mit Serbien. Das Kosovo ist jedoch fester Bestandteil Serbiens.Warum ist das Kosovo für die Serben so wertvoll?Die offizielle Version ist natürlich, dass das Kosovo die Wiege des Serbentums ist, genau so ist ja auch die offizielle Version der USA bzgl. des Iraqkriegs der Kampf gegen den Terrorismus.Man muss sich jetzt nur Fragen, warum interessieren sich die Großmächte eigentlich überhaupt darum was im Kosovo vor sich geht? Es gibt durch aus katastrophalere Umstände und Konflikte auf der Welt, welche einfach ignoriert werden.Die Beantwortung der Frage ist mit einem etwas detailierteren Atlas zu beantworten, welcher die natürlichen Ressourcen in den Regionen der Welt anzeigt. So ist das Kosovo reich an diesen. Man muss sich nur die aktuellen Aktivitäten auf der Welt anschauen. Es ist der Kampf um noch unerschöpfte Ressourcen ausgebrochen. Auf der einen Seite wird über Soth Stream geredet und auf der anderen Seite über Nabucco (Pipline). Es dreht sich alles nur noch um Energie und Rohstoffe, das Kosovo bildet hierbei keine ausnahme.Ich hoffe das bringt dich in deinen Überlegungen weiter.

  2. Willkommen in Bismarcks 19. Jahrhundert, als die Weltpolitik noch so richtig Spaß machte!
    Als die zivilisierten Herrenvölker den Globus nach Herzenlust zwischen sich aufteilten: Hier ein Ländchen für England, da ein Völkchen für Frankreich, hier ein Landstrich an Rußland und irgendwann, endlich,  endlich, auch ein paar richtige Kolonien für uns Deutsche!
    Und es ging ja nicht nur um die dort vorhandenen Reichtümer, nein, nein, schon das Geschacher als solches war doch ein reines Vergnügen. Da konnte sich der zeitunglesende Spießer zu Hause über den Globus beugen und Fähnchen stecken, über "Strategie" nachdenken und sich als "Herr der Welt" fühlen.
    Irgendwann machten die Weltkriege dem kolonialistischen Spuk ein Ende, und jahrzehntelang galt das Prinzip, daß zwischenstaatliche Grenzen nicht verändert werden dürfen, zumindest nicht einseitig und gewaltsam.
    Jetzt erleben wir, daß der "freie Westen" dieses wichtigste Prinzip der Nachkriegsordnung mutwillig über Bord wirft. Von jetzt an dürfen wir große Mächte wieder die Grenzen dort einzeichnen, wo sie aus ihrer Sicht am zweckmäßigsten verlaufen. Von jetzt an steht die territoriale Integrität eigentlich aller Staaten (vor allem der schlecht bewaffneten) endlich wieder zur Disposition.
    Russland hat in diesem Sinne schon Vorsorge getroffen: Die Anerkennung des Kosovo würde es ebenfalls mit einer Anerkennung Süd-Ossetiens, Abchasiens und Transnistriens beantworten, und auch mit deren faktischer Annexion.
    Vielleicht sollten gerade wir Deutsche uns überlegen, ob wir nicht auch mal wieder irgendwas annektieren könnten, vielleicht in Eupen/Malmedy (Belgien fällt ja eh auseinander), oder doch lieber gleich Stettin und Ostpreußen?
    Hach, wir gehen herrlichen Zeiten entgegen!
     
     
     

  3. Bei aller Berichterstattung über die russische Position (und die nicht weiter genannten Pläne Putins) bleibt doch immer noch im Dunkeln, warum westliche Länder überhaupt ein unabhängiges Kosovo anerkennen wollen. In diesem Zusammenhang verweise ich auf meinen Beitrag "Kosovo: Was ist die Strategie des Westens?" im Community-Bereich, in dem verschiedene Szenarien beleuchtet werden.
    Friedrich Poeschel, University of Oxford, www.friedrich.poeschel.info

  4. Er will  gut Kind seinund mit allen spielen können ... vor allem wirtschaftlich und moralisch.
    Wir sind längt daswo uns die Antiamerika-Bewegung des 20.Jh. gewarnt hat.
    Gibt es Alternativen auf unserem Globus ?
    Bei genauerem Hinsehen, ist es ein einziges moralisches Machogehabe,das letztlich IMMER wirtschaftspolitik vor Moral sieht.
    Und wenn der Papst unsere Positionen mehr vertritt als die unserer Globalkonkurrenten,werden wir ihn in unseren Staatsmedien eine Bühne geben, wie sie die Welt noch jahre erinnern wird.
    Wenn nicht, ziehen wir eben wieder die Unterhaltungsmaschinerie:
    TV bietet Bühnefür die welche gerne darauf verkehrenund gegenseitig macht man öffentlich inszenierte Party,da die Konzerne Geld dafür kassierenund die Kleinen Hoffnung auf Geld oder Karriere.

    • werda2
    • 16.02.2008 um 19:13 Uhr

    Ich weiss nicht,was Sie von mir wueschen? (Einstellung fuer Kommentare) Ich bitte um Erklaerung Werner Dahnz

    • werda2
    • 16.02.2008 um 19:18 Uhr
    8. Kosovo

    Ich weiss nicht,was Sie von mir wueschen? (Einstellung fuer Kommentare)
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
    Man sollte das Amselfeld zu einem Protektorat der EU machen.
     Alles andere und neue Ideen werden sich schon im Laufe der Zeit entwickeln.
     Zunaechst muessen diese Menschen erst mal einige Jahrzehnte Ruhe haben.
     
     
     

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