Libanon Beiruts Kalter BürgerkriegSeite 3/3
Warum also der Machtkampf? Die Misere des Landes liegt vor allem an der Tradition libanesischer Politiker, sich von externen Kräften gegen ihre innenpolitischen Rivalen unterstützen zu lassen. Hisbollah und ihre Verbündeten werden von Syrien und Iran unterstützt, während die in der Hauptsache aus Christen, Sunniten und Drusen bestehende Regierung sich auf ihre amerikanischen, französischen und saudischen Verbündeten verlässt. Jede Seite beschuldigt die jeweils andere, Marionette ausländischer Mächte zu sein, ohne ihrem eigenen Doppelspiel nur einen Funken Aufmerksamkeit zu schenken. Seit Monaten sollen sich die politischen Lager auf einen Nachfolger für den Ende 2007 aus dem Amt geschiedenen Präsidenten Emile Lahoud einigen - bislang ohne Erfolg.
Besonders Syrien profitiert von der politischen Instabilität seines Nachbarlandes. Zwar musste Damaskus nach Massenprotesten in Beirut seine Truppen im Mai 2005 aus dem Libanon abziehen. Das inoffizielle enge Netzwerk seiner Geheimdienste nimmt jedoch nach wie vor Einfluss auf die politischen Entwicklungen im Land und versucht mittels Verbündeter in Beirut, seine strategischen und wirtschaftlichen Interessen weiter durchzusetzen. Mit wachsendem Erfolg.
Die politische Richtung der Hisbollah geführten Opposition wird ohne Zweifel von Damaskus diktiert, die Beteuerungen von syrischer Seite, Neutralität zu bewahren, sind beinahe lächerlich. Diejenigen, die auf der anderen, der Regierungsseite, stehen, sind an der derzeitigen Situation aber ebenso wenig unschuldig.
- Datum 14.02.2008 - 03:28 Uhr
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im Artikel war m.E. dieser:" Angenommen der Libanon würde plötzlich sein politisches System liberalisieren und eine Präsidentschaftswahl nach dem Prinzip one man one vote abhalten - ein Präsident Hassan Nasrallah, heute Generalsekretär von Hisbollah, wäre keine Überraschung."Na sowas aber auch. Demokratische Grundstandards wie das gleiche Stimmrecht für alle, sonst von den selbsternannten Gralshütern der Menschenrechte vehemnt überall auf der Welt eingefordert, wären dem Westen im Libanon wohl irgendwie nicht so angenehm. Sonst müsste man schon die zweite demokratische Wahl im Nahen Osten ignorieren, weil der Sieger nicht ins Konzept passt - siehe Hamas.Was nun?
Bei der Gestaltung der libanesischen Verfassung ging es darum den einzelnen Gruppierungen Grenzen zu setzen, um so einen neuen Bürgerkrieg zu verhindern. Innerhalb der einzelnen Gruppen gibt es das Prinzip "one man, one vote" natürlich.Anstatt sich über Sachverhalte zu beschweren, die man nicht verstanden hat, bzw nicht kennt, sollte man vielleicht erst ein wenig Zeit darauf verwenden diese zu verstehen. Aber manche Leute schreiben ja lieber Kommentare.
den Nationalpakt von 1943, der die staatlichen Machtpositionen nach dem damaligen Bevölkerungsproporz aufteilte?Seitdem sind 65 Jahre vergangen und die Verhältnisse haben sich grundlegend gewandelt. Warum sollte der alte Schlachtruf der Apartheidgegner Südafrikas "one man, one vote" für den Libanon keine Gültigkeit haben?
@ MS Das Problem ist, dass die Konkordanzdemokratie im Libanon nicht die demographische Realität des Landes widerspiegelt.1932 gab es die letzte Volkszählung. Von einem großen Teil der Bevölkerung wird das als extrem ungerecht empfunden und tut außerdem genau das, was es eigentlich vermeiden sollte: Die Ethnisierung sozialer und politischer Probleme (übrigens gibt es das gleiche Problem momentan im Irak). Ein politisches Ziel der Hisbollah ist deswegen auch die Abschaffung des politischen Status quo im Land.Und nun: Der Slogan one man one vote wird u.a. benutzt, um auf Ungleichheiten in einem System hinzuweisen. Es gibt im Libanon das System one man one vote nicht - obwohl natürlich jeder Wähler seine Stimme abgeben kann. Außerdem kann ein Schiite durchaus einen christlichen Kandidaten wählen (was meist nicht geschieht), dennoch überträgt sich seine Stimme systembedingt nicht 1:1. Das ist alles, was in dem Artikel gesagt werden sollte. @ alle anderen: Dass es bei einer Liberalisierung des politischen Systems zu einer Wahl Hassan Nasrallahs kommen könnte war im Übrigen nur ein Beleg für die starke politische Macht der Hisbollah im Libanon und ein Beleg dafür, dass das politische System die demographischen Gegebenheiten ignoriert. Nicht mehr und nicht weniger.
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