Linkspartei Abgeordnete will Stasi wiederhaben
Christel Wegner, Mitglied der DKP und für die Linken künftig im niedersächsischen Landtag, hält "Organe" wie die DDR-Staatsicherheit für notwendig, um eine andere Gesellschaftsform zu schützen - und sie verteidigt den Bau der Mauer
Unbemerkt von der Öffentlichkeit ist bei der Landtagswahl in Niedersachsen erstmals seit Jahrzehnten wieder eine Kommunistin in ein deutsches Landesparlament eingezogen - auf der Liste der Linkspartei: Christel Wegner von der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), die bis heute die DDR für den besseren deutschen Staat hält, sitzt künftig im Landtag in Hannover. Auch bei der bevorstehenden Bürgerschaftswahl in Hamburg kandidiert ein DKP-Mitglied für die Linke.
Das ARD-Magazin Panorama hat für einen Bericht, der an diesem Donnerstagabend ausgestrahlt wird, nun ein Interview mit der Linken-/DKP-Abgeordneten geführt, das einen fast 20 Jahre nach dem Fall der Mauer schaudern lässt. Christel Wegner ruft darin unverdrossen zum "revolutionären Umsturz" durch die "Arbeiterklasse" auf, und sie fordert die Verstaatlichungen von Unternehmen, Banken und Bodenschätzen: "Die Macht des Kapitals kann nur dadurch überwunden werden, dass wir eine Vergesellschaftung der Produktionsmittel bekommen, der Finanzinstitute und der Naturressourcen", sagte sie nach Angaben von Panorama .
Die wackere Leninistin bekennt sich außerdem zur Wiedereinführung der Staatssicherheit nach der Revolution: "Ich denke (...), wenn man eine andere Gesellschaftsform errichtet, dass man da so ein Organ wieder braucht, weil man sich auch davor schützen muss, dass andere Kräfte, reaktionäre Kräfte die Gelegenheit nutzen und so einen Staat von innen aufweichen."
Auch die innerdeutsche Grenze findet sie offenbar nach wie vor richtig, wenn auch mit einer recht eigentümlichen Begründung: "Der Bau der Mauer war in jedem Fall eine Maßnahme, um sozusagen zu verhindern, dass weiterhin Westdeutsche in die DDR konnten. Einmal die Wirtschaft schädigen, indem sie billig eingekauft haben - das war ja so - auch um zu verhindern, dass irgendwelche Kräfte über die Grenze spazieren, die man da nicht haben wollte."
Margot Honecker und andere Mitglieder der ehemaligen Führungsriege der SED verdienen nach Ansicht der Abgeordneten auch heute noch "unsere uneingeschränkte Solidarität" - weil sie "ihr ganzes Leben lang in den Aufbau einer anderen Gesellschaftsform gesteckt haben." Kein Wunder, dass sich Wegner von der Linkspartei absetzt, die längst auf Abstand zum ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaat gegangen ist: "Die Linke möchte mit Reformen erreichen, und wir sind der Auffassung: Das reicht nicht. Wir wollen den Umbau der Gesellschaft."
Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, kritisierte die westdeutschen Landesverbände seiner Partei dafür, dass sie DKP-Mitglieder auf ihren Listen kandidieren lassen. „Ich hätte es anders entschieden, weil ich weiß, dass die Positionen haben, die mit unseren nichts zu tun haben." Er distanzierte sich von Wegners Ansichten: "Es gibt für uns keinen Weg zurück zur DDR. Es gibt für uns keinen Weg zur Verstaatlichung der Produktionsmittel", sagte Gysi Panorama.
- Datum 14.02.2008 - 04:37 Uhr
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 73
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Mal abgesehen davon, dass die traditionelle Arbeiterklasse in Deutschland heutzutage in der Minderheit ist, dass viele Facharbeiter so gut verdienen, dass sie schon zu den Besserverdienenden zu zählen sind und das es bei uns kaum nennenswerte Bodenschätze gibt, die man verstaatlichen könnte, hat Frau Wegner vollkommen recht: Die Staatsform die ihr vorschwebt braucht natürlich bewaffnete Organe á la Staatssicherheit, da jemand die dann herrschende Funktionärsklasse vor dem Volk beschützen muss. Auch eine Mauer wird man wieder benötigen. Diesmal aber uns ganz Deutschland herum, um die verbliebenen Fach- und Führungskräfte an der Flucht ins Ausland zu hindern.
Insgesamt: Eine klare Ansage. Frau Wegner spricht das offen aus, was viele in ihrer Partei, und teilweise auch schon bei SPD und den Grünen, insgeheim erhoffen.
Denn mit Schäuble hätte sie einen wackeren Mitstreiter für die Stasi. Mit seinen Überwachungsgesetzen ist er bereits im Begriff eine aufzubauen - wahrscheinlich erhält diese Schäubl'sche Institution nur einen anderen, moderneren Namen.Und was andere Gesinnungen angeht: Öttinger aus BaW (CDU) kann ihr sicher helfen - vor allem wie man sich nachverfehlten Äußerungen entschuldigt.Schein und Sein der Deutschen Politik:
”Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug dafür kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern dürfen.”
Voltaire
die Fingers und Mallikis, wie schnell sie die Deutungshoheit für sich beanspruchen und in entgegengesetzte Richtung zeigen. Ob die in ihrer Verblendung wohl registriert haben, dass die Forderung von einer ehemaligen DKP'lerin kommt, die heute zu Lafontaines Linken gehört.
Aufgepasst Frau Ypssilanti in Hessen und aufgepasst Wähler in Hamburg kann ich da nur sagen.
Was ist denn ihr Problem? Dass eine Ewig-Gestrige wahrheitsgemäß zitiert wird? Dass aufgezeigt wird, dass solch menschenverachtenden Positionen immer noch eine Platform geboten wird?Woher kommt ihr Anspruch auf (Selbst-)Zensur der Medien?
Das habt ihr toll hinbekommen ! Ich halte mich für im Großen und Ganzen gut informiert in der innerdeutschen Politik. Mehr natürlich über Vertreter und Programm der Parteien, die ich persönlich für wählbar halte. Weniger dementsprechend über "Die Linke".Aber da wurde ich kalt erwischt, war über Christel Wegner nicht informiert.Wie vielen (Protest)Wähler der "Linken" in Hessen und Niedersachsen es wohl beim Lesen dieses Artikels ebenfalls kalt den Rücken herunterläuft ?Die Geister, die ich rief....
Ein wiederbeleben wie die DKP es will, ist quatsch und garnicht machbar.
Ich bin der Meinung, einen solchen "Verein" , braucht niemand und die Geschichte zeigte,das trotz erheblicher Anstrengungen des MFS der ehem.DDR , es nicht möglich war, einen Staat am Leben zu erhalten,der einer Weiterentwicklung seines Volkes entgegen stand. Solche Aussagen sind nicht nur von gestern, sondern beinhalten dann auch diktatorische Maßnamen gegen das Volk, was wohl keiner will. Aufpassen müssen wir auf "neue" Erscheinungen der "Dienste" durch Hintertüren, wie sie derzeit vom Innenminister verlangt und auch angewendet werden. Diese Praktiken ähneln doch sehr diktatorischen Maßnahmen auch wenn sie schleimiger verpackt werden. Also kurz, ich lehne jede Überwachung der Bürger als Gesamtheit ab, denn dadurch wird vermutet jeder sei ein potentieller Straftäter. Übrigens beinhaltet die Überwachung auch die Ministerien? oder geht von diesen keine potentielle Gefahr aus. Die Geschichte lehrt auch hier etwas anderes.
J.W.
Auf SPIEGEL ONLINE sind die verquasten Ansichten von Frau Wegner noch einmal nachlesen. Siehe:
Linke-Abgeordnete will Stasi zurückDie Linksfraktion im niedersächsischen Landtag soll sich von Frau Wegners Äußerungen bereits distanziert haben und die Abgeordnete zur Niederlegung ihres Mandats aufgefordert haben. Dennoch wird der Schaden, den Frau Wegner dem Image der Linken zugefügt hat, nicht so leicht wieder gut zu machen sein. Peinlich, peinlich ...
Kurz vor der Wahl in Hamburg, die höchstwahrscheinlich die Linke ins Landesparlament bringt, sendet Panorama (NDR-Hamburg, CDU dominiert) ein Interview mit einem der wenigen verbliebenen DKP-Mitglieder der Linken und einer der letzten Leninistinnen, die sich tapfer zu ihrer Überzeugung bekennen. DIE ZEIT (Hamburg), herausgegeben vom ehemaligen SPD-Kanzler Schmidt the Smoker und eng verbunden mit dem SPD-Kandidaten Naumann, berichtet über den "Schauder", den dieses Interview auslöst.
Schauder worüber? Über die Forderung nach Verstaatlichung der Produktion, die vielleicht so unvernünftig nicht ist, über zu diskutierende Ansichten über Geheimdienste und Mauer ( Wie gerne hätte die Stasi die Zugriffe auf Private und "Grenzverletzer"gehabt, über die unsere "Sicherungsdienste" verfügen!)? Schauder über die Logik der eigenen headline: "Abgeordnete will Stasi wieder haben". Wo sagt sie das denn im Text?
Nein, es ist viel einfacher: Schauder der ZEIT darüber, dass Teile der Bevölkerung die SPD (Hamburg) in persona Naumann (ehemals ZEIT, Hamburg) für ihre unsoziale Politik, die alles, nur nicht mehr sozialdemokratisch ist, abstrafen, indem sie die Linke wählen?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren