Mode Kunstdiskurs für Blogger
Das Metropolitan Museum in New York kuratiert erstmals eine Ausstellung auch in der Blogosphäre. Das Thema? Mode. Da redet jeder gerne mit
Ein Modeblog ist nichts Ungewöhnliches mehr in Zeiten, in denen jeder "Web 2.0" sagen kann. Anders verhält es sich, wenn ein altes und ehrwürdiges Museum erstmals eine Ausstellung in die Blogosphäre hinein verlängert. Unter dem Namen "Blog.mode: addressing fashion" präsentiert das Metropolitan Museum in New York mehr als 60 Kleidungsstücke und Accessoires aus eigenen Beständen - vom englischen Herrenanzug aus dem frühen 18. Jahrhundert über Modelle von Paul Poiret und Coco Chanel bis zu einer opulenten Ballrobe von Olivier Theyskens für Nina Riccis Sommerkollektion 2007.
Nach dem Rundgang durch die Räume haben Besucher lediglich den ersten Teil der Schau hinter sich, die Fortsetzung folgt in der virtuellen Welt. In den Ausstellungsräumen stehen Computerterminals, von denen aus erste Eindrücke gepostet werden können. Mitmachen kann aber natürlich auch jeder andere interessierte Internet-User. Um Diskussionen in Gang zu bringen, stellt das Museum ausgewählte Exponate, versehen mit Anmerkungen von Kuratoren und Modedesignern, nach und nach ins Netz. Während die Exponate im Museum chronologisch angeordnet sind, scheint die Reihenfolge im Internet beliebig zu sein.
Bizarre Schuh-Skulpturen von Manolo Blahnik , dem Sponsor der Ausstellung, stehen zwischen einem reich verzierten hellblauen Seidensatin-Kleid aus der Zeit des Ancien Régime in Frankreich und einer Halskette des britischen Skandaldesigners Simon Costin, der außer schwarzen Jet-Perlen und Bergkristallen auch echte Vogelklauen und Kaninchenschädel verarbeitete. Der Betrachter kommt in Versuchung, die Bilder wie Spielkarten immer wieder zu mischen, um neue Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzustellen.
Kommentare überkreuzen sich, Debatten verlaufen quer durch alle Epochen und Erdteile. Theyskens stahlgraues Seidenorganza-Kleid, das sich von den Tauben auf Nina Riccis berühmtem Parfum-Flakon von "L'Air du Temps" inspirieren lässt, erinnert einen Gast an das ausladende Gewand einer Kammerzofe von Königin Marie-Antoinette. In den radikalen Entwürfen der japanischen Kult-Designerin Rei Kawakubo werden dagegen spielerisch Schottenmuster und fernöstliche Schnitte kombiniert. Ein hölzernes Bustier von Hussein Chalayan , der oft ungewöhnliche Materialien verwendet, weckt Assoziationen mit einem Boot.
Mode sei im Alltag ständig präsent und somit vielen Menschen spontan zugänglich, erklären die Kuratoren Harold Koda und Andrew Bolton vom Costume Institute ihr Konzept. Bei Gemälden von Juan Gris und Skulpturen von Henry Moore liege die Hemmschwelle, einfach seine Meinung zu sagen, sicherlich höher. Zu einem Kleid von John Galliano oder Pantoletten von Manolo Blahnik falle dagegen jedem etwas ein.
In den Diskussionsbeiträgen werden Hoch- und Popkultur allerdings nicht so scharf voneinander getrennt. "Ein Paar 'Manolos' zu tragen, ist doch so, als ob man einen Picasso tragen würde", lautet ein Kommentar zu gepunkteten Stiefeletten, die Blahnik gemeinsam mit dem britischen Künstler Damien Hirst entwarf. Mode muss für viele auch nicht unbedingt praktisch und alltagstauglich sein. Kunst und Couture gingen ineinander über und beeinflussten sich gegenseitig, heißt es. Kleidung sei eben auch Installationskunst und tragbare Architektur.
- Datum 31.12.2008 - 12:37 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online, 21.02.2008
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Hier gibt's eine Übersicht der besten Modeblogs:http://blog.styleranking....
... "flottierende Welt von Ideen" ... . Der Kunstdiskurs in der Blogosphäre sollte sich auf die aktuelle Kunst selber ausweiten - auch wenn sie nicht, wie die Mode, zum täglichen Life-style gehört. Aber das Metropolitan Museum macht immerhin den Anfang mit einem gefälligen Thema, das Hemmschwellen für den Eintritt in einen Diskurs auch über Kunst zu überwinden hilft.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren