Pakistan Blutige Wahlen

Ali Asif Zardari, Witwer der ermordeten Benazir Bhutto, entwickelt sich zum wichtigsten Politiker Pakistans. Er genießt einen zweifelhaften Ruf. Die Wahlen sind überschattet von Gewalt

Islamabad . Mit einer Welle der Gewalt hat der Tag der Parlamentswahlen in Pakistan begonnen. In der Nacht zum Montag wurde in Lahore an der Grenze zu Indien ein Kandidat der oppositionellen PML-N erschossen, der Partei des ehemaligen Premierministers Nawaz Sharif. Mit Ali Ashraf kamen drei weitere Menschen ums Leben, die in seinem Auto saßen. Die Wahlkommission verschob darauf die Abstimmung in dem betroffenen Bezirk.

"Lahore wurde zur hochsensiblen Zone erklärt", sagt Nadeem Sarwar von der Organisation Center for Media and Democracy Pakistan (CMD), der vor Ort die Wahlen beobachtet. "Am Morgen haben sich deshalb viele Leute nicht in die Wahllokale getraut", so Sarwar. Obwohl im ganzen Land 500.000 Sicherheitskräfte im Einsatz sind, darunter 81.000 Soldaten, konnte nicht verhindert werden, dass am Montagmorgen in der Region Swat, in North-West Frontier Province (NWFP), in zwei Wahllokalen Bomben explodierten. Es entstand jedoch nur Sachschaden.

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In Sialkot wurde ein Mann bei einer Schießerei vor einem Wahllokal ermordet, in Gujrat kam es bei einem ähnlichen Vorfall zu einem Verletzten. Bereits am Sonntag waren in Quetta ein Polizist getötet und drei Menschen verletzt worden - darunter ein Kandidat der MQM, eine Partei der muslimischer Einwanderer aus Indien, als ein Angreifer auf einem Motorrad eine Handgranate in ein Wahllokal warf. In der Stadt Thatta wurde der Leiter einer Wahlstation von einem als Polizisten verkleideten Mann erschossen.

"Ich habe Angst wegen der Bomben, aber ich bin sicher, dass Gott mich und mein Volk am Wahltag schützen wird", sagte eine Wählerin, die sich trotz des Terrors in Peshawar an die Urnen getraut hat. Von der Höhe der Wahlbeteiligung wird das Ergebnis ebenso abhängen wie vom Ausmaß der bereits im Vorfeld beklagten Wahlfälschung. In der Provinz Sindh wurde am Montagmorgen ein Wahlbeamter verhaftet, nachdem Wähler sich über Hunderte fehlende Stimmzettel beklagt hatten.

US-Senator Joseph Biden, der sich zur Wahlbeobachtung in Pakistan aufhält, drohte an, dass Washington die Militärhilfe für Pakistan einfrieren könnte, wenn die Wahlen nicht "glaubwürdig" und "weitgehend fair" abliefen. "Die Wahlen müssen ein glaubwürdiges Ergebnis produzieren, das den Willen des pakistanischen Volkes widerspiegelt", so der demokratische Politiker.

Prognosen über den Ausgang der Wahlen wagt derzeit in Pakistan wegen der gegebenen Unsicherheitsfaktoren kaum jemand. Offizielle Ergebnisse werden nicht vor Dienstagabend erwartet. Neben der Stimmverteilung wird nach der Auszählung auch der zu erwartende Machtpoker unter den Parteien über Pakistans Zukunft entscheiden. Sollten die beiden großen Oppositionsparteien zusammen mit einigen kleineren demokratischen Parteien eine Zweidrittelmehrheit erhalten, droht Präsident Pervez Musharraf ein Amtsenthebungsverfahren.

Zum wichtigsten Mann in Pakistans Politik dürfte daher ab morgen der Witwer der ermordeten PPP-Chefin Ali Asif Zardari werden. Die PPP schwimmt seit dem Tod Bhuttos auf einer Sympathiewelle, die ihr laut Meinungsumfragen 50 Prozent der Wählerstimmen einbringen könnte. Dabei kämpft die Partei eigentlich mit einer akuten Führungskrise. Nach dem Tode Bhuttos wurde in dynastischer Tradition ihr erst 19-jähriger Sohn Bilawal zum Parteivorsitzenden ernannt. Doch da der Student erst seine Ausbildung in Großbritannien abschließen muss, übernahm sein Vater zur Überraschung der meisten Pakistaner die Führung.

Zardari, der insgesamt acht Jahre wegen Korruptionsvorwürfen im Gefängnis saß und sich in der Zeit, als seine Frau Premierministerin war, den Spitznamen "Mr. Zehn Prozent" erwarb, galt bisher stets als Belastung für die Partei und für Bhutto, da er in der Bevölkerung äußerst unbeliebt ist. Als Zardari 1990 das erste Mal verhaftet wurde, wurde ihm vorgeworfen, einen Geschäftsmann mit einer ferngesteuerten Bombe am Bein in eine Bank geschickt zu haben, um Geld von seinem Konto als Lösegeld abzuheben.

Nicht nur deshalb mischte sich Zardari zu Lebzeiten seiner Frau kaum in die Politik ein. "Als er Benazir heiratete, wusste er, dass in Zukunft immer sie im Mittelpunkt stehen würde und nicht er. Und er akzeptierte das", sagt ein Freund des 51-Jährigen. Doch offenbar sieht der Mann aus Karachi nun seine Zeit gekommen. Wie er sich in den nächsten Tagen verhält, ist die große Frage.

Während Ex-Premierminister Nawaz Sharif, dessen Partei PML-N höchstens mit 20 Prozent der Stimmen rechnen kann, bereits erklärt hat, er wolle mit der Bhutto-Partei zusammenarbeiten, um Musharraf abzulösen, hält Zardari sich die Möglichkeit offen, bei entsprechenden Mehrheitsverhältnissen auch mit Musharrafs PML-Q zusammenzugehen.

Im Gegensatz zu Nawaz Sharif hatte sich Benazir Bhutto im Vorfeld der Wahlen nie so eindeutig für die Wiedereinsetzung des von Musharraf abgesetzten Obersten Richters Iftikhar Chaudhury starkgemacht. Am Sonntag betonte Zardari, er wolle die Wahlen nicht für seine persönliche Rache nutzen. "Wir müssen alle für die nationale Versöhnung zusammenarbeiten", sagte er. Falls er damit eine Versöhnung mit Musharraf meint, könnte Nawaz Sharif ihm allerdings einen Strich durch die Rechnung machen. Der kündigte gestern an, seine Partei werde die Wahlen – wenn diese massiv gefälscht würden – noch nachträglich boykottieren.

 
Leser-Kommentare
  1. Der einst so stabile Stat das die Staatengemeinschaft ( USA ) ihn nuklearwaffen gegeben hat wiel ja nichts pasieren könnte. Wollen wir alle hoffen das sich das land beruhigt und sich die Leute an ihre Verantwortung die sie mit den Waffen übernommen haben erinnern. 

  2. In manchen Laendern aendert sich nie was egal wer an die Macht kommt,die Verliehrer versuchen immer die Wahlergebnisse zu ihren Gunsten zu veraendern,meistens mit Gewalt.Das ist nicht nur dieses Mal so.Man muss nur bedenken wie viele pakistanische Politiker schon ermordet wurden.Das hat nicht mit Musharef angefangen,das hat Tradition.

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