Bioethik Aufgeweichte ForschungSeite 2/2

Tatsächlich würden sich nur solche tierfreien Zellen für einen therapeutischen Einsatz am Menschen eignen. Für die Grundlagenforschung spielt ein bisschen Tier aber keine Rolle, insofern es sich nicht um genetische Störfeuer handelt wie in den alten Zelllinien. Das sollte eigentlich auch für die Herstellung der sogenannten iPSe (der induzierten pluripotenten Stammzellen) gelten, jener neuen quasi-embryonalen Stammzellen, die sich durch biochemische Manipulation - Reprogrammierung - aus Hautzellen gewinnen lassen . Für Forschungsministerin Anette Schavan waren es diese sensationellen Errungenschaften, die sie von der Notwendigkeit jüngerer embryonaler Stammzellen für die deutsche Forschung überzeugten.

Derselbe Zusammenhang lässt sich natürlich auch anders sehen: Priska Hinz wies darauf hin, dass die beteiligten Forscher für den Vergleich der iPS-Zellen embryonale Stammzellen von 1998 verwendet hätten. Auch deutsche Wissenschaftler hätten diesen Erfolg demnach erringen können - dass die Berliner Arbeitsgruppe um James Adjaye dies eben nicht schaffte, schreiben Forscher allerdings doch den alten Zellen zu. Und so werden auch die wissenschaftlichen Argumente so lange gedreht, gewendet, und gedreht, bis sie nicht mehr Tatsachen, sondern Ansichtssache sind.

Bleibt am Ende also doch nur die Frage, ob man Embryonen für die Forschung töten darf oder nicht? Ausgerechnet die Ärzte Konrad Schily (FDP) und Wolfgang Wodarg (SPD) wehrten sich nochmals auf das heftigste gegen eine Aufweichung des alten Kompromisses. "Wenn wir den Stichtag verschieben, werden sich die Menschen nicht mehr auf das Gesetz verlassen", beschwor Wodarg den Bundestag.

Aber gerade in diesem Punkt waren sich die Abgeordneten aller Lager ja eigentlich einig: In keinem Land gibt es einen so strengen Embryonenschutz, in keinem Land wird die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen so aufwendig kontrolliert wie in der Bundesrepublik. Dabei soll es bleiben, ob man weiterhin nur die 21 alten, mehrere hundert neue oder sogar immer wieder die neuesten der umstrittenen Zellen nach Deutschland holt. Jede Einfuhr menschlicher embryonaler Stammzellen zu Forschungszwecken wird auf ihre Notwendigkeit geprüft werden, und nur dann genehmigt, wenn die Hochrangigkeit des Forschungsziels und der Mangel einer Alternative überzeugend dargelegt werden. Es geht nun allein um die Frage, ob das alte Gesetz, das der Forschung ihre Arbeit trotz des strengen Embryonenschutzes ermöglichen sollte, auch in Zukunft noch einen Sinn ergibt.

 
Leser-Kommentare
  1. dass sich die Stammzellen-Forschungs-Ablehnungs-Fundamementalisten die Mühe machen, sich zu informieren, was z.B. sunnitische Rechtsgelehrte zum Thema zu sagen haben.
     
    Hier ein Beispiel:
     
    "Dürfen Embryonen vernichtet werden?
     

    Eine weitere Frage stellt sich, ob es nach der Scharia zulässig ist, ein Embryo zum Zwecke der Forschung zu vernichten, selbst wenn diese Forschung die Entwicklung einer Therapie zur Heilung sonst tödlich verlaufender Krankheiten führen könnte .
    Darauf ist zu antworten, dass ein Embryo in diesem Stadium kein Mensch ist. Es befindet sich auch nicht in seiner natürlichen Umgebung, der Gebärmutter. Wenn es dort nicht eingebracht wird, kann es nicht überleben und sich zu einem menschlichen Wesen entwickeln. Deswegen kann diese Forschung nicht abgelehnt werden, insbesondere wegen ihres Potenzials zur Entwicklung von Therapien von Krankheiten, für die es gegenwärtig noch keine Heilungschancen gibt (z.B. Parkinsonismus, Alzheimer usw.). Andererseits ist es wichtig strenge Regeln gegen den Missbrauch von Embryonen aufzustellen. Forschung an Embryonen kann auch zu Missbrauch führen und deswegen sind entsprechende Sicherheitsmaßnahmen zu treffen."

     
     
    Quelle: http://www.islam.de/1904.php

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