Fall Zumwinkel "Manager gefährden Wirtschaft"

Finanzminister Steinbrück hat die deutschen Manager angesichts des zurückgetretenen Post-Chefs Zumwinkel scharf kritisiert. Solche Eliten brächten das System zum Einsturz

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat das Verhalten deutscher Manager mit Blick auf den Fall des der Steuerhinterziehung verdächtigten zurückgetretenen Post-Chef Klaus Zumwinkel scharf kritisiert. "Ein Mann dieser Güteklasse muss wissen, was eine eingestandene Steuerhinterziehung in der Wahrnehmung der Bürger bedeutet", sagte Steinbrück ZEIT online .

Der Fall sei ein Beispiel dafür, dass die größte Gefahr für die soziale Marktwirtschaft gegenwärtig von den Exzessen und Übertreibungen der Protagonisten selbst ausgehe. "Es sind die Eliten, die das System zum Einsturz bringen", sagte Steinbrück. Ein solches Verhalten berühre die Legitimationsgrundlagen des deutschen Wirtschaftssystems. Die Regeln von angemessenem Verhalten im wirtschaftlichen Zusammenleben würden oft nicht gelebt.

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Man dürfe sich nicht wundern, wenn nun Gegenreaktionen einsetzten, die der deutschen Wirtschaft nicht gut täten. "Solche Ereignisse provozieren protektionistische, strukturkonservative und staatsfixierte Reflexe. Alles das können wir uns nicht leisten", sagte Steinbrück. Gesetzliche Maßnahmen lehnte der Finanzminister zunächst ab. Das Verhalten von Managern könne man vornehmlich nicht mit Regeln beeinflussen. Hier gehe es vielmehr darum, ein neues Bewusstsein zu bilden. ( kpm. )

Zumwinkel geht - Tausende im Verdacht: Die Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung ziehen immer weitere Kreise: Der Post-Chef tritt zurück, mehreren Tausend weiteren Verdächtigen droht angeblich ebenfalls die Enttarnung, darunter auch weiteren Prominenten »

 
Leser-Kommentare
    • GEBE
    • 15.02.2008 um 17:51 Uhr

    Es ist zu hoffen, daß diesen geldgeilen Taugenichtsen als eigentlichem
    gesellschaftlichen Prekariat in ihrem Sozialschmarotzertum mit mindestens gleicher
    Akribie auf den Zahn gefühlt wird, wie denen nachgestellt wird, die als Alg II –
    Empfänger und als aktenkundige Singels eine zweite Zahnbürste im Bad stehen
    haben und die deswegen mit Repressionen in Form von Leistungskürzungen des
    ohnehin unauskömmlichen Existenzminimums und mit Sanktionen von Amts wegen zu
    rechnen haben!

  1. Bravo Steinbrück! Für einmal keine "protektionistische, strukturkonservative und staatsfixierte" Forderungen aufzustellen hätte ich ihnen nicht zugetraut.
    Und Steinbrück hat auch ganz recht, wenn er die Bildung eines neuen Bewusstseins fordert. Das aber nur auf die vielgescholtene Managerkaste zu beziehen greift wohl zu kurz. Ein neues Bewusstsein braucht auch unsere Bürokratie. Indem sie aufhört sich weiter aufzublähen, indem sie aufhört den mündigen Bürger wie ein Kleinkind zu behandel, indem sie aufhört immer neue Steuern für immer neue tolle Sachen zu erfinden.
    Ich komme nicht umhin, Zumwinkel in gewisser Weise zu bewundern. Ich geb das ganz offen zu der Schwierigkeit, dass er womöglich gegen geltendes Steuerrecht verstossen hat, bin ich mir absolut bewusst. Diese ambivalente Haltung zum Staat haben offenbar recht viele Leute. Ein Staat, der seine Bürger nur noch als "Steuersubjekt" begreift, kann doch nicht ernsthaft erwarten, dass man nicht versucht ihn hier und da über den Tisch zu ziehen.

  2. Das ist Kapitalismus pur
    Wie heisst es doch so schoen im Grundgesetz: Eigentum verpflichtet - offensichtlich zu nichts - ist man geneigt hinzuzufuegen. Naja, wollen wir mal sehen, was noch so alles ans Tageslicht kommt...

  3. Das hatten wirs alles schon einmal, z.B. Flick oder die jüdischen Erbschaften. Wenn immer ein Skandal offenkundig wird, kommen die großen Sprüche insbesondere von Politikern, die sonst immer die Sache der "Eliten" vertraten. Von der FDP, CDU/CSU ist man nichts anderes gewohnt, der SPD glaubt man nicht mehr und die Grünen sind mittlerweile zu angepasst. Wo soll das hin führen? Zur Linken?

  4. "Es sind die Eliten, die das System zum Einsturz bringen", sagte Steinbrück.
    Da redet einer von der Güte dieses Mannes und von Elite - was haben die SPDler eigentlich im Kopf? Das nur nebenbei.
    Hoffentlich bringt Steinbrück das System nicht zum Einsturz. Er und Tiefensee arbeiten fieberhaft an einem Holdingmodell zur Privatisierung der Bahn. Meines Wissens wurde diese Bahn wesentlich mit Steuergeldern mehrerer Generationen aufgebaut. Jetzt soll unsere Bahn in die Hände von Privatinvestoren überführt werden.
     

  5. Wenn Peer Steinbrück meint, dass die Eliten das System zum Einsturz bringen, so kann man als Blaupause das erfolgreiche Wirken seiner (früheren) Politikerkollegen im öffentlichen Bankenbereich (IKB, Landesbanken etc.) nehmen und die sollten dann in der Wirtschaft gänzlich das Sagen übernehmen. In Wirklichkeit schwebt das ja eigentlich allen Sozialisten manchmal mehr, manchmal weniger insgeheim vor, zudem gibt es dort so schöne hochdotierte Posten. Durch mutigen risikofreudigen Einsatz haben die öffentlichen Banker der schwächelnden US-Wirtschaft so über den Daumen 40- 50 Milliarden Risiken aus dem Sub-Prime-Sektor abgenommen.  Also auch in der Wirtschaft (ehemalige) Politiker in die Verantwortung! Recht so Herr Finanzminister.
     
    Karsten Cascais

  6. So kommt unsere ganze Solidarität unter die Räder. Wir leben
    in einer Gemeinschaft, wo wir in den Parlamenten beschlossen haben, wie viel jeder
    abzugeben hat. Damit soll auch, das braucht man 
    nicht zu verschweigen, der Verfassungsauftrag erfüllt werden, überall
    gleiche Lebensverhältnisse herzustellen. Jeder, der sein Geld ins Ausland an
    der Steuer vorbeibringt, nimmt damit den anderen das, worauf wir Anspruch haben,
    einfach weg. Also wird jeder betrogen. Deswegen finde ich das richtig, wenn manche
    von einem Diebstahl am Volksvermögen sprechen. Denn in demokratischen Wahlen
    wurden mit unserer Mehrheit die Abgeordneten gewählt, die für die soziale
    Gerechtigkeit gestimmt haben, wenn auch ganz viele ihre dahingehenden
    Wahlversprechen nicht erfüllt haben. Denn der Weg zum sozialen Ausgleich könnte
    man mit mehr Steuergerechtigkeit (höhere Steuern) sehr viel schneller beschreiten.
    Auf jeden Fall können wir auf steuerunehrliche Manager, Verrätern an der sozialen
    Gerechtigkeit, verzichten. Da ist mir schon lieber, wenn ein ehrlicher Mann wie
    Steinbrück die Fabrik leitet, wo ich Arbeitet finde.

    • flury
    • 15.02.2008 um 19:56 Uhr

    Vollkommen Recht, es handelt sich offenbar um eine neue Spezies, die man zu entdecken beginnt, dies schon längst vermutet hat: Schlichtweg assoziales Gesockse ! Nach Strafverbüsung, hohen Geldstrafen und Teil-Einzug von Vermögenswerten Ausweisung androhen oder anordnen. Dies wäre mal ein anderes Feld praktizierter Ausweisung. Mehr Nutzen kann man diesem Land gar nicht bieten ! Vakante Positionen könnte man mit fähigen und verantwortungsbewußten Personen (Persönlichkeiten) versuchen neu zu besetzen. Aber leider fängt dieses Theater mit dem Hinweis auf die menschliche Natur immer wieder von vorne an... Es ist eigentlich zum Verzweifeln.

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