Fall Zumwinkel Der dickste Fisch zuerst

Erst schnappten die Behörden Klaus Zumwinkel, nun sollen tausend weitere Verdächtige auf der Liste stehen. Die Fahnder agieren klug – davon profitiert Finanzminister Steinbrück.

Am Anfang war der größtmögliche Knall zu hören. Doch ist er nur, wenn man den Finanzbehörden glauben schenkt, der Auftakt zur größten Geldrückholaktion in der Geschichte in der Bundesrepublik. Rund tausend Namen sollen die Finanzbehörden auf ihrer Liste haben, von 900 Durchsuchungsbeschlüssen ist die Rede, rund 125 Ermittlungsverfahren sollen von der kommenden Woche an aufgenommen werden. Ermittelt werde gegen "sehr viele" bekannte und weniger bekannte "Leistungsträger" wegen Steuerflucht nach Liechtenstein, verlautete es an diesem Freitag von Seiten des Finanzministeriums in Berlin. Einen Tag, nachdem Polizei und Staatsanwälte Post-Chef Klaus Zumwinkel in seiner Kölner Villa festgenommen hatten.

Dass die Ereignisse so verlaufen, wie sie es tun, mag Zufall sein. Ein Zufall, dass am Morgen der Verhaftung ein Kamerateam und dutzende Fotografen vor Zumwinkels Villa warteten, um die Bilder anschließend um die Welt zu schicken. Ein Zufall, dass sich die Ermittler ausgerechnet Zumwinkel als erstes Opfer aussuchten. Jenen Mann, von dem abzusehen war, dass das öffentliche Ärgernis über sein Verhalten am größten sein würde. Ein Zufall auch, dass anschließend häppchenweise Informationen „aus Justizkreisen“ sickerten.

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Klar ist jedoch: Für die Finanzbehörden und die Staatsanwälte hätte es nicht besser laufen können. Für Finanzminister Peer Steinbrück auch nicht. Dreht sich alles weiter wie geplant, profitiert der Minister gleich dreimal von jenem Informanten, der offenbar mithilfe des Bundesnachrichtendienstes seine Daten den deutschen Behörden übergeben hat.

Erstens dürfte das (berechtigte) mediale Gewitter, das sich derzeit über Klaus Zumwinkel entlädt, dazu führen, dass die Furcht unter Steuersündern wächst, die ihre Gelder im Fürstentum Liechtenstein, womöglich sogar bei der betroffenen Bank LGT geparkt haben. Nicht ohne Grund riet ein Sprecher Steinbrücks jenen, die es beträfe, sie sollten sich selbst anzeigen, um ohne Vorstrafe zu bleiben.

Leser-Kommentare
    • flury
    • 15.02.2008 um 20:42 Uhr

    Gehen wir mal davon aus, daß Reiche und Superreiche jahrelang dieses "Spiel" betrieben haben, gleichzeitig darauf hinwiesen, daß man doch nicht stets eine "Neid-Debatte" führen dürfe, daß man zusammenrücken und gemeinsam den berühmten Gürtel enger schnallen müsse, so kann man nur auf Folgendes hoffen: Bitte lb. Staatsanwaltschaft in Bochum und dto. bitte Ihr Medien, versucht dann wenigstens - wie im Fall Zummwinkel - Roß und Reiter in der gebotenen Transparenz und Lautstärke zu nennen !!! Für was dies gut sein soll ? Zwei Gründe gibt es hierfür: (1) Solche Dinge dienen auch als Balsam für die Seele, wenn man schon so als Gemeinwesen und somit jeder Einzelne von uns buchstäblich betrogen wurde. (2) Es ist einfach operativ einfacher, als wenn man dies alles selbst beobachten müßte, wer den nun plötzlich klammheimlich seine Funktion oder öffentliche Stellung räumt, ohne daß man weiß "warum". Solchen Personen sollte dann zumindest ein öffentlicher Makel zuteil werden. Egal ob man meinen Wunsch nun als ein "an den Pranger stellen" bezeichnet. Etwas hatte man sich bei solchen Maßnahmen schon gedacht, bevor unsere Rechtskultur mit den vielen "Schönfelders" und Rechtskommentaren in betuchten Kanzleien für betuchte Klienten Einzug hielten.

  1. Sie müssen nur noch aus dem Meer an Bord geholt werden.
    Die dicksten Fische zuerst, das wäre schön. Aber die dicksten Fische sind schon lange nicht mehr in Liechtenstein, der Schweiz oder Luxemburg. Es trifft jetzt eher die Dummen. Klaus Zumwinkel ist ein bunter, schillernder Fisch. Er sichert der Staatsanwaltschaft Publizität, die sie braucht,  um die, die sich bisher noch nicht von den Sonderangeboten der Finanzverwaltung beeindrucken ließen, doch noch zu beeindrucken. Steuerhinterzieher, die ihr Geld im Ausland gebunkert haben, sollten wissen, daß sie in der Totalperiode irgendwann mal auffliegen. Auch wenn es erst die Enkel sind. In Blankenese, im Taunus, in Grünwald, am Starnberger See, zum Beispiel, werden sich die betuchten Bürger fragen , wer ist nun der Nächste? Jedes frühe Klingel sorgt für Angst und Panik. Besonders schlimm wird es nun für die, bei denen die privaten Erpresser schon mal vor der Tür standen und zehn Prozent abkassiert haben, in bar. Beim Fiskus ist es jetzt teurer. Die gezahlten zehn Prozent werden aber nicht angerechnet.  Vielleicht werden die neu eingestellten Hartz-IV-Richter aufs Steuerstrafrecht umgeschult? Mal sehen, was wird!

  2. Ich persönlich sehe da schon ein Signal drin, dass es mit Klaus Zumwinkel eine sehr prominente Figur war, bei der praktisch medienwirksam die erste Hausdurchsuchung durchgeführt wurde. Letzten endes wird die ganze Angelegenheit Herrn Zumwinkel nicht wirklich weh tun - schließlich war schon lange klar, dass er seine Karriere in diesem Jahr beenden wollte. Für andere kann sich derartiges durchaus bedrohlich darstellen - v.a. dann, wenn vor dem geplanten Karrierehöhepunkt eine Vorstrafe droht. Interessant ist in diesem Zusammenhang der öffentliche Aufruf des Finanzministeriums, im Zweifel Selbstanzeige zu erstatten. Das bringt dem Fiskus Geld, den Sündern jedoch keine Vorstrafe und man kann hinterher so weiter machen, wie vorher.

  3. Diese Enthüllungskriminalität ist doch von langer Hand vorbereitet. Es kann nur ein Anschlag dieser Kommunisten von der Linkspartei sein, die doch nur einen Gedanken im Kopf haben: Staatumsturz. Seit Jahren folgen unserer erfolgreichen Leistungsträger erfolgreich dem Motto, dass Dr. Helmut Kohl verkündet hatte: Es muss sich wieder lohnen, sich etwas zu leisten.Da leisten sich also unsere Eliten den Luxus, sich ihr schwer erarbeitetes Vermögen mit Hilfe der Stiftungsstifterei, die ja auch schon die Mitstreiter unseres Altkanzlers zur Finanzierung der erfolgreichen Wahlkämpfe gegen die kommunistische Bedrohung eingesetzt haben, um ihr Vermögen vor diesen Kommunisten in Deutschland in den sicheren Hafen Lichtensteins, Monacos, Guernsey, den Cayman Islands, Feldkirch usw. zu bringen, um die nachfolgenden Generationen in Stand zu setzen, sich ihre ihnen zustehenden Führungsposten und Leitungsaufgaben in unserem Lande leisten zu können. Und was geschieht? Staatsgefährdenen Subjekte aus dem Bereich der Exekutive und der Judikative beginnen einen Anschlag auf Recht und Ordnung in Deutschland zu organisieren.Wenn Herr Zumwinkel sein Vermögen vor dem immer gieriger werdenden Fiskus in Deutschland so in Lichtenstein in Sicherheit bringt, wie das ja auch der Besitzer von Müller-Milch und so viele anderer getan haben, dann verdient das unser aller Respekt.Stehen doch unsere Leistungsträger in schwersten, täglichen Kämpfen gegen den aus aller Welt gegen unser Land anrennenden Konkurrenzfeind, der unseren Wohlstand zu gefährden beginnt. Es kann doch nicht mehr übersehen werden, dass die gütige und verständnisvolle Reaktion unserer Kanzlerin auf die von den Chinesen gegen unsere Wirtschaft geführte Kopierschlacht ebenso erfolgreich bekämpft, wie die von den Chinesen eingesetzte Angriffswaffe des Dumpingwechselkurses, die zu Lasten der vielen chinesichen Hungerleider, Wander- und Sklavenarbeiter eingesetzt wird, um nicht nur in Europa die Wirtschaftsstrukturen zu zerstören. Das geschieht heute auch schon äußerst erfolgreich in Asien, Afrika und es beginnt sogar schon in Süd- und Mittelamerika.Nein, das ist alles eine groß angelegte Strategie der Kommunisten, um unser Deutschland und unsere Leistungsträger zu beseitigen. Seien wir also Deutsche. Stellen wir uns an die Seite unserer Leistungsträger, so wie das auch damals von dem guten Herr F. Ebert gemacht wurde, als er im Reichstag für die Bewillingung der Kriegskredite getan hat. So wie es heute der Genosse Steinbrück tut, in dem der sich von jeder falschen Rücksichtnahme befreit, maßlos aus der Staatkasse bedient, um den darbenden und in Not geratenen Spitzenleistern unter den Finanzspekulanten unter die Arme zu greifen. Es sollte jedem von uns gut tun. Schließlich wissen wir doch, dass Deutschland leben muss, auch wenn wir, die Bürger dieses Landes dafür sterben müssen. Unserer Regierung, die dieser Politk immer erfolgreicher umzusetzen beginnt, braucht unser aller Solidarität und unseren Verzicht auf alles, was wir noch an Vermögen haben, um den Investitionsstandort Deutschland vor dem Untergang zu bewahren.Schließlich wollen wir doch unserer Spekulationsinvestoren nicht verschrecken. Und die Eigenkapitaldiebe von der private equity Armee auch nicht. Die sind schließlich scheu wie Rehe. Sie könnten uns womöglich verlassen. Das wollen wir doch nicht - oder? Oder wählen Sie jetzt auch schon Linkspartei?

  4. ...Sie vergassen den ganz wichtigen Hinweis auf den Hauptgrund der zwingend notwendigen finanziellen Schonung unserer Leistungseliten:"Das Kapital ist wie ein scheues Reh"...es darf keinesfalls erschreckt werden!

  5. ...das scheue Reh....Ich fürchte....es ist bereits weggetrabt.Daher vielleicht die massive TV-Show??...*gg*

  6. ...das stimmt nicht, dass Zumwinkel keinen Schaden hat. Der Mann war bis vor kurzem hoch angesehen, fabelhaft vernetzt und hat in den vergangenen 18 Jahren enormes geleistet und aufgebaut. Ich kann nur schwer glauben, dass es ihm bei all dem ausschließlich um Geld ging, denn wem es wirklich nur ums Geld geht, wird nicht DAX 30 VV, sondern Investmentbanker oder dergleichen.
    Durch seine Geldgier hat er sich jedoch im Handumdrehen um seinen gesamten Erfolg gebracht- jedenfalls seine immaterielle Seite.
    Und das nur um einen für seine Verhältnisse kleinen Geldbetrag zu sparen. Wie kann das sein? Was bewegt einen so angesehenen Mann zu dieser kriminellen Tat? Was ist mit unseren Eliten passiert?

  7. Was soll die Formulierung "Ein Zufall, dass sich
    die Ermittler ausgerechnet Zumwinkel als erstes Opfer aussuchten." ? Zumwinkel ist -nach gegenwärtigem
    Stand- Tatverdächtiger, evtl. auch Täter, aber ganz sicher kein "Opfer der Behörden".

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