Gleichzeitig schaden die Off-Shore-Plätze dem internationalen Wirtschaftssystem. Denn die Anonymität nutzen nicht nur Steuerflüchtige, sondern auch Diktatoren, Betrüger und Verbrecher. Etliche Formen von Korruption können in den Steuerparadiesen ebenso verschleiert werden wie Insidergeschäfte. John Christensen, Sekretär der Organisation Tax Justice Network meint deshalb, dass Offshore-Finanzplätze zur Armut in der Welt beitragen. Im Jahr 2006, schätzt die Unternehmensberatung Boston Consulting, lagerten rund sechs Billionen Euro auf Konten von Finanzplätzen wie Jersey, Bermuda oder den Kaiman-Inseln.

Doch es müssen nicht immer nur die Kaimans sein. Eine beliebte Steueroase liegt auch in Delaware, USA . Hier sitzen Google , Coca-Cola oder die Citibank und weitere 40 Prozent der Unternehmen, die an der Wallstreet gelistet sind. Das ist die Folge eines Wettlaufs um das liberalste Gesellschaftsrecht in den 60er Jahren mit den Bundesstaaten Maine und New Yersey. Am Ende gewann Delaware. Eine Firmengründung ist hier seither per Mausklick oder Anruf möglich. Vor allem aber benötigen die Firmen keine Mindesteinlage. Der Gründer wird Aktionär, zeichnet Anteilsscheine ohne Nennwert, bezahlt eine Gebühr und ist anschließend Besitzer einer Aktiengesellschaft. Dann setzt er einen Treuhänder ein, der seine Firma verwaltet und kauft für sein Geld Anteile an demselben Unternehmen. Für den deutschen Fiskus ist das nur selten zu durchschauen - das Geld ist außer Landes.

Diese Konstruktion ist nur eine von vielen Spielarten. Sie funktioniert überall dort, wo Staaten kein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland oder einem anderen EU-Staat abgeschlossen haben. Dann haben die deutschen Finanzbehörden nichts mehr zu sagen. Doch selbst wenn Abkommen existitieren, lassen sie sich um gehen. 

Beispiel Gibraltar. Die britische Kronkolonie hat kein Doppelbesteuerungsabkommen mit den meisten europäischen Ländern, auch nicht mit Deutschland. Gründet ein deutscher Unternehmer nun eine Gesellschaft (Limited) in England , die wiederum eine deutsche GmbH als Muttergesellschaft hat, und macht gleichzeitig eine Firma in Gibraltar auf, die sowohl die deutsche wie die englische Firma übernimmt, kann er die Gewinne dort bilanzieren - in Deutschland und England hingegen nur die Kosten. Die Gewinne aber muss er in Gibraltar nicht versteuern.

Ähnliches funktioniert in den Niederlanden . Auch dort wird eine Firma gegründet, niederländisch BV abgekürzt. Sie allerdings dient nur als Zwischenstation. Vielmehr braucht es noch eine Gesellschaft als Holding auf den niederländischen Antillen, also auf Curacao, Aruba oder Bonaire. Diese Inseln gehören zwar zum niederländischen Königreich, nicht aber zum Staat der Niederlande selbst und sind deshalb auch nicht Mitglied der Europäischen Union. Die Holding in der Karibik übernimmt anschließend die niederländische BV. Wegen des Doppelbesteuerungsabkommens innerhalb der EU muss der deutsche Besitzer hierzulande keine Steuern zahlen - die Firma sitzt ja in Holland. Dort fallen jedoch nur Kosten oder kleine Gebühren an. Der Gewinn wird in die Karibik zur Holding verschoben, wo die Steuersätze sehr gering sind. Allerdings braucht es hier einen Verwalter. Ganz so leicht wie in Delaware  ist das System also nicht. Und auch bekannter. Der Tennis-Manager Ion Tiriac beispielsweise flog damit vor Jahren auf.