Klimawandel Da lacht die Sau
Sie sind der absolute Gewinner der globalen Erderwärmung: die Wildschweine. Das kostet nicht nur viel, sondern kann auch für den Menschen gefährlich werden
Sie kommen im Dunkeln, feiern ein Festmahl aus Maiskolben, Eicheln, Picknickresten, Blumenzwiebeln und manchmal auch einem süßen Träubchen Spätlese. Sind sie wieder fort, ist rundherum alles plattgewalzt. Während Eisberge schmelzen, Meeresspiegel steigen, Mensch und Tier unter der steigenden Hitze leiden und Wissenschafter fast wöchentlich neue klimatische Horrorszenarien verkünden, freut sich das Schwein. Denn für das in der Fachsprache „Sus scrofa scrofa“ betitelte mitteleuropäische Wildschwein bedeuten die sich verändernden klimatischen Bedingungen ein Leben wie im Schlaraffenland.
Kaum einem Tier in heimischen Breiten behagt die Erderwärmung so sehr wie den dicken Säuen. Wie wohl sich die borstigen Allesfresser bei diesen milden Temperaturen schon heute fühlen, zeigt sich an ihrer rasanten Vermehrung in Deutschland. Schossen Jäger hierzulande zwischen 1988 und 1989 noch 240.000 Tiere, so hat sich diese Zahl bis 2001/2002 verdoppelt. Nur im bitterkalten Winter 2005, als noch im März Neuschnee fiel, ging die Zahl der Wildschwein-Geburten rapide zurück. „Was wir momentan erleben, ist keine Zunahme der Population, sondern eine Bestandsexplosion“, sagt der Schweizer Wildtierbiologe und Wildschweinexperte Hannes Geisser. Schuld daran sei vor allem der Klimawandel. Der sorge nämlich dafür, dass die Wildschweinmägen immer gut gefüllt seien.
Die bis zu 150 Kilogramm schweren Waldbewohner fressen gerne Eichen, Bucheckern und Kastanien. Die steigenden Temperaturen setzen genau diese Bäume schon jetzt besonders unter Druck. Leidet ein Baum unter Stress, schaltet er einen Reproduktions-Dynamo ein. Aus Angst, das Bäumeleben könnte vielleicht bald vorbei sein, produzieren die Pflanzen binnen kurzer Zeit möglichst viele Samen. „Während es früher nur alle fünf bis sieben Jahre eine Vollmast gab, bei der die Bäume voll mit Früchten sind, haben wir jetzt beinahe jährlich so ein Phänomen“, sagt Geisser. Die Wildschweine können sich dadurch nun den Bauch regelmäßig vollschlagen. Sind im tierischen Körper genügend Fettreserven vorhanden, wird auch mehr Nachwuchs produziert. Da kann sich eine Rotte, wie das Schwarzwild im Rudel genannt wird, problemlos binnen eines Jahres verdreifachen. „Wildschweine sind, was ihre Vermehrung betrifft, wie zu groß geratene Mäuse“, sagt der Biologe Geisser. Kein anderes Säugetier von dieser Masse könne sich so rasch reproduzieren.
Weil die Zahl der wegen ihrer dunklen Borsten auch Schwarzwild genannten Tiere steigt, dehnen sie auch ihren Lebensraum aus. Immer häufiger trifft dabei Mensch auf Tier. In Hamburg, im Stadtteil Lemsahl-Mellingstedt, wurden in den vergangenen Jahren zwei Menschen von urbanisierten Wildsauen attackiert. Eine Joggerin konnte sich noch durch einen Sprung über einen Gartenzaun retten. In Berlin töteten die Paarhufer bereits einen Hund und wurden auch auf Spielplätzen gesichtet. In der Bundeshauptstadt gibt es seit einiger Zeit sogar ein eigenes Wildtier-Telefon für besorgte Anrainer. Denn Wildschweine können bis zu 1,20 Meter hoch springen, schlitzen mit ihren scharfen Zähnen Müllsäcke auf oder blockieren den Straßenverkehr. Sind sie auf Nahrungssuche, wandern sie bis zu 20 Kilometer pro Tag. In Spitzenzeiten rennen sie sogar 40 Kilometer pro Stunde. Und mit ihrem scharfen Gebiss können sie sogar einen Kinderarm durchbeißen.
Gefährlich werden die scheuen Tiere aber nur, wenn sie ihre Jungen bedroht sehen oder in Panik geraten. Dann walzen sie alles nieder, was ihnen in den Weg kommt. Ansonsten gehen sie den Menschen eher aus dem Weg. „Wenn ich in der Dunkelheit im Wald jogge, ist die Wahrscheinlichkeit, dass mich der Förster mit seinem Golf GTI über den Haufen fährt, trotzdem noch ein Vielfaches größer, als dass ich von einem Wildschwein niedergerannt werde“, sagt Geisser.
Oft führt ein Zusammentreffen von Wildnis und Zivilisation aber zu materiellem Schaden, etwa wenn die als überaus intelligent geltenden Säugetiere über Weinreben herfallen und die süßen Trauben abknabbern. Oder wenn sie Gärten oder Friedhöfe umpflügen, um Blumenzwiebel - für Schweine eine Delikatesse – zu naschen. Häufig zerstören die Tiere auch die Ernte der Landwirte. „Mais ist für die Wildschweine wie Popcorn“, erzählt Torsten Reinwald vom deutschen Jagdschutzverband. Da sich die Mais-Anbaufläche in Deutschland in den vergangenen 30 Jahren verdreifacht hat, gibt es auch abseits der Eicheln und Bucheckern genug. Häufig werden die Tiere nicht einmal entdeckt, wenn sie in die Äcker einfallen. „In Deutschland stehen Maisfelder mit einer Größe von 100 bis 150 Hektar“, sagt Reinwald. Dort können die Wildschwein-Rotten tagelang wüten, ohne entdeckt zu werden. Wie hoch der Schaden, den die Tiere anrichten, bundesweit ist, darüber fehlen bislang exakte Daten. Wildschaden wird nämlich nur auf kommunaler Ebene gemeldet und abgerechnet. „Aber wir können sicher sagen, dass die Schäden ansteigen“, sagt Reinwald. Bis 2001 soll laut Jagdschutzverband in einem eigenen Forschungsprojekt des Verbraucherministeriums und der Vertreter der Landwirte geprüft werden, wie die Keiler und Bachen effektiver gejagt werden können.
- Datum 30.07.2009 - 16:04 Uhr
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- Serie Klima
- Quelle ZEIT ONLINE, 15.2.2008 - 12:13 Uhr
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kann man das Problem bestimmt nicht lösen, denn damit könnte man ein Wildschwein ungünstigstenfalls auch gerade mal kitzeln - da braucht man schon Kugelpatronen (oder natürlich Flintenlaufgeschosse)...
Wildschwein ist lecker !
Ich habe schon mehrmals im Lokal Wildschweinbraten probiert und konnte keinen Unterschied zum normalen Schweinebraten feststellen. Das liegt wahrscheinlich aber nicht an den wilden Schweinen, sondern an unfähigen Köchen, die auch auf vorgefertigte Soßen zurückgreifen. Allen diesen Köchen sollte man die Approbation auf Lebenszeit entziehen. Ich werde mir jetzt einmal einen Braten vom Förster holen und selbst tätig werden.
Ich habe schon mehrmals im Lokal Wildschweinbraten probiert und konnte keinen Unterschied zum normalen Schweinebraten feststellen. Das liegt wahrscheinlich aber nicht an den wilden Schweinen, sondern an unfähigen Köchen, die auch auf vorgefertigte Soßen zurückgreifen. Allen diesen Köchen sollte man die Approbation auf Lebenszeit entziehen. Ich werde mir jetzt einmal einen Braten vom Förster holen und selbst tätig werden.
Stimmt!
Ein Problem ist insbesondere die Spezialisierung von Wildschweinen auf die Knollen wilder Orchideen, v.a. Knabenkräuter, die sie wittern und ausgraben. Manche Magerrasen sind regelrecht umgepflügte, mit katastrophalen Folgen für den Bestand. Bezüglich Fleisch: Durch einen hohen Pilzkonsum sind Wildschweine leider stark radioaktiv belastet. Im besonders von Tschernobyl betroffenen Bayern werden daher Wildschweinkadaver als Sondermüll entsorgt, für den Verzehr kommen sie nicht mehr in Frage. http://myblog.de/nichtide...
In den Wäldern um Bielefeld, Detmold und Paderborn gibt es täglich mehr Spuren von Wildschweinen. Zu sehen sind sie im Allgemeinen nicht, aber der Hund zeigt durch sein auffälliges Verhalten, dass wir nicht allein im Unterholz herumstreifen ...
...sind halt echte Schweine! Sie einfach aufzuessen ist die einfachste Lösung, das Fleisch kommt aus artgerechter Haltung, schmeckt bestimmt super bei dem Futter, und man schützt sogar den Wald. Und zu der Strahlung: Ist doch eh nur Propaganda. Hab letztens gelesen (weiß leider nicht mehr wo), Tschernobyl habe bei weitem nicht so dramatische Auswirkungen gehabt wie damals angenommen.
die Wildpigs!Macht sie zu unseren Wappentieren.
Liebe Frau Nina Horaczek,
ziehmlich theoretisch was Sie da schreiben oder abschreiben. Hab dafür Verständnis, denn jeder weiß heute alles über Alles.
Haben Sie vielleicht schon mal ein Wildschwein in der freien Natur gesehen ? Bin ein Landei, darum diese dumme Frage.
Wildschweinbraten ist lecker, mein Leibgericht. Sehe mich da ein wenig als Experte in Sachen Wildschweine. Gehöre selbst zu den bösen Buben, die Sauen jagen. Mit großer Leidenschaft. Hab vielleicht selbst so ca. 300 erlegt. Auch schon so manchen Kampf mit einem starken Keiler Auge in Auge ausgefochten. Mal siegt er, mal siege ich. So ist das Leben.
Über das töten können wir diskutieren. Ist wohl das, was Stadtmenschen bewegt. Der Tod selbst, vor allem mein eigener ist mein bester Freund. Führe jeden Tag mit ihm einen interessanten Dialog. Denke wir werden uns mit der Zeit immer ähnlicher werden, bis wir am Ende Ein und das Selbe sind. Man lernt viel bei der Jagd über den Tod und das Sterben. Auf diesem Weg natürlich auch viel über den Sinn des Lebens. Bei der Jagd in freier Natur hat man viel Zeit und Ruhe zum Denken.Kann man als Stadtmensch nicht nachvollziehen. Ich bin da sicher ein Urvieh aus vergangenen Zeiten. Übernachte gern unter freiem Himmel, schaue mir die Sterne an, und warte auf die Wildschweine. Bei Vollmond ein Erlebnis. Sollten Sie mal machen. Dann lernen Sie etwas über meine Freunde, die Sauen. Sind ganz klevere Tierchen. Oft richtig genial, haben tolle Tricks drauf.
Wenn ich sie richtig verstehe, haben Sie jetzt Angst vor ein paar Wildschweinen. Die Sie selbst, durch ihre Umweltverschmutzung als Stadtmensch, in Ihre Richtung treiben. Auf gut deutsch: Die Sauen wehren sich. Rücken Euch Stadtmenschen auf die Pelle.
Da können Sie mal sehen wie klever Sauen sind. Kennen ihre Feide. Als Landei habe ich nichts dagegen, und hoffe sie beißen. Werde in Zukunft gern jede leben lassen, die sich in Richtung Stadt bewegt.
Mit freundlichen Grüßen
Paul
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