Internetwahlkampf Obama online, Ole offlineSeite 2/2

Auch das in den USA übliche Mehrheitswahlrecht spielt für den Internet-Wahlkampf eine wichtige Rolle. Wenn John McCain im Herbst für die Republikaner in den Wahlkampf ziehen wird, dann wird seine Kampagne um demokratische Hochburgen wie San Francisco oder Los Angeles einen großen Bogen machen – alles andere wäre vergebene Liebesmüh.

Umgekehrt wird sich der demokratische Kandidat kaum in texanischen Landstrichen blicken lasen, in denen Republikanern seit jeher haushohe Siege sicher sind. Stattdessen werden sich beide Parteien auf eine Handvoll von Bezirken konzentrieren, die von ihren Wahlkampf-Strategen als gewinnbar eingestuft werden.

Für die Mehrheit des US-Wahlvolks wird der Wahlkampf damit zu einem Stellvertreter-Rennen. Wenn die Wähler aktiv Einfluss auf den Ausgang der Wahl nehmen wollen, müssen sie dies mit Spenden, Anruf-Kampagnen oder andere Formen der aktiven Beteiligung tun. Das Internet macht derart persönlichen Aktivismus leichter denn je.

Politiker setzen schließlich in den USA auch deshalb massiv aufs Netz, da ihnen die klassischen Medien wenig Raum zur Selbstdarstellung bieten. So sind US-Fernsehsender nicht zur kostenlosen Ausstrahlung von Wahlwerbung verpflichtet. Kandidaten werden stattdessen für ihre Spots ganz normal zur Kasse gebeten. Experten schätzen, dass Obama allein im Januar 16 Millionen Dollar für Fernsehwerbung ausgegeben hat.

Keinen Cent kostete die Kampagne dagegen ein Video des Black-Eyed-Peas-Sängers Will.i.am. Der Obama-Fan bastelte mit Hilfe einiger prominenter Mitstreiter aus einer Rede des Politikers ein Musikvideo, das sich im Netz in kürzester Zeit zum viralen Hit mauserte. Das „Yes We Can“ getaufte Video verzeichnete in den letzten zwei Wochen auf Youtube mehr als neun Millionen Zugriffe – und bewies damit, dass man im Netz auch ohne große Ausgaben viele Wähler erreichen kann.

 
Leser-Kommentare
  1. sogar aus seiner ZEIT-Redaktion, den Naumann, beim Casting für: Deutschland sucht den tolpatschigsten Videodarsteller. Ganz stark vom Naumann die "kühlen Kohlekraftwerke", sind wohl die Revolution der Energiegewinnung.

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