Fall Zumwinkel Angriff aufs System

Noch ist nicht bewiesen, ob der Post-Chef Steuern hinterzogen hat. Doch der Fall könnte tiefer gehen als alle Manager-Skandale der jüngeren Vergangenheit.

Klaus Zumwinkel hat den deutschen Staat um eine Million Euro betrogen. So lässt sich der Verdacht zusammenfassen, den die Bochumer Staatsanwaltschaft gegen den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post erhebt. Wenn es stimmt, was berichtet wird, dann hat Zumwinkel zehn Millionen Euro am Fiskus vorbei nach Liechtenstein geschleust und dort in einer Stiftung angelegt, die das Vermögen mehren sollte. Die Kapitalerträge daraus wurden jedoch offenbar nicht versteuert. Das ist nicht erlaubt.

Noch ist das alles nicht bewiesen, Zumwinkel gegen Kaution und mit Auflagen frei. Solange keine weiteren Details darüber bekannt sind, was dem Post-Chef im Einzelnen genau vorgeworfen wird, gilt es, Zurückhaltung zu wahren. Ein Verdacht kann sich auch zerschlagen. Zudem: Die Post selbst berühren die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft nicht. Deshalb laufen Reflexe ins Leere, den Fall Zumwinkel in eine Reihe mit den Affären bei Siemens, Volkswagen oder Mannesmann zu stellen. In allen diesen Fällen standen falsche, auch strafbare Managerentscheidungen in direktem Zusammenhang mit den Unternehmen. Diesmal wohl nicht.

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Dennoch enthält dieser Fall das Potenzial, die Republik zu erschüttern. Das hat viel mit der Rolle Zumwinkels zu tun und seiner Funktion. Der Post-Chef hat eine glänzende Karriere hinter sich. Einst erbten er und sein Bruder von ihrem Vater eine Handelskette von zehn Kaufhäusern und einigen Dutzend Supermärkten, die sie später an die Rewe-Gruppe verkauften. Später arbeitete Zumwinkel für die Unternehmensberatung McKinsey. Schließlich baute er die alte Bundespost zu einem auf der ganzen Welt agierenden Logistikkonzern um.

Ein Manager durch und durch - und ein Staatsdiener. Denn sein Amt als Post-Chef (und als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom ebenso) ist auch ein politisches. Immer noch ist die Post mehrheitlich in staatlichem Besitz. Sie ist ein wichtiger Bestandteil unseres Gemeinwesens, dem sich alle, die dafür arbeiten, verpflichtet fühlen müssen. Das gilt für den Polizisten ebenso wie für den Vorstand eines Milliardenunternehmens. Zumwinkel hat sich stets dazu bekannt und immer die Nähe zur Politik gesucht.

Hierin liegt deshalb das eigentliche Vergehen: Dass sich einer, der nicht nur vom System profitiert, sondern ihm an leitender Stelle angehört, hinterrücks dagegen gewandt haben soll. Es wäre eine Misstrauenserklärung, die an den Grundlagen unseres Zusammenlebens rührt.

 
Leser-Kommentare
  1. verstanden, daß erträge einer stiftung erst dann versteuert werden muessen,
    wenn sie da wieder heraus kommen, um z.b. in d. verzehrt zu werden.
    denn die stiftung hat doch gerade den sinn, das geld zeitweise aus der
    persönlichen bezogenheit rauszunehmen. naja, da ich arm, wie eine kirchen-
    maus bin, weckt die polizei mich immer nur wegen anderer delikte...
    und daß die staatsanwaltschaft nagelneue, silberne  S-klassen für mehrere
    hunderttausend euro, zum gefangenentransport vorhält, wußte ich auch nicht.
    das läßt steuerhinterziehung vielleicht doch als berechtigte maßnahme
    erscheinen ; )

    • flury
    • 14.02.2008 um 22:07 Uhr

    Wie man hört, sei Dr. Zumwinkel ein begeisterter Bergsteiger. Mit dabei seinen solche "Größen" wie der ehemalige Daimler-Chef Schrempp, Mr. Burda - man verlieh dem vermuteten Steuerhinterzieher (so der Vorwurf, bewiesen sei noch Nichts - sagt man) vor Jahren den Bambi, weitere Namen gleichen Kalibers - man bleibt auch am Berg gerne "unter sich" - kann man nachlesen, sie fallen mir gerade nicht mehr ein. Wenn also alle diese Vorwürfe stimmen und die offensichtliche Verkommenheit deutscher Manager weiterhin bunte Blüten treibt, so schlage ich eine gemeinsame Seilschaft in der Eiger Nordwand vor - dies dann noch im Winter. Ich kann mich als nicht mehr junger Mensch noch an die Erst-Winterbesteigung erinnern. Die Chance, gut oben anzukommen, sei nicht gerade hoch - sagt man. Was ich damit ausdrücken will, behalte ich für mich .... Der plaudernde Bergex Reinhold Messner, der diesen illustren Kreis jodelnder Wirtschaftsgrößen bisher stets geführt hat, kann ja unten stehen bleiben und zuschauen. Dann haben wir den wenigstens noch eine Weile.

  2. zunächst gilt auch für diesen Herrn die Unschuldsvermutung. Ob die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft letztlich zum gewünschten Ergebnis führen, muß abgewartet werden. Zweifel sind angebracht. Ein besonderes "Geschmäckle" hat die Sache schon, wenn man die Skandale der sogenannten Wirtschaftsführer der Vergangenheit betrachtet. Von den aktuellen Pleiten (Staatlich kontrollierte Banken, West-LB, IKB etc.) will ich garnicht reden. Das ist ein trauriges Kapitel für sich, vor allem für unsere unfähigen Politiker. Erschreckend ist für mich, dass diese sogenannten Manager den Hals nicht voll kriegen, im Gegenteil. Herr Zumwinkel bezeichnet sich selbst als Multimillionär. Wenn er denn für ein paar Milliönchen die Steuer spart,  was solls! Geld kann man nicht essen, in die Gruft mitnehmen auch nicht. Die Erben können auch nicht mehr ausgeben. Also was soll's? Der nach diesem unseligen VW-Hartz genannte Empfänger darf weiterhin in die Röhre schauen. Toll! Aber nach den Bekundungen unserer allseits "geliebten"  Kanzlerin (die SPD schließe ich ausdrücklich ein) ist der Aufschwung überall angekommen. Nur, keiner merkt's. Um es vulgär zu sagen: man kann nur noch Kotzen.

  3. Diese im Artikel angesprochene Misstrauenserklärung, die an den Grundlagen unseres Zusammenlebens rührt, ist den 80 Millionen Bürgern schon lange zu eigen und verstärkt sich täglich mehr.Wenn aber eine handvoll dummdreister Manager öffentlich-rechtlicher Banken in Berlin, von Sachsen bis Bayern Milliarden verzocken, dann gibt es wie immer weder bei Politikern noch Managern keine Schuldigen, keine Haftenden oder Rauszuwerfende (natürlich ohne Pensionsanspruch), sondern es wird gemeinschaftlich  vertuscht und kleingeredet und eine Lösung gesucht, die schlussendlich der Steuerzahler bezahlen darf.

  4. Die Nachrichten-Lage ist noch sehr dünn. Folgende Fragen hätte ich gerne beantwortet: 1. Auf welchen Zeitraum (Anzahl Jahre) beziehen sich die angeblich hinterzogenen Euro 1 Mio. 2. Wie hat der noch nicht Angeklagte seine Mio.'s ins Ausland bekommen?Interessant ist auch, daß Roland Koch noch nicht aufgekreischt hat.

    • Dox
    • 15.02.2008 um 2:35 Uhr

    Einem destruktiven parasitären Apparat wie dem deutschen Staat Steuern zu entziehen halte ich für eine Bürgerpflicht. Mit Ausnahme Ludwig Erhards haben alle anderen Politiker das Volk enteignet und entmündigt. Unsere starke Wirtschaft und unseren Wohlstand haben wir fleißigen Arbeitern, Ingenieuren ,Wissenschaftlern und Unternehmern zu verdanken, die Gott sei Dank mehr erwirtschaften als der räuberische verschwenderische Staat ausgibt. Mit jedem Steuereuro bläht er sich mehr auf, so dass Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung absolut notwenig sind, um diesen sozialistischen Überbau wieder auf ein erträgliches Maß zu stutzen. Ich kann vor Herrn Zumwinkel nur den Hut ziehen. 

  5. 7. @ dox

    Meine Hochachtung auch. Zumwinkel hat Erstaunliches geleistet indem er die Post zum groesseyn Logistkunternehmen weltweit umbaute. Dass er jetzt von irgendeinem schaebigen Denunzianten, der seine Informationen wahrscheinlich sehr teuer verkauft hat ( Denunzianten arbeiten nicht umsonst ), verraten wurde, wird ihm nichts anhaben koennen.

    • Dox
    • 15.02.2008 um 4:14 Uhr
    8. @ eh

    Ich glaube, dass sie ihm etwas anhaben können. Keine Staatsanwaltschaft riskiert so ein Aufsehen ohne handfeste Beweise. Die werden ihn abschlachten und die Medienmeute von links bis rechts wird über ihn herfallen. Noch Jahre wird man den Fall in Talkshows diskutieren. Was interessiert es die meinungsmachende Elite inklusive der ZEIT-Redakteure schon, ob jemand etwas zum Wohlstand des Landes beigetragen hat. Diese schöngeistige Meute hätte selbst Einstein zerfleischt, wenn er genug Geld gehabt hätte, um Steuern zu hinterziehen. Ich hoffe nur, dass Zumwinkel vorgesorgt hat und sich in einem Kreis guter Freunde dem Schreiben eines Buches widmen kann, mit dem er einem jeden Deutschen Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung als erste Bürgerpflicht nahelegt. 

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