Auf Zypern haben die Inselgriechen den amtierenden Staatspräsidenten Tassos Papadopoulos nach fünf Regierungsjahren in den Ruhestand geschickt. Der 71-Jährige, der nach dem amtlichen Endergebnis nur 31,8 Prozent der Stimmen erhielt, hatte seine Amtszeit fast ausschließlich dazu benutzt, eine Lösung der Zypernfrage zu verhindern. Beim Rennen am Sonntag blieb er hinter seinen beiden Herausforderern zurück, welche am kommenden Sonntag in den entscheidenden zweiten Wahlgang gehen.

Damit ist Papadopoulos' Politik gescheitert, die EU-Mitgliedschaft der Republik Zypern als Druckmittel gegen die Türkei einzusetzen, die 1974 nach lang anhaltenden Ausschreitungen gegen die Inseltürken und einem Putschversuch griechischer Offiziere zwei Drittel der Insel besetzt hatten. 1993 wurde die Türkische Republik Nordzypern ausgerufen.

Im Februar und März 2004 hatte Papadopoulos alles dafür getan, die Annahme des Plans von Kofi Annan zu verhindern , den der damalige UN-Chef für die Wiedervereinigung hatte entwerfen lassen. Die Inseltürken stimmten in großer Mehrzahl zu, die Griechen lehnten zu fast zwei Dritteln ab. Seither erschöpfte sich Papadopoulos Bestreben darin, die Entwicklung des türkischen Teilstaates im Norden der Insel zu blockieren. Das kostete den Griechen in der gesamten Europäischen Union viel Sympathie. Jetzt, nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos am Sonntag, geht die Angst um, auch der türkische Norden werde in nicht zu ferner Zukunft von anderen Staaten anerkannt und damit die Teilung der Insel zementiert.

Sieger der Wahl ist der 59-jährige Ioannis Kasoulides von der Mitte-Rechts-Partei DISI, der mit 33,5 Prozent das Rennen machte. Er hat die Unterstützung von Papadopoulos' Vorgänger Glafkos Cleridis, der für die Annahme des Annan-Planes eingetreten war. Doch auch Kasoulides will nicht zum Annan-Plan zurück und fordert wesentliche Änderungen, besonders was die Zahl der Siedler vom türkischen Festland und die Rückgaben griechisch-zyprischen Eigentums betrifft.

Zweiter ist der 61-jährige Dimitris Christophias, der Chef der zyperngriechischen Kommunisten, mit 33,3 Prozent der Stimmen. Er hatte vor fünf Jahren den Steigbügelhalter für Papadopoulos gespielt und wie dieser für eine Ablehnung des Annan-Plans getrommelt. Sich selbst hat er damit in der Partei viel Unruhe beschert und außerdem die zyperntürkische Linke verprellt, die sich am stärksten für die Vereinigung engagiert hat. Doch immer noch hat seine Partei AKEL, die anteilsmäßig größte "kommunistische" Partei in der gesamten Europäischen Union, die besten Drähte zu den türkischen Zyprioten.

Auf Zypern ist das Staatsoberhaupt Regierungschef mit äußerst großen Rechten. Denn in der Republik, die 1960 als gemeinsamer Staat der Griechen und der Türken gegründet worden war, sollte seine Gewalt weniger durch das Parlament als vielmehr durch seinen Stellvertreter im Zaum gehalten werden, der nach der immer noch geltenden Verfassung ein Türke sein muss. Doch weil Zyperns Griechen und Türken seit 1974 in zwei getrennten Staaten leben und es keinen türkischen Stellvertreter gibt, genießt der Präsident in der heute praktisch nur noch griechischen Republik alleinige Regierungsmacht.