Biobauern Bio-Boom verpennt?Seite 2/2

Bund, Länder und Europäische Union zahlen derzeit gemeinschaftlich 137 Euro Öko-Prämie pro Hektar Ackerfläche im Jahr an die Bio-Bauern. 160 Euro waren es 2006. Dieser Satz kann von den Ländern um bis zu 20 Prozent gesteigert und um maximal 30 Prozent gesenkt werden. Bayern zahlt mit 190 Euro die höchste Prämie. Eine zusätzlich erhöhte Umstellungsprämie für die ersten Jahre gibt es nur in vier Bundesländern: Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Sachsen.

Im vergangenen Jahr ist die Bio-Anbaufläche um 5,8 Prozent größer geworden. Auf 873.000 Hektar Boden und in 18.000 Betrieben wird biologisch geackert. 2006 hat sich die Öko-Fläche lediglich um 2,3 Prozent vergrößert, „ein historischer Tiefstand“, sagt Frank Wetterich vom Bauernverband. Er sieht einen direkten Zusammenhang zwischen fehlenden Umstellungsprämien und der Zurückhaltung der Bauern. Geringe Zuwachsraten im Öko-Anbau und eine abrupt gestiegene Nachfrage durch die Bio-Linien der Discounter haben den Graben zwischen Angebot und Nachfrage zusätzlich so breit gemacht.

Bioland und Bauernverband fordern Hilfe von der Politik, konkret: Geld. Sie scheinen erhört zu werden. „Es findet mittlerweile ein Umdenken statt“, sagt Thomas Dosch von Bioland. Der Bund habe die Länder aufgefordert, mehr Öko-Prämien zu zahlen. Für Bayern, dem Bundesland mit den meisten Bio-Bauernhöfen, hat Landwirtschaftsminister Josef Miller jüngst angekündigt, die Öko-Prämie im kommenden Jahr von 190 auf 210 Euro anzuheben, für die zweijährige Umstellungsphase gibt es 300 Euro pro Hektar Acker und Jahr.

Der parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Gerd Müller, hat angekündigt, auf Initiative seines Ministers würden Bund und Länder sämtliche Öko-Prämien überprüfen. Ziel sei es, „die Umstellungsbereitschaft auf den Ökolandbau zu erhöhen.“

Im agrarpolitischen Planungsausschuss werden sie also um Prämien feilschen, der Bund und die einzelnen Länder, die mehr oder weniger Bio-Bauern haben und deshalb auch mehr oder weniger Interesse an einer Förderung. Im Herbst werde es einen ersten Vorschlag des  Bundeslandwirtschaftsministers an die Länder geben, kündigte eine Ministeriumssprecherin an. Sie sei "zuversichtlich, dass im kommenden Jahr höhere Prämien gelten", sagte die Sprecherin. Konkrete Zahlen nannte sie nicht.

Als weltgrößter Streiter für das Bio-Bauerntum hat sich Horst Seehofer in den Augen der Branche noch nicht hervorgetan. Auf der derzeit laufenden Messe Biofach in Nürnberg maulten einige Verbandsfunktionäre über das Fehlen des Ministers. Der schickte seinen Staatssekretär und ließ ausrichten, dass jedenfalls das Bundesprogramm Ökologischer Landbau bis 2015 weitergeführt werde, mit 16 Millionen Euro jährlich, die hauptsächlich in die Forschung fließen würden.

 
Leser-Kommentare
  1. Für die Bauern in Deutschland und auch in Europa ist es wesentlich interessanter sich um den konventionellen Markt zu kümmern. Hier sind die Erträge sicherer, die Preise explodieren auch hier,  Nahrungsmittel werden(weltweit) immer knapper. Gerade solll die Einspeisevergütung für Strom aus Biogas (NwaRo) um 2 ct/kwh  angehoben werden, d.h. die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe werden weiter steigen. Warum soll ich da als Landwirt auf die Bioschiene umsteigen? Aus finanziellen Gründen auf jedenfall nicht. Und wenn eine hohe Förderung für die Umstellung auf "Ökoanbau" kommt, dann werden Flächen umgestellt auf denen kaum Produktion (Grenzertragsflächen) möglich ist. Das Geld gibt es dann ja für umsonst.

  2. Keine Notwendigkeit sehen die Landwirte auf Bio-Produkte umzustellen. Durch Subventionen und hohe Preise für konventionell hergestellte Produkte können sie zur Zeit gut leben. Bio-Anbau macht wesentlich mehr Arbeit und es bestehen große Risiken für Missernten durch Pilze und Schädlinge. Müssten die Landwirte ohne Subventionen existieren, wäre der Anreiz vorhanden das Risiko einzugehen wegen den deutlich höheren Verkaufspreisen.Jukundus

    • quax74
    • 23.02.2008 um 3:42 Uhr

    Ich stamme selber von einem Hof, den mittlerweile mein Bruder übernommen hat. Vor einigen Jahren wurde der Hof auf Bio umgestellt. Drei Mißernten in Folge haben meinen Bruder gezwungen, wieder auf konventionell umzusteigen. Es scheint so, wenn ich mich umsehe, dass sobald 30% einer Region auf Bio umgestellt sind, der Pflanzenschutz ein wahnsinniges Problem bereitet. Dies sollte auch in der ganzen Bio-Euphorie berücksichtigt werden. Dies passt natürlich gerade nicht in den Zeitgeist ....

  3. Tatsache scheint aber auch zu sein, dass die Landwirte sich mehr oder weniger auf Subventionen für den Anbau von Raps und anderen Grünpflanzen zur Erzeugung von Bio-Kraftstoffen verlassen. Hierbei ist es aber so, dass die Zuschüsse für Bio-Diesel u.a.m. reduziert wurden. Dies führt zwangsläufig dazu, dass die Rohstoffe in steigendem Maße importiert werden. Einmal ist hier eine föllig verfehlte Subventionspolitik der Bundesregierung sowie der EU zu sehen, was zur Folge hat, dass mehr für die Treibstofftanks als für die Ernährung produziert wird. Zum anderen wird die Notwendigkeit solange bestritten, bis der Druck aus der Öffentlichkeit zu hoch wird. Erst dann bewegt man sich an den entsprechenden Stellen.Solitaire

    • Anonym
    • 23.02.2008 um 18:41 Uhr

    Oder: nicht überall wo Bio draufsteht...Es gab auch eine Zeit vor "Bio" Siegeln in denen Lebensmittel ohne Pflanzenschutzmittel und zig andere Zusätze zu haben waren. Und das gibts auch heute noch. Gerade hier im ländlichen Bayern kann ich sagen, ich kenn die Äcker auf denen das meiste was ich auf dem Markt kaufe so wächst. Manchen Bauern kenn ich sogar persönlich. Die erzählen mir die wildesten Sachen, wieviel davon stimmt kann ich nicht sagen aber ich kanns mir gut vorstellen das da schon was dran ist. So sagt er, die meisten Bio Bauern gerade im europäischen Ausland halten sich nur an die Mindeststandards und nutzen jedes Schlupfloch in diesen Standards um eben doch zu Spritzen etc. - aber Verkaufen tun sie die Erzeugnisse zu den höheren Bio-Preisen obwohl die Herstellungskosten natürlich günstiger sind als echter "ökologischer Anbau". Das ist reine Geldmache und die Supermärkte machen natürlich gern mit, inklusive den Medien die damit wieder ein Thema für die Hefte haben. Solche "normalen" Bauern zwischen fabrikartiger Massenproduktion auf der einen und fanatischem Erbsenzählen auf der anderen Seite haben es halt schwer weil sie weder mit Discountpreisen punkten können noch mit irgendwelchen Siegeln. Einfach nur mit Erzeugnissen die mit Augenmaß und Liebe an der Landwirtschaft aufgezogen wurden, zumal solche Bauern z.B. sowieso nie mehr Gülle etc. in den Boden pumpen als unbedingt nötig, denn die wollen den Hof auch den Kindern vererben und wenn der Boden kaputt ist geht das nicht mehr. Großbauern wie anderswo gibt es in Bayern immer noch recht wenige, da die Landschaft für deren riesige Maschinen auch zu hüglig und zerklüftet ist. Und ob meine Milch ein Bio Siegel hat oder nicht, die Kühe von derer lokalen Molkerei die ohnehin nur im Umkreis von 40 km ausliefert weiden allesamt den ganzen Sommer über auf den Bergwiesen, auch gut an den Glocken zu hören. Da gibts nur Gras und frische Luft, Siegel hin oder her.

    • Anonym
    • 03.03.2008 um 17:26 Uhr

    ... direkt vom Erzeuger zu kaufen, sei ein Narr, wenn er dies nicht nutzt. Ich verstand niemanden, der am Bodensee bei Aldi, Lidl und Norma für 1 kg Äpfel 2,99 Euro zahlte, die es beim Bauer in seinem Hofladen für für schlappe 1,60 gab.                                                                                                                So war dies mit Möhren und anderem Gemüse fast ebenbürtig. Ist halt bequem mit dem Auto vor den Supermarkt aufladen und alles in einem Rutsch -meist ohne Überlegung- zu kaufen.                                                                                                        Wer regional denkt, unterstützt sein Nachbarn. Wer global denkt, hat anderes im Visier.isaac ben laurence weismann

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