Musikjournalismus Rat mal, wie das klingtSeite 2/2
Auch Pete Angelus' Klagelied klingt scheinheilig. Als Manager einer kommerziell erfolgreichen Rockband müsste er wissen, dass große Plattenfirmen den Kritikern Alben nur noch in kurzen Ausschnitten oder verfremdeten Versionen zur Verfügung stellen. Die panische Angst vor Raubkopien hat die Musikindustrie zu drastischen Mitteln greifen lassen. Journalisten fürchten die sogenannten
Listening Sessions
, bei denen sie gruppenweise, im Auto oder im Hotelzimmer, musikalische Häppchen des unveröffentlichten Albums kosten dürfen. Vollständige Booklets oder gar ganze Lieder in korrekter Reihenfolge liegen den Schreibern selten vor.
Wer soll sich da einen umfassenden Eindruck vom Werk machen können? Immer wieder weisen Journalisten in ihren Rezensionen darauf hin, dass die Platte nur unvollständig vorlag. Dann fällt auch die Bewertung der Künstler meist ungünstig aus, denn die Meinungsäußerung ist die einzige Waffe der Kritiker.
In dieser Kontroverse um die Black Crowes berühren sich die empfindlichsten Stellen des Musikgeschäfts. Die Forderung der Musikindustrie nach gründlicher Auseinandersetzung mit dem Werk ihrer Künstler trifft auf die wachsende Unzufriedenheit der in ihrer Arbeit immer stärker eingeschränkten Musikjournalisten.
Dass ausgerechnet ein Busenmagazin diese Diskussion anstößt, offenbart, wie lächerlich stümperhaft in den niederen Regionen der Musikkritik gearbeitet wird. Auch der Musikindustrie sollte dieser Zwischenfall zu denken geben: Es ist unverhältnismäßig, sorgfältige Berichterstattung zu fordern und gleichzeitig dem Kritiker den Gegenstand der Berichterstattung vorzuenthalten. Wer ein Kunstwerk beurteilen will, der muss es kennen.
Plattenrezensionen, Künstlerportraits, Bildergalerien und unser Festivalblog gibt's auf
zeit.de/musik »
Sie wollen auf dem Laufenden bleiben?
Klicken Sie hier
, und unser RSS-Newsletter bringt Ihnen die Musik direkt auf den Schirm.
- Datum 03.03.2008 - 05:15 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 7
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









Kann mir mal jemand verraten was dieser Artikel auf der ersten Seite (wenn auch online) der Zeit zu suchen hat? Wen interessiert das amerikanische Blatt Maxim?
Der große englische Gelehrte und Autor Sir Sidney Smith (1771-1845), behauptete, dass er grundsätzlich nie ein Buch läse, ehe er es rezensierte, denn das könne leicht zu Vorurteilen führen.
Wie phantastisch ist das denn mal bitte? Ich bin begeistert. Endlich befreit sich der Journalismus vom läßtigen Joch der Realtität. Und endlich erstickt die Musikindustrie an ihrer eigenen kapitalistischen Dummheit. Grandios. So ein Artikel ist zu Recht auf der ersten Seite.
trotz des hübschen aufhängers, was ist nun ihre these? dass die musikindustrie (wie immer) unter anderem selbstverschuldet in jenes dilemma schlidert? fad.woher bekommen sie die rezensionsexemplare? meine waren, sogar mit biegen und brechen über streams und wasesnichtgibt, bisher und seit langem vollständig. jene apokalyptische weisung, an der plattenstreuung ändere sich etwas, halte ich leider für eine aufhängerische mär.nutzen sie den maxim-aufhänger dazu, um darauf hinzuweisen, dass wenige musik-autoren kritiker sind. von intro über visions über (leider oft genug) rolling stones über (leider genug) spex und das englische nme ist, aufsteigend, in der reihenfolge, unermesslich viel quark dabei. und wenn ich mir, mit verlaub, "die zeit"-kritiken zuweilen durchlese, frage ich mich, ob gewisse autoren überhaupt etwas als subjektivismus zu veräußern haben.dass musiker kritikern heuchelei und untergang vorwerfen, ist seit zwei- oder mehrhundert jahren nicht ungewöhnlich. die wenigsten kritiker hören ein album oder lesen ein buch ganz. sogar die literaturoma ranicki war sich sicher, er würde nach zehn seiten feststellen können, ob ein buch taugt oder nicht: und er hat erstaunlich recht, nach jahren. schließlich beurteilen wir nicht den produktions-schweiß, sondern das resultat; und im zeitalter des anything goes und pussypop oder myspace, doch nur mit etwas erfahrung, sind die meisten werkebewegt, aber nicht bewegend,geschweige erwähnenswert, außer für das blatt, das von werbekosten lebt. der wunsch nach anerkennung ruft nach quacksalbern, die, obgleich sie nichts zu sagen haben, in die runde werfen, man möchte ihnen beachtung schenken.eine schöne lit. kritik in "die zeit" des 7.2.: "Doch wie der Roman bald ahnen lässt, ist Claudia noch viel mehr.
Nämlich der Entwurf eines jungen Menschen unserer Tage, der anders ist
als die emotional schlappen, verzweifelt abgeklärten Figuren, die in
großer Zahl die jüngste deutsche Literatur bevölkern. Und ganz anders
als die popkulturellen Konsumgeschichtenerzähler, die in ihren
Generationenghettos schmoren. Mit all dem will Claudia ebensowenig zu
tun haben wie mit ihren sozial und bildungsmäßig wohlbestallten Eltern
(Vater: Musikkritiker)." ("waffenruhe", d. dath)dies lässt gut auf die musik und andere künste anwenden.leider nur abgehackte kommentare durch die steckdose.
Klar muss man nicht über das Niveau eines Magazins wie "Maxim" streiten, über das des Schreibers hingegen schon, denn ich empfinde es als ziemlich flach, diesen armen Aufhänger zum Dissen der Musikbranche zu nehmen. Maxim könnte noch etwas auf das Album warten und macht die Rezension in der nächsten Ausgabe, wo ist das Problem?
Zweitens gibt es noch genug Labels, die den Medienpartnern gerne ein fertiges Produkt zur Verfügung stellen, denn so arbeiten noch immer fast alle Indie-Labels. Wenn sich der Schreiber natürlich nur für Major-Produkte interessiert, so soll er halt nicht meckern, denn es gibt viele, viele tolle Künstler da draußen, die er wahrscheinlich alle nicht kennt.
Devil-Jörg
Auch die neue CD von NAS wurde von Maxims bereits mit 2,5 Sternen
versehen ... diese soll sogar noch nicht mal ganz abgemischt sein.
Ich schlage vor, dass man sich nach den Abzockern und
Steuerhinterziehern endlich mal mit Journalisten, Redakteuren und
Webmastern befasst. Diese Leute lassen nämlich ebenfalls jeglichen
Anstand vermissen und schreiben offenbar was gerade gefällt. Wenns den sein muss auch über Dinge die sie weder kennen noch verstehen. @ Matthias Schönredner ... wie wärs mit "keiner Kritik" wenn man die CD / das Buch / den Film nicht vollständig vorliegen hat? Würde ich Sie nur nach dem Titel ihres Beitrages beurteilen müsste ich annehmen, Sie seien Quizmaster und gar kein Journalist.
Übrigens, Britney Spears erwartet gemäss einschlägigen Zeitungen jetzt
bereits zum 5ten Mal infolge ihr drittes Kind ... quo vadis
Journalismus.
"Es ist unverhältnismäßig, sorgfältige Berichterstattung zu fordern und gleichzeitig dem Kritiker den Gegenstand der Berichterstattung vorzuenthalten. Wer ein Kunstwerk beurteilen will, der muss es kennen.“„
Dann wartet der seriöse Musikjournalist eben bis zur offiziellen Veröffentlichung.
Aber so seriös möchte er offensichtlich auch nicht sein, jedenfalls kommt der Autor dieses Artikels gar nicht auf die Idee, dass das ja auch möglich wäre und in vielen Fällen auch so gehandhabt wird.
Was hier beschrieben wird, das betrifft die so genannten großen Acts, bei denen im Vorfeld aus Marketinggründen ein unglaubliches Brimborium veranstaltet wird, damit das Produkt einschlägt.
Natürlich sind dann auch bekannte Musikjournalisten „Marketinginstrumente“, die in möglichst positiven Vorabbesprechungen die Käuferschicht schon mal heiß machen sollen.
Die Branche ist klein und überschaubar, man kennt sich...
Jetzt sind sie ein bisschen beleidigt – jedenfalls klingt der Autor so – dass sie nicht mehr anständig vorab beliefert werden (jeder Musikjournalist verfügt über 1000de LPs/CDs, riesige Sammlungen, die er im wahrsten Sinne des Wortes geschenkt bekommen hat, seit mp3-Zeiten und des Kopierschutzes versiegt der Nachschub allerdings, das mag richtig sein), es reduziert ja auch ihre eigene Wichtigkeit..
Also lieber seriöser Musikjournalist, einfach abwarten bis das Werk allgemein veröffentlicht ist. Alles andere ist und bleibt nicht nur unseriös, sondern ist unverschämt.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren