BMW Das Unvermögen der Konzerne

In Großunternehmen werden immer wieder massiv Stellen abgebaut. Helfen soll jetzt der Mittelstand.

Jetzt ist es offiziell: BMW baut 8100 Stellen ab. Weit überwiegend in Deutschland (7500) und zu einem Großteil Zeitarbeitskräfte (5000). Überraschend kam die Meldung nicht, drang die Zahl doch schon kurz vor Weihnachten an die Öffentlichkeit.

Das macht den Vorgang nicht erfreulicher. Zumal bei BMW ein Nimbus zerstört wird - mehr als 40 Jahre lang wurde regelmäßig Personal aufgebaut. Und eine unschöne Regel bestätigt sich: In gewissen Abständen und wenn die Rendite nicht mehr den steigenden Erwartungen entspricht, bauen die großen Autokonzerne massiv Personal ab. Das war zuvor schon so bei Mercedes, bei Volkswagen, bei Opel. Keine Frage, auch diese Konzerne müssen wettbewerbsfähig bleiben, müssen Abläufe optimieren und Technologiesprünge bewältigen.

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Aber offenbar gelingt es den hoch mögenden Strategen in Vorstand und Personalabteilungen der Konzerne nicht, auf Dauer ihren Personalbedarf ohne große Brüche zu steuern. Sie schaffen es nicht für die "Opfer" ihrer Rationalisierungsanstrengungen rechtzeitig alternative Beschäftigung aufzubauen. Letztlich ein Armutszeugnis für diese hoch bezahlte Managerkaste. Und die Automobilindustrie steht nicht alleine, BP in Deutschland verschickt Kündigungen, Nokia verlagert sein Werk, Siemens will 6000 Leute in seiner verbliebenen Telefonsparte loswerden...

Regelmäßig müssen die Beschäftigten für das Missmanagement oder die Einfallslosigkeit ihrer Manager büßen. Und - anders als bei Vorständen - reichen die Abfindungen für die Betroffenen in der Regel eben nicht, um fortan ein komfortables Leben zu führen. Nur gut, dass es auch eine Gegenbewegung gibt in Deutschland.

Die mittelständischen Unternehmen, etwa der Maschinenbau, schufen zuletzt mehr Stellen als die Konzerne abbauten. Dort wird im Management nicht so viel verdient, dafür aber sind die Verantwortlichen oft näher dran an "ihren" Leuten. Wenn der BMW-Personalchef jetzt darauf verweist, dass die bei dem Automobilkonzern nicht mehr gebrauchten Zeitarbeiter ja anderswo Beschäftigung finden könnten, weil im Arbeitsmarkt "eine hohe Nachfrage nach Zeitarbeitskräften bestünde" , dann baut er auf eben diese kleinen und mittleren Unternehmen. Ein Verdienst der BMW-Manager ist das freilich nicht.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. ...

    Die Kultur der unterbezahlten Leih- oder Zeitarbeiter ist an sich schon verwerflich und eine Unsitte, die der Würde der Menschen nicht nachkommt. In Leipzig (obwohl hier nur wenige gehen) nährt sich BMW von einer Mischung aus Praktikanten, Zeitarbeitern und Subventionen und trotzdem reicht die Rendite (der Gesamtfirma) nicht. Ich kriegs Kotzen!!!

  2. Sie schaffen es nicht für die "Opfer" ihrer Rationalisierungsanstrengungen rechtzeitig alternative Beschäftigung aufzubauen. Letztlich ein Armutszeugnis für diese hoch bezahlte Managerkaste.Es ist auch überhaupt nicht die Aufgabe eines Unternehmens. Man unterschreibt ja auch 'nur' einen Arbeitsvertrag und nicht einen Versorgungsvertrag bis ans Lebensende. Aber was erwartet man schon von einem Artikel, der sich Phrasen wie "diese hoch bezahlte Managerkaste" bedient...

  3. Eine Bitte:Lesen Sie sich einmal den Folgenden Wikipediaeintrag durch bevor sie nochmal in dieses neoliberale Singsang fallen.http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativ

  4. Es ist einfach nicht mehr nachvollziehbar, wie das Kapital mit Menschen umgeht. Nur, und ausschließlich nur, steht diese vermaledeite Rendite im Vordergrund. Reichen den Quandts bei BWW z.B. nicht die Milliarden-Vermögen? Offenbar nicht. Wollen die das Geld fressen oder in den Sarg mitnehmen? Welchen oekonimischen Sinn macht das noch? Siemens, Henkel u.a. stehen auf dem gleichen Level. Was soll das? Muß man sich dann noch wundern, wenn solche Rattenfänger wie Lafontaine und Gysi politisch Erfolg haben. Ich denke ja, Zumwinkel und Co. sei Dank. Der Vorstand von Daimler hat sich übrigens auch mal wieder kräftig das Salär erhöht. Haben Zetsche & Co. das nötig? Und was machen die sogenannten Volksparteien wie CDU und SPD? Die verharken sich in lächerlichem Kleingeist. Immerhin scheint man jetzt zumindest erkannt zu haben, dass man so nicht weiterwursteln kann, trotz diesem unsäglichen Beck. Es gibt höchste Zeit, dass diese sogenannten Volksparteien wach werden und den tatsächlichen Wählerwillen respektieren und dagegensteuern. Ansonsten befürchte ich Weimarer Verhältnisse.

  5. Manager rechtfertigen ihre Überbezahlung mit erreichten Renditen.Es wird vergessen, dass es die Arbeitnehmer am Fliessband, an den Werkbänken, in den Büros sind, die diese Renditen erarbeiten. Für diese Arbeit, die sie erfolgreich machen, haben diese Menschen Arbeitsverträge, keine Versorgungsverträge - im Gegensatz zu Managern, die sich bei Fehlentscheidungen und Spekulationen keine Sorge um ihre Versorgung machen müssen. Die Arbeitnehmer, die die Rendite erarbeiten, werden ohne exorbitanten Abfindungen entlassen, die weitere ( sehr bescheidene ) Versorgung der Allgemeinheit aufgebürdet. Unternehmen haben nicht nur die Aufgabe, zugunsten weniger Manager und Aktionäre schnelle Rendite zu machen, Subventionen einzukassieren und nach Belieben Menschen der Existenz zu berauben, wenn die erwartete Rendite nicht als ausreichend erachet wird, wobei jegliches vernünftige Mass mittlerweile verloren gegangen ist.Sie haben auch  gesellschaftliche Verantwortung für menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Doch daran mangelt es vollständig. Diese Verantwortung wird völlig negiert mit dem Schlagwort "Globalisierung". Dabei ist der Begriff Globalisierung nur eine Umschreibung für hemmungslosen internationalen Kapitalismus.Der Satz der sogenannten Wirtschaftsliberalen, wonach es allen gut geht, wenn es den  Unternehmen gut geht, ist widerlegt. Mehr staatliche Kontrolle zugunsten sozialer Gerechtigkeit ist keine Gängelei sondern geboten.

  6. Wie auch bei der Steuerflucht - die Eliten haben sich von dem "Rest der Gesellschaft" abgekoppelt. Geld ja - Verantwortung nein.

  7. Manager tun das wofür sie bezahlt werden, nämlich eine möglichst hohe Rendite zu erzielen, das ist letzlich auch das was alle von Ihnen erwarten. Leider glauben wir im Deutschland eben immer noch, dass wir mit unseren Produkten Weltspitze sind und keine neuen brauchen. Wir sind (noch) Weltspitze in allen alten Technologien, aber auch dort verlieren wir zunehmend, da man sich aus ideologischenGründen (schlecht für die Umwelt, wenn das alle hätten) und monetären Gründen (wir haben kein Geld für Bildung, Forschung und Entwicklung, nur die Wirtschaft/das Produkt bringt das Geld) den neuen Technologien fast vollständig verschlossen hat.(Fast) alle Stellen, die jetzt wegfallen, liegen in Bereichen, die veraltet sind und mit hohen Subventionen künstlich am Leben gehalten wurden, das sollte zu denken geben!

  8. Was eigentlich ist dem BMW-Vorstand vorzuwerfen? Sein Interesse ist die Gewinnmaximierung, so funktioniert die Marktwirtschaft, anderenfalls droht die Pleite. Das ist nichts Neues und auch jeder, vielgelobte Mittelständler verhält sich nicht anders.Neu ist das Instrument, welches ihm mit dem Menschenhandel der Zeitarbeit fahrlässig überlassen wurde. Wo, so muß man allerdings fragen, waren die Betriebsräte, wo die Gewerkschaftsvertreter im Aufsichtsrat? Nie zuvor gab es einen derartig großen Anteil aus dem Zeitarbeitsstrich in den Betrieben.Der Tabubruch, den Menschenhandel aus der Schmuddelecke des Arbeitsmarktes zu holen, ihn mit seriösen Arbeitsplätzen gleichzusetzen, leitete Walter Rister ein. Walter Riester, der einst geachtete Gewerkschafter und kluge Tarifstratege. Gefangen in der Statistik, die zu korrigieren, zu fälschen war. Fälschung? Selbstverständlich. Beginnend mit der 2/3-Entlohnung, weiterführend mit der Rechtlosigkeit im Entleihbetrieb und der Unwürdigkeit des Menschenhandels an sich, entstanden Scheinarbeitsplätze.Scheinarbeitsplätze, deren Seriosität durch Tarifverträge ebenso scheinbar belegt werden sollten. Das ist nicht gelungen. Zu offenkundig die Differenz in der Entlohnung, zu offenkundig die Rechtlosigkeit. Zu dreist, das Auftreten vereinzelter Zuhälter auf dem Zeitarbeitsstrich. Dummdreist Firmen wie GEKO Zeitarbeit, Bochum, die das IG-Metall-Logo in ihren Briefköpfen und Anzeigen verwandten, bis es ihnen gerichtlich untersagt wurde. Dummdreist aber auch aber auch das Geschwätz der "Disponenten". Einem Geschwätz, dem der Zeitarbeits-Tagelöhner relativ hilflos ausgeliefert ist. Nicht umsonst beklagen sich Arbeitslose, die, ihrer Mitwirkungspflicht entsprechend, auch Bewerbungsgespräche mit dieser miesen Branche führen müssen, über die Unwürdigkeit dieser Prozedur - nicht mit einem Arbeitgeber verhandeln sie, sie haben den Eindruck mit einem Zuhälter zu verhandeln, einem Zuhälter der sie erpressen kann und diese Erpressung auch beim Namen benennt. Es drohen Kürzungen oder Streichungen, denunziert der Zeitarbeitsunternehmer den Arbeitslosen als "arbeitsunwillig".Arbeitsunwillig, wenn der hochqualifizierte Facharbeiter sich die Standartfrage verbittet, ob er überhaupt arbeiten will? Arbeitsunwillig, zeigt er sich nicht gerade begeistert über die Rechtlosigkeit im Entleihbetrieb? Arbeitsunwillig, muß er sich von einem Bonsai-Yuppie die "heutige Zeit" erklären lassen - "heutzutage", das Todschlagargument der staatsbürgerlichen Analphabeten, hat Konjunktur auf dem Zeitarbeitsstrich. Arbeitsunwillig, nennt er den Niedriglohn auf dem Zeitarbeitsstrich beim Wort? Und liegt wirklich "Arbeitsunwilligkeit" vor, empfindet man die Zumutung als unwürdig, zum Broterwerb einen Zuhälter zu benötigen?Mit diesen Clement-Betrieben wurde der Industrie ein Instrument gegeben, willkürlich lästige Formen innerbetrieblicher Demokratie, anständiger Entlohnung und Planbarkeit der Existenz zu hintergehen. Dem BMW-Vorstand Vorwürfe zu machen, daß er es nutzt greift zu kurz. Den Deal mit der Zeitarbeit hat der Gesetzgeber, haben die Gewerkschaften und auch Betriebsräte wie bei Opel, Bochum, dort wurden ganze Lehrjahre nach Ablegung der Prüfung an Adecco verscheuert, zu verantworten.Mit Recht also weist der BMW-Vorstand eine Verantwortung zurück und weist sie den Arbeitszuhältern zu. Und spätesten hier zerplatzt die Mogelpackung "Jobwunder Zeitarbeit" wie eine Seifenblase. Ein Teil der Zeitarbeits-Tagelöhner wird ´mit wesentlich schlechteren Arbeitsbedingungen an einem anderen Arbeitsplatz sich wiederfinden, zeigt er sich nicht gerade begeistert, dann erfolgt die Kündigung ("Arbeitsunwillig"). Die Kündigung ganz ohne Sozialplan, dem wiederum  der Abstieg zum HartzIV-Empfänger denn der Niedriglohn auf dem Zeitarbeitsstrich führt zwingend dazu.Gefragt also ist der Gesetzgeber. Gefragt sind die Gewerkschaften, die Betriebsräte. Hier liegt die Verantwortung. Den Menschenhandel also  wieder zurück in die Schmuddelecke, dort wo herkommt, wo er hin gehört. Keinem einzigen Arbeitnehmer wird ja verwehrt, sich dieser miesen Branche auszuliefern, einen Zwang aber darf es nicht geben.Burkard Schulte-Vogelheim

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