Matt Ruff hat den Gang eines Bären. Gemütlich schlurft er durch den Raum, seine Arme hängen bis zu den Kniekehlen. Die Augen leuchten, als würde dieser Bär vor einem Honigregal stehen. Er ist auf Lesetour in Deutschland, nun steht er im amerikanischen Generalkonsulat in Hamburg, an dem Pult, das sonst für Politiker und Pressesprecher bestimmt ist, und liest aus seinem neuen Buch. Das Publikum ist unterschiedlich. Wie Ruffs Bücher.

Sein Romandebüt Fool On The Hill war fantasievoll und behandelte das Leben auf einem ungewöhnlichen Universitätscampus voll mit Trollen, sprechenden Tieren und Motorradrächern. Multiple Persönlichkeiten thematisierte er in seinem dritten Roman Ich und die anderen — und gewann zahlreiche Preise. Bad Monkeys heißt sein neues Buch. Es spielt Lüge und Wahrheit gegeneinander aus. Die Mörderin Jane Charlotte wird in der psychiatrischen Abteilung eines Gefängnisses verhört. Sie erzählt die Geschichte einer Geheimorganisation, die schlechte Menschen auf der Basis einer Kosten-Nutzen-Rechnung aus dem Weg räumt.

Schnell taucht der Psychiater in ihre Welt ein, und aus den Diffusionen einer Verrückten wird eine Reise in die Untiefen menschlichen Rachebedürfnisses. Zwischen dem Streben nach Gerechtigkeit und Selbstjustiz sind viele Fragen offen.

Fünfjährig, vor immerhin 37 Jahren, beschloss Matt Ruff Schriftsteller zu werden. Sagt er zumindest. Trotzdem hat er erst vier Bücher veröffentlicht. Ein Gespräch über Faulheit, Musik und Ideen.

ZEIT online: Sind Sie in Europa erfolgreicher als in der Heimat?

Matt Ruff: Mittlerweile ist es ausgeglichen. Am Anfang war ich in Deutschland am erfolgreichsten. Ich und die anderen hat das jedoch verändert.

ZEIT online: Sie hören viel Musik, auf ihrer Website geben sie CDs an, die sie zum neuen Buch inspiriert haben — eine Art Soundtrack?

Ruff: Manchmal bin ich von einem bestimmten Song oder Album regelrecht besessen. Und wenn es thematisch zu dem passt, was ich gerade schreibe, komme ich wieder darauf zurück. Ein klassisches Beispiel zu Bad Monkeys ist ein Song namens The Low Spark Of High Heeled Boys , einem alten Stück von Traffic. Da geht es um eine Pistole, die kein Geräusch macht. Die habe ich zum Schreiben dann auch verwendet. Meine Website benutze ich gerne, um darzustellen, woran ich beim entwickeln der Handlung gedacht habe. Na ja, und Fans besuchen meinen Internet-Auftritt, und da sollte dann auch hin und wieder etwas Neues erscheinen!

ZEIT online: Nutzen Sie Musik, um beim Schreiben in eine bestimmte Stimmung zu kommen?