Energie Alle wollen Libyens ÖlSeite 2/2

Piebalgs' Optimismus hat auch mit dem libyschen Ressourcenreichtum zu tun. In Gadhafis Land, nur 400 Kilometer von der Mittelmeerküste Europas entfernt, liegen die größten nachgewiesenen Ölreserven Afrikas. Libysche Funktionäre verbreiten gar die Hoffnung auf noch größere Entdeckungen: "Mindestens zwei Drittel unseres Öls sind noch gar nicht gefunden", vermutet etwa Ahmed Ghaber, Planungssekretär der staatlichen Ölfirma NOC. Bislang fördert das Land 95 Prozent seines Erdöls aus dem Sirte-Becken 500 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Tripolis. Andere vielversprechende Regionen im Hinterland oder vor der Küste werden gerade erforscht.

Wenn diese Felder erschlossen werden, wollen die großen Ölkonzerne der Welt dabei sein. Keiner blieb der jüngsten Bieterrunde im Oktober 2007 fern. Auch Russen befinden sich unter den Investoren. Gazprom etwa sicherte sich im vergangenen Dezember ein Stück Land im Gadames-Becken, nahe der algerischen Grenze. Mindestens 20 Millionen Tonnen Öl sollen dort zu finden sein, glaubt das russische Unternehmen, daneben Erdgas. Um diese Schätze fördern zu dürfen, akzeptiert Gazprom noch schlechtere Konditionen als BP: Der libysche Staat wird ganze 90 Prozent der zu Tage gebrachten Mengen behalten. "Hinzu sollte man vor dem Hintergrund der grassierenden Korruption noch weitere Zahlungen rechnen", sagt Isabelle Werenfels, Maghreb-Spezialistin der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.

US-Konzerne drängen nach 20 Jahren der Abwesenheit ebenfalls zurück auf die Ölfelder des einstigen Erzfeindes. Für die USA ist Libyen gegenwärtig der am schnellsten wachsende Exportmarkt. NOC-Sekretär Ghaber heißt auch sie willkommen. Die Hauptsache sei doch, dass sie gut zahlten, sagt er, schließlich gehe es in erster Linie ums Geschäft: "In the end, it's just business."

So viel Offenheit hat ihren Grund: Gadhafis Regime braucht die Einnahmen aus dem Ölgeschäft. 60 Prozent der Staatserlöse hängen am Erdöl und -gas. Alleine das Erdöl bringt dem Wüstenstaat derzeit rund 46 Milliarden Euro im Jahr ein, mehr als vier Mal so viel wie noch vor vier Jahren. Doch die geförderten Mengen liegen immer noch unter jenen der siebziger Jahre. Nach langen Jahren der Isolation sind Anlagen und Infrastruktur marode, zudem fehlt es an Know-how.

Ohne die ausländischen Investoren könnte Libyen seine Schätze kaum zutage bringen. Die Multis, angetrieben von der Hoffnung auf hohe Profite, helfen liebend gern.

 
Leser-Kommentare
  1. Angesichts der wiederholten Drohungen und Erpressungen Putins wird es höchste Zeit, dass wir unsnach anderen, sicheren Öllieferanten umsehen.  Im Gegensatz zu den USA, die immerhin die Hälfte ihres Bedarfs aus Eigenproduktion decken können, geht die geringe europäische Produktion dem Ende entgegen.  Dennoch importieren die USA zusätzlich Öl aus achtzehn Ländern, während wir viel zu sehr von einem einzigen Lieferanten abhängig sind.   Gerhard Schröder hat sich seine Pipeline-Direktorstelle offenbar ehrlich verdient.

  2. Es wird langsam Zeit, dass Europa eine gemeinsame Energiepolitk in Angriff nimmt. Wasserkraft aus dem Norden, Solar im Süden, Wind an den Küsten. Stattdessen wird versucht die Abhängigkeit vom Öl durch Verträge mit anderen Ländern und neuen Probebohrungen zu verlängeren. Welch ein Irrsinn, wenn man bedenkt, welche technischen Möglichkeiten jetzt schon vorhanden sind, diese aber aufgrund effektiver Lobbyarbeit irgendwo in den Aktenschränken verschwinden. Irrsinn! 

    • Afa81
    • 21.04.2011 um 14:07 Uhr

    "Zudem wird der Konzern fast 80 Prozent seiner künftigen Produktionserlöse an die staatliche libysche Ölgesellschaft NOC abtreten müssen. Sie kontrolliert das Geschäft mit den fossilen Ressourcen des Landes. Überhaupt darf keine ausländische Firma in Libyen ohne einheimisches Partnerunternehmen aktiv werden."

    Was sagt man dazu... man kann auch noch von Libyen etwas lernen.

    Wohin das Geld dann nach der NOC fließt wäre aber auch noch interessant.

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