Literatur Publizistenkrieg vor dem Ende?

Erleichterung, nicht nur bei der Edition Nautilus und bei Andrea Maria Schenkel: Die Plagiatsklage gegen "Tannöd" ist chancenlos.

"Keine Chance auf Erfolg" - mit diesen deutlichen Worten hat das Landgericht München am Mittwoch wohl das Ende der berühmt-berüchtigten Plagiatsklage des Sachbuchautors Peter Leuschner gegen Andrea Maria Schenkel und ihrem Kriminalroman Tannöd eingeleitet. Ein Urteil mit detaillierter Begründung wird zwar erst Mitte Mai ergehen, doch das Ergebnis der bisherigen einstündigen Verhandlung lässt kaum Zweifel über die endgültige Richtung des Verfahrens.

Von Beginn an trug diese Plagiatsklage alle Elemente des Bayrischen Volksstücks. Da gab es zum einen die schaurige Mordgeschichte: 1922 war auf dem Einödhof Hinterkaifeck eine ganze Bauernfamilie, Großeltern, Tochter und kleine Kinder, erschlagen worden. Der Fall ist bis heute unaufgeklärt und hat seit den 20er Jahren immer wieder die Emotionen hochkochen lassen. Mal war ein neues Indiz aufgetaucht, aus dem sich eine neue Verdächtigung ergab, mal erschien, meist zu einem Jahrestag, ein dramatischer Tatsachenbericht, ein Film, ein Theaterstück, ein Sachbuch.

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Zur literarischen Sensation wurde der Mordfall durch den Roman Tannöd , der 2006 bei der Hamburger Edition Nautilus von der damals völlig unbekannten Autorin Andrea Maria Schenkel veröffentlicht worden war. Der berauschende Erfolg der Hausfrau und Mutter, die zuvor nicht eine Zeile veröffentlicht hatte, ließ die Herzen aller erfolglos Schreibenden höher schlagen.

Nach einem Jahr war Tannöd in aller Munde. Der Kriminalroman wurde von der Kritik gelobt und mit dem Deutschen Krimipreis prämiert, erhielt den Glauserpreis; die Hörspielfassung wurde ebenfalls ausgezeichnet, und last but not least : Seit Anfang 2007 stehen Tannöd und inzwischen auch Kalteis , Schenkels zweiter Kriminalroman, Monat für Monat auf den Bestsellerlisten.

Die Rolle des Enterbten übernahm der Journalist und Sachbuchautor Peter Leuschner, der seit 1982 mehrfach über den historischen Mordfall Hinterkaifeck geschrieben und 1987 sowie 1997 ein bis 2006 wenig beachtetes Sachbuch zum Thema veröffentlicht hatte. Ihm stieß nun auf, dass Schenkel das Mordgeschehen in Tannöd aufgegriffen hatte.

Die Ähnlichkeit einiger Tatsachenschilderungen zwischen seinem Sachbuch und dem Schenkelschen Roman - und vermutlich weit mehr der Erfolg der Konkurrentin - weckten in ihm den Plagiatsverdacht. In einer mehrmonatigen publizistischen Kampagne verbreitete Leuschner diesen in "Entwürfen von Klageschriften". Die Medien von Bild bis ZEIT griffen die Vorwürfe auf und erörterten. Schenkels Bekanntheit wuchs, die Peter Leuschners auch. Erst Ende August 2007, nachdem wirklich alle Welt Bescheid wusste, reichten Leuschners Anwälte eine Klageschrift beim Landgericht München ein.

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