Was immer aus den Wahlergebnissen in Hamburg und Hessen und damit aus der deutschen Parteienlandschaft wird: Europas politische Klasse blickt heute mit wachsender Spannung auf Madrid. Dort begann am Montag die Schlussphase des Wahlkampfs mit dem ersten Fernsehduell der Spitzenkandidaten der beiden großen Volksparteien. Fazit: José Luis Rodríguez Zapatero, der jugendliche Hoffnungsträger der europäischen Sozialdemokratie, schwächelt – die spanische Wende ist möglich.

Bisher rechnete man vor allem im Ausland noch damit, dass Zapatero am 9. März von den Wählern im Amt des „Präsidenten der Regierung“ bestätigt wird. Das Urteil der Politprofis im Lande selbst ist inzwischen aber vorsichtiger. Vor allem seit Montagnacht. Zapateros Herausforderer Mariano Rajoy, Vorsitzender der konservativen Volkspartei Partido Popular (PP), hat sich in der Debatte besser als erwartet geschlagen. Die eigenen Anhänger sind erleichtert, zum Teil reagierten sie geradezu enthusiastisch, zumal in der Woche zuvor Rajoys Wirtschaftsexperte, ein ehemaliger Staatsbeamter und dann zum Millionär gewordener Manager, im TV-Duell mit Zapateros weithin respektierten Wirtschaftsminister, dem parteilosen Ex-EU-Komissar Solbes, klar untergegangen war.

Der Umstand, dass Rajoy nun in dem auf mehreren Sendern live übertragenen Duell nicht gleichfalls versunken ist, hat viele Beobachter überrascht, nicht zuletzt journalistische Kommentatoren. Prompt erklärten sie, beflügelt von ihrer Verblüffung, Rajoy zum Sieger der Debatte. Der „Merkel-Effekt“: Nach dem TV-Duell zwischen Schröder und Merkel im Wahlkampf 2005 hatte nicht nur ihr journalistischer Fanklub die CDU-Vorsitzende aus Erleichterung darüber, dass sie die Konfrontation heil überstanden hatte, zur Gewinnerin erklärt. Auch neutrale Beobachter neigten zu Merkel. Umfragen sollten alsbald zeigen, dass die Zuschauer es anders gesehen hatten.

So auch jetzt in Spanien: Blitzumfragen nach der Sendung ergaben, dass eine Mehrheit des Millionenpublikums Zapatero für den Sieger hielt. Der Regierungschef wirkte in der Tat nüchterner, gelassener, kompetenter. Fraglich ist aber, ob das reicht in einem Wahlkampf, der zurzeit geprägt ist von spürbarer Mobilisierung der konservativen Stammwählerschaft und von einer gewissen Lethargie und latenten Politikmüdigkeit des sozialistischen Anhangs.

Das TV-Duell vom vergangenen Montag war erst die dritte direkte Konfrontation dieser Art in der spanischen Geschichte. Der sozialistische Regierungschef Felipe Gonzáles hatte sich seinem Herausforderer José María Aznar zweimal gestellt. Dieser allerdings verweigerte als Ministerpräsident dann im Wahljahr 2000 seinem Herausforderer Joaquín Almunia (heute EU-Kommissar) die Chance des Direktvergleichs. 2004 lehnte die PP ein „Duell“ zwischen ihrem Kandidaten, dem chancenreichen Innenminister Mariano Rajoy, und dem Oppositionsführer Zapatero ab; in der Schlussphase des Wahlkampfs jedoch sollte dann der Al-Quaida-Anschlag von Madrid am 11. März alle Strategien durcheinanderbringen.

Kurioserweise hatte die Volkspartei sich auch diesmal lange dagegen gespreizt und die Einigung über die Spielregeln mit immer neuen Forderungen erschwert. Die Aggressivität, die ihr Kandidat im Fernsehauftritt dann doch produzierte, hatten sie ihm gar nicht zugetraut. Jetzt sind die PP-Funktionäre froh, dass sie die vom Regierungschef freiwillig angebotene Bühne schließlich doch akzeptiert hatten.