Es ist eher ungewöhnlich, dass sich ein Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften als Detektiv und journalistischer Spürhund betätigt und auch noch die eigene Regierung auf die Freigabe von Informationen verklagt. Joseph Stiglitz , als Vorsitzender des US-Wirtschaftsrats Mitglied des Kabinetts von US-Präsident Bill Clinton (1995-1997), Chefökonom der Weltbank (1997-2000), heute Professor an der New Yorker Columbia-Universität und Bestsellerautor ( Die Schatten der Globalisierung ), hat es getan. Gemeinsam mit der Harvard-Politikwissenschaftlerin Linda Bilmes hat er versucht, die "wahren Kosten" des vor bald fünf Jahren begonnenen Irakkriegs zu ermitteln.

Dabei ist die Summe von drei Billionen US-Dollar herausgekommen – von den Kosten für den Irak selbst ganz zu schweigen. Das ist ein Vielfaches dessen, was die Regierung von Georg W. Bush je zugegeben hat. "Quatsch" ("Baloney"), urteilte der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, als der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Lawrence Lindsey, im Herbst 2002 davon sprach, der Krieg könnte 100 bis 200 Milliarden US-Dollar kosten. Allenfalls 50 bis 60 Milliarden wollte die US-Regierung, die bald darauf noch Steuersenkungen für Wohlhabende verabschiedete, damals veranschlagen, und Lindsey verlor seinen Posten. "We’re at war. Let’s party", brachte der den Demokraten nahe stehende Unternehmer Joel Hyatt das inoffizielle Motto der Bush-Administration auf den Punkt: Wir führen Krieg. Hauen wir auf den Putz.

"Es war ein komplexes Unternehmen", sagt Stiglitz bei der Vorab-Vorstellung seines Buchs in der "London School of Economics" (LSE) – es erscheint kommende Woche in den USA, und Stiglitz will seine Ergebnisse in den nächsten Tagen vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss von US-Senat und Repräsentantenhaus erläutern. "Es fängt schon damit an herauszubekommen, wie viele Amerikaner bislang tatsächlich im Krieg verwundet worden sind." Das Pentagon benutze Definitionen der Wirkung von "feindlichen Handlungen" ("hostile action"), die die Zahlen drückten: Würde in einem US-Militärkonvoi das erste Fahrzeug durch eine Sprengbombe in die Luft gehen und das folgende auffahren, würden die Opfer im zweiten Wagen nicht gezählt. Sie seien dann laut Statistik lediglich in einen Unfall verwickelt. Präsentiert sein neues Buch: Joseph Stiglitz

Einer ganzen Reihe skandalöser Zustände seien ihnen im Laufe der Recherchen begegnet, sagt Stiglitz, angefangen mit ganz banalen Dingen. Zum Beispiel: Da die Budgetbewilligung für den Krieg bislang durch 25 einzelne Notstandsgesetze erfolgt ist, hat bis heute noch niemand die Kriegskosten richtig zusammengerechnet. Für schusssichere Westen ist beim US-Militär oft kein Geld da. Soldaten oder ihre Familien kaufen sie sich selbst. Das angeblich kostensparende Zurückgreifen auf Sicherheitsfirmen und ihre "Privatsoldaten" hat den Krieg stark verteuert. Ein Sergeant der US-Armee verdient 40.000 US-Dollar, ein "private contractor" mit 400.000 US-Dollar das Zehnfache. Deshalb mussten die US-Streitkräfte ihren Soldaten immer höhere Prämien bei Neuverpflichtungen versprechen, und am Ende komme für alles doch der US-Steuerzahler auf.