Spanien Rauchende Party

Jedes Jahr im März ist Valencia im Ausnahmezustand – zwischen Pappmachéfiguren wird rund um die Uhr gefeiert und getanzt. Bis ein Feuer dem Ganzen ein Ende macht

Ein Mädchen hält sich mit beiden Händen am Ellbogen einer jungen Frau fest - beide weinen königliche Tränen. Sie strahlen Würde aus, wirken wie einem Gemälde von Diego Velázquez, dem barocken Maler am Hof des spanischen Königs Philipp IV., entsprungen. Marta und Inmaculada, die große und die kleine Festkönigin, verfolgen vom Balkon des Rathauses die Cremá, das Festival der Flammen, das den Schlussakkord des Stadtfestes Las Fallas in Valencia bildet.

Marta und Inmaculada wurden aus einer Vielzahl von Kandidatinnen von den am Fest beteiligten Valencianern, den Falleros, zu den Königinnen der Fallas auserkoren. Die beiden Auserwählten haben einen zweimonatigen Terminmarathon hinter sich. „ Fallera mayor zu sein, ist ein Vollzeitjob“, sagt Marta, „seit ein paar Wochen dreht sich alles um das Fest.“ Auch Inmaculada konnte wegen zahlreicher repräsentativen Aufgaben drei Monate lang nicht zur Schule gehen. Nicht nur, dass der Bürgermeister die beiden Siegerinnen stolz in der ganzen Stadt vorführte. Sie mussten auch zahlreiche Foto- und Pressetermine absolvieren. Schon das Anziehen des imposanten Kleides dauert jedes Mal rund zwei Stunden. Marta hat zehn der traditionellen Valencianer Trachten zu Hause. In Kombination mit der silbernen Halskette und den mit Perlen und Korallen verzierten Silberohrringen ist die schöne Festkönigin auch eine Huldigung an die ruhmreiche Vergangenheit der Hafenstadt, die einst zu den reichsten Städten Europas gehörte.

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In Valencia bleibt alljährlich zwischen dem 15. und 20. März die Zeit stehen. Dann dreht sich fast alles nur noch um die Fallas. Die bis zu 20 Meter hohen karikaturistischen Pappmascheefiguren sind das Wahrzeichen des Festes, auf sie geht auch der Name des Festes zurück. Die thematischen Kunstwerke erinnern an Ausschnitte aus einem dreidimensionalen Comicbild. Sie werden von den Fallas-Künstlern – einer Valencianer Zunft – aus Pappkarton, Gips und Wachs hergestellt. Damit sich das ganze Werk dem Betrachter erschließt, muss die Falla einmal umkreist und von oben nach unten begutachtet werden.

Das Stadtfest wird von zahlreichen Corridas, Musik-Konzerten und Gourmet-Festivals begleitet. Jede Nacht um Mitternacht erleuchten Feuerwerke den Himmel über Valencia. An ein normales Leben ist in diesen Tagen in der Hafenstadt nicht zu denken – Valencia ist fest in der Hand der mehr als 150.000 Falleros, die, in Vereinen organisiert, ihre Fallera mayor wählen und Künstler mit dem Bau einer Falla beauftragen. Mehr als 370 Fallas und noch mal die gleiche Anzahl an Ninots (Puppen) sowie Fallas infantiles (Kinderfiguren) werden in der ganzen Stadt aufgestellt. Immer widmen sich die Fallas einem bestimmten Thema, das sie aufs Korn nehmen, Politikerfiguren, Popstars, Märchenfiguren oder Literaturhelden stellen Korruption oder Nikotinsucht dar.

Alle Werke werden von einer Jury bewertet. Der Preis für die beste Falla ist heiß begehrt, immerhin bekommt der Gewinner 600.000 Euro und obendrein eine Menge Ansehen. Nicht immer kommen die Favoriten aufs Treppchen: Salvador Dalís Entwürfe sind einst gescheitert.

Die Stadtbewohner und angereisten Touristen feiern rund um die Uhr. Vivir sin dormir , Leben ohne zu schlafen, wird als Parole ausgegeben. Bereits in den Morgenstunden ziehen Blaskapellen durch die Viertel. Hinter ihnen laufen Dutzende Kinder und holen mit Knallern die gerade erst eingeschlafenen Menschen auf die Straßen zurück. Spätestens dann merken die Zugereisten, dass die Fallas auch im Zeichen der Pyrotechnik stehen. Die in Knallkörper vernarrten Stadtbewohner haben sogar ein neues Wort für ihre eigene Symphonie aus rhythmischen Explosionen und Donnerschlägen kreiert: la mascletá .

Leser-Kommentare
  1. VIVA LA FIESTA!! Toller Artikel. Der Autor läßt einen geradezu eintauchen in die spanische Lebensart. Man möchte einfach mitfeiern. Mein Fernweh wurde geweckt. Werde versuchen das Fest zu besuchen- und wenn es dieses Jahr nicht klappen sollte dann auf jedenfall im nächsten Jahr! Vielen Dank für die Insperation.

  2. ...eigentlich wollte ich dieses Fest längst besuchen, doch leider hat die Zeit es wieder einmal nicht zugelassen. Der Artikel hat mir noch einmal deutlich gemacht, welche spanische Lebensfreude ich erneut verpasst habe.
    Als ich die Zeilen gelesen habe, kam es mir dank der tollen Impressionen so vor, als ob ich doch ein Stück weit an der Fiesta teilgenommen habe...Vielen Dank, dass der Autor mich auf diesem Weg nach Valencia "mitgenommen" hat...

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