Kunst Trauma in ÖlSeite 2/2

Im vergangenen Jahr schließlich malt er das monumentale, dreiteilige Werk Procession (2007), auf dem hübsche junge Frauen mit Hämmern und Sicheln und rotem Stern entlangziehen, dargestellt wie in einer Skulptur, die in Hanoi, Beijing oder Pjöngjang stehen könnte. Diese sozialistische Symbolik ist bei Xuan Huy Nguyen aber gebrochen. Zum roten Stern gesellen sich blaues Tuch und blauer Schirm. Die Körper der Frauen sind ineinander verkeilt und eigenartig verwachsen. Aus der Schulter ragt eine dritte Hand, manchmal zieht nur ein Torso mit.

Die Ohnmacht der Familien über das Schicksal der behinderten Kinder hat der vietnamesische Künstler auf seine Leinwände gebracht und zeigt sie derzeit in der Galerie Rothamel in Erfurt. „Am Schicksal der Betroffenen“, sagt Xuan Huy Nguyen, „zeigt sich das bedrückende Gefühl des Ausgeliefertseins des Menschen. Das will ich darstellen.“ Der Krieg ist eine Form dieses Ausgeliefertseins. Kaum ein Vietnamese interessierte sich dafür, doch viele sind betroffen. An das giftige Dioxin, mit dem auch 40 Jahre nach dem Einsatz noch ganze Landstriche im Süden Vietnams verseucht sind, will der Maler mit seinen Bildern nicht als ein historisches Ereignis erinnern, sagt er. „Agent Orange ist ein Symbol, das zum Nachdenken über das Leben überhaupt anregt.“ Politische Kunst seien seine Werke nicht. Anklagen ist Xuan Huy Nguyens Sache nicht.

Das Trauma eines ganzen Volkes, das auch sein eigenes ist, hat Xuan Huy Nguyen in Öl gemalt. Als seine Frau schwanger wurde, war sie da, die Angst, dass das eigene Kind behindert zur Welt kommt. Zwar ist der sechs Monate alte Tony gesund, doch die Albträume holen seinen Vater immer noch ein, „dass ich ein Kind bekomme, das auch ein Opfer von Agent Orange ist“.

Ausstellung mit Werken von Xuan Huy Nguyen in der Galerie Rothamel in Erfurt. Zu sehen bis zum 8. März. Link: www.rothamel.de

 
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