Beppe Grillo Die Stimme der WütendenSeite 3/3

Trotz der übersteigerten Verbalattacken, die das Publikum erfreuen, sollte nicht vergessen werden, dass es Grillo ernst meint, etwa mit seiner wichtigsten Forderung, dass verurteilten Politikern der erneute Zugang zum Parlament verwehrt wird. Gegenwärtig sitzen dort 24 letztinstanzlich Verurteilte, Betrüger, Mafiosi und Lügner. Dazu kommen noch eine ganze Reihe Abgeordnete, deren Verbrechen verjährt sind. "Alles in allem rund 100 Gauner", schimpft Grillo. Über eine Million Stimmen hat er inzwischen für eine Petition gesammelt, geändert hat sich an diesem Zustand jedoch bisher nichts.

Dabei wandelt der Komiker stets auf einem schmalen Grat. Einerseits verstärkt er viele Italiener in ihrer antipolitischen Haltung und fördert so die Verachtung für die politische Klasse, ohne eine echte Alternative aufzuzeigen. In dieses Bild passen auch jüngste Umfrageergebnisse, nach denen ein Drittel der Italiener ihren Staat mittlerweile so sehr verabscheut, dass ihnen sogar ein autoritäres Regime lieber wäre. Grillo macht es für die Politik nicht leichter, wieder auf die Füße zu kommen.

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Andererseits jedoch ist seine Bewegung schon jetzt nicht nur Sammelbecken der Enttäuschten und Wütenden. Es ist auch die Basis für echtes gesellschaftliches Engagement, für Volksbegehren, Erfahrungsaustausch, lokalpolitische Initiativen und Projekte. Mit ihrer gemeinsam empfundenen Scham und Wut über die Führung ihres Landes haben die Grillo-Anhänger die einmalige Chance, in Italien etwas wirklich Neues aufzubauen: im Idealfall bürgerschaftliches Engagement jenseits des Parteiensystems.

Vielleicht war dies auch an diesem Abend in Köln zu spüren. Noch 40 Minuten nach der Veranstaltung jedenfalls wird Beppe Grillo wie ein Popstar von 100 Zuschauern umringt und bestürmt. Es sind vor allem seine italienischen Landsleute, die von ihm restlos begeistert sind. Für sie ist er die Stimme ihrer Wut. Die deutschen Gäste strömen unterdessen gemächlich aus dem Saal. Sie hatten einen unterhaltsamen Abend. "Lustig war es ja schon", sagt einer nachdenklich, "aber auch ein bisschen traurig."

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 04.03.2008 um 16:03 Uhr

    ihm möglichst rasch und vorbildlich unbürokratisch die deutsche staatsbürgerschaft geben.

  1. und wer aktiviert die Deutschen?
    Schließlich sind die Unterschiede zwischen Italien und Deutschland mittlerweile nicht mehr sooo gravierend, vor allem was den Abstand der Herrschenden zum Volk angeht.

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