Hedge-Fonds Exodus am AlexanderplatzSeite 2/2
Jetzt schon leidet die Qualität der
Berliner Zeitung
. Fast im Monatsrhythmus verlassen derzeit Mitarbeiter das Redaktionsgebäude am Alexanderplatz. Erst ging der Chef der Meinungsseite, nun verlässt auch der leitende Redakteur Ewald B. Schulte die Redaktion. Viele der frei gewordenen Arbeitsplätze wurden nicht mehr neu besetzt. Vor rund zwei Wochen kam es zum Eklat, weil insgesamt vier Stellen mit dem Verweis auf Sparzwänge nicht neu ausgeschrieben werden sollten. Die Redaktion sprach ihrem Chefredakteur kurz darauf das Misstrauen aus und forderte in einem Brief seinen Rücktritt. Depenbrock antwortete, die Redakteure sollten lieber eine gute Zeitung machen, auf ihr Vertrauen könne er verzichten.
Die Leser aber offenkundig nicht auf guten Journalismus. Auch im vierten Quartal ging die Auflage der Zeitung um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Damit setzten sich die jahrelangen Auflagenverluste fort.
Der Widerstand in der Redaktion wächst. Bald will der Redaktionsausschuss die Trennung von Geschäftsführung und Chefredaktion mit einer Klage vor dem Arbeitsgericht durchsetzen. Chefredakteur Depenbrock zeigt sich bislang davon ungerührt. Offene Konfrontation gegen ihn bringe nichts. Auch was andere über ihn schrieben, ändere nichts an seinen Entscheidungen. Auch im Management scheint er Tabula Rasa zu machen: So entließ Depenbrock Holger Zöllner, der seit 2002 beim Berliner Kurier als geschäftsführender Redakteur arbeitete. Gerüchteweise soll bald auch der Personalchef des Verlags seinen Hut nehmen.
Ob die Strategie von Montgomery aufgehen wird, ist derweil mehr als fraglich. Bislang ist es ihm nicht gelungen, wie beabsichtigt einen Zeitungskonzern zu schmieden. Zwar kaufte er neben dem Berliner Verlag auch die
Netzeitung
und die
Hamburger Morgenpost
, bei der
Financial Times Deutschland
blitzte er aber offenbar genauso ab wie beim Bieterrennen um die
Süddeutsche Zeitung
. Auch für seine Gruppe Mecom stehen die Aktien derzeit nicht günstig: Die Papiere der Investorengruppe brachen Anfang des Jahres zeitweise um die Hälfte ein.
- Datum 29.02.2008 - 12:47 Uhr
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Es mag ein ganz subjektives Empfinden sein, aber wenn ich Qualitätsjournalismus lesen will, dann werfe ich einen Blick in die Asia Times oder den Herald Tribune. Deutsche Zeitungen bestehen doch zum größten Teil nur noch aus Für und Wider irgendwelcher provinzieller Beindlichkeiten sowie irgendwelcher Nazi-Klamotten in der Endlosschleife. Große Weltpolitik abseits vom bösen George und dem noch böseren Wladimir liest man kaum. Stattdessen darf der Herr Professor aus Princeton seine Allgemeinplätze in schöner Regelmäßigkeit vor einem gelangweilten und hasserfüllten Publikum ausbreiten. Chapeau!Ich glaube wenige werden dem deutschen Qualitätsjournalismus eine Träne hinterher weinen, denn dafür ist es schon mehr als ein Jahrzehnt zu spät.
Eine Erfahrung aus der Schweiz. Als ehemaliger Leser der Weltwoche konnte ich miterleben wie zuerst der Eigentümer wechselte, dann der Redakteur, dann die Journalisten... aber natürlich, allen voran wurde zuerst das Konzept gewechselt. Das hat sich dann in immer mehr Marktschreierischen und undurchsichtigen Artikeln geäussert. Die Politische Richtung hat sich Inhaltlich von eher balanciert zu einem bürgerlich-neoliberalen Blatt gewandelt. Ein guter Freund für die Anliegen der Wirtschaft und einer spezifischen Partei. Das Abo habe ich auslaufen lassen... trotzdem kam das Blatt danach noch lange Gratis in den Briefkasten... leesbarer wurde es dadurch nicht. Schade drum
Die Berliner Zeitung wird wahrscheinlich eine Art "Bild" werden. Das liegt im Trend und entspricht dem heutigen Niveau der Mehrheit deutscher Zeitungsleser und der allgemeinen moralischen und kulturellen Dekadenz. Aber damit wird eben viel Geld verdient. Qualitaetsjournalismus wird es trotzdem auch in Zukunft geben, nur vielleicht nicht mehr im dem bekannten Umfang.
Der qualitative Niedergang und die ideologische Einäugigkeit des deutschen Mainstreamjournalismus zieht quer durch fast alle Blätter. Die Entwicklung von SPIEGEL und auch ZEIT illustrieren, dass keine britischen Heuschrecke nötig ist, um aus ehemaligen Leuchttürmen des Qualitätsjournalismus neoliberale Gesinnungsblätter zu machen.Wer sich halbwegs unvoreingenommen über die Welt informieren will, kommt nicht am Internet und außereuropäischen Medien vorbei.
Was machen eigentlich auf diesen Seiten die Versicherungs-Links in der Subnavigation?
Seit reichlich vierzig Jahren lese ich nun die ZEIT.Donnerstag ,nein oft Mittwoch-Abend, ist die Lektüre-ZEIT.Bin ich zu doof, den Verfall des Journalismus zu bemerken? Ich lese jede Woche in dieser Zeitung anregende Artikel, die ich so in keiner anderen Zeitung lese- mein Zeitungskonsum bezieht sich auf drei Tageszeitungen, nicht jeden Tag, aber regelmässig.Ich würde mich für die Argumente interessieren, die hier vorgebracht werden,wenn es nicht nur Überheblichkeit aus sicherem Hinterhalt ist ?Wenn ich die Artikel in der Zeit zu Fragen der Ethik der Wirtschaft lese, erschliesst sich mir nicht, was daran neoliberale Gesinnung sein soll ?
ist längst erreicht, seit Berlin als Bundeshauptstadt erlebe ich eine widerliche Kumpanei, man ist sich einig in Presse und Regierung, Recherche findet, wenn überhaupt in München statt - alle anderen scheinen dicke Kumpels zu sein, die Regierung denkt sich irgendwelchen Rotz (Gesundheitsreform, Lauschangriff, FestplattenTrojanerei) aus, die Hammelherde von Journalisten blökt es in die Welt - Glückwunsch meine Damen und Herren. Da braucht es schon mal handfester Verbrecher, die Ihr Wissen teuer an den BND verkaufen um Wahrheiten zu kommunizieren - wissen Journalisten eigentlich was ein Abonement eines Tageszeitung kostet - richtig, Ihr wisst es, deshalb deshalb schreibt Ihr bestenfalls für Euch selbst - mit dem kleinen Guckfenster in die Öffentlicheit Sonntags 12 Uhr in der ARD. Es braucht viel Zähigkeit und Zielstrebigkeit Journalist zu sein - gelehrt wird das offensichtlich nicht mehr.
Nicht zuerst wohlwollender Begleiter dieser Gesellschaft sollt Ihr sein - sondern Korrektiv! Sonst machen die Regierenden, was wir jetzt erleben, nämlich was sie wollen.
... und Freunde von der Berliner Zeitung - es ist zum in die Kissen schluchzen - da will doch glatt jemand Rendite erwirtschaften mit Eurer SED Zeitung ... mir kommen die Tränen.
Ebensoweinig wie Richter, Ärzte und Politiker (sic) Glaubwürdigkeit schlicht dadurch verdienen, dass sie einer bestimmten Berufsgruppe angehören; und das aus einem ganz einfachen Grund: Es sind Menschen, und Menschen sind nun mal sehr unterschiedlich.Seit jener denkwürdigen Ereignisse am Pfingsttage sind meines Wissens auch nie wieder himmlische Mächte erschienen, um irgendjemanden für seinen Beruf mental auszurüsten. Glaubwürdigkeit fällt eben nicht vom Himmel, sondern muss Tag für Tag neu erworben und erhalten werden. Dazu gehört m.E. auch, das man nicht nur den eigenen Stall sauber hält, sondern auch stets darauf achtet was anderen Ortes an Dreck entsteht. Aber dafür sind Sie ja Journalisten, nicht wahr?
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