Bundeswehr Lebensgefährliche Mangelwirtschaft
Die Beschwerdeliste des Wehrbeauftragten ist lang in diesem Jahr: Die Bundeswehr leidet unter mieser Ausrüstung, Bürokratie und Übergewicht
Wenn ein Land seine Soldaten unter dermaßen großen moralischen Mühen in Kriege schickt wie Deutschland, dann – so sollte man meinen – gibt es ihnen wenigstens anständige Ausrüstung mit. Schließlich geht es um ihre Sicherheit. Weit gefehlt. Der gerade vorgelegte Bericht des Wehrbeauftragten des Bundestags ist nun schon der zweite, der eklatante Mängel bei der Ausrüstung der Bundeswehr beklagt.
Erst vor wenigen Wochen hatten sieben ehemalige Generale das Papier "Auslandseinsätze der Bundeswehr" vorgelegt und darin gefährliche Defizite bei der Ausrüstung, aber auch in der Planung und Koordinierung der Einsätze aufgezeigt. Der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe zieht nun ein ähnliches Fazit. Die von ihm gesammelten Beschwerden reichen von unpraktikablen Pistolenholstern über fehlende Nachtsichtbrillen bis hin zu nicht einsatzfähigen Transporthubschraubern.
Die Bundeswehr besitzt insgesamt 87 Hubschrauber des Typs CH-53. Davon sind jedoch nur 20 in der Lage, dank spezieller Staubschutzausrüstung und verstärkter Panzerung auch in Afghanistan zu fliegen. Sechs von ihnen sind auch tatsächlich dort im Einsatz, der Rest allerdings muss entweder in Deutschland gewartet werden – was ein halbes Jahr dauert – oder wird für die Ausbildung von Piloten gebraucht.
Sowohl Ersatzteile als auch Sonderausrüstung für die CH-53 gibt es nicht einfach zu kaufen. Der amerikanische Hersteller hat Lieferprobleme, da auch die Amerikaner großen Bedarf haben. Und dank der aufwendigen Genehmigungsverfahren können nicht einfach Ersatzteile anderer Produzenten verbaut werden. Das führt dazu, dass für den Einsatz nicht genug Transporthubschrauber vorhanden sind. Schon bisher kann die Bundeswehr nicht ihr gesamtes Einsatzgebiet – das in Zukunft noch wachsen wird – mit ihnen abdecken, und im Dezember 2007 hatte man drei Tage lang keine einzige Maschine zur Verfügung, auch nicht für Notfälle.
Für die Ausbildung gibt es ebenfalls nicht genug Hubschrauber. Selbst Simulatoren existierten bisher nicht, damit Piloten Start und Landung unter Staubbedingungen üben können. Die Folge: Erst im Einsatz können sie lernen, was sie für den Einsatz brauchen.
Genau das gleiche Problem besteht bei gepanzerten Fahrzeugen wie dem Dingo. Bis zu 500 Stunden müsse man üben, bevor man diese im Einsatz sicher steuern könne, sagt Robbe. Fast die Hälfte der Kraftfahrer wird jedoch ohne die notwendige Ausbildung nach Afghanistan geschickt.
- Datum 04.03.2008 - 08:23 Uhr
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Der unzureichende Ausrüstungszustand der Bundeswehr ist nichts neues und wahrlich kein Einzelfall in unserer Gesellschaft. Das betrifft ebenso die Polizeien, Feuerwehren und Jusitizbeschäftigten sowie die Exekutivkräfte im Gesundheitswesen in unserem Lande. Weil ich als Insider einer Behörde das Loyalitätsprinzip zu befolgen habe, halte ich meine Anwürfe allgemein. Folgende kritische Thesen stelle ich zur Diskussion: 1. Es gibt einen unseligen Trend in diesen Zeiten - es erscheint bedeutend einfacher, Menschen durch Technik ersetzen zu wollen, anstatt Menschen in ausreichender Zahl gut auszubilden, gerecht zu bezahlen und wertgeschätzt an "die Front zu schicken". 2. Sehr häufig wird den Mitarbeitern der genannten Dienste von den "Finanziers" der Eindruck übermittelt, dass sie eigentlich nur lästige Kostenfaktoren sind, die es möglichst effektiv zu minimieren gilt.3. Die administrativen/politischen Ebenen blähen sich immer weiter auf, die ursprünglich vorhandenen Fachleute werden nicht mehr ersetzt oder aus den Positionen gedrängt und durch angepasste Wasserträger "aufgefüllt". Die Verantwortlichen/Führenden wollen keine wirkliche Beratung ob der notwendigen, fachlich korrekten Maßnahmen, sondern mundgerechte Billiglösungen mit angemessenem "Propagandawert" damit die nächste politische "Machterhaltungsrunde" zu ihren Gunsten verbucht werden kann.Das ist eine fatale Entwicklung, weil sie nachhaltig die Substanz unserer Gesellschaft in Frage stellen wird. Ursprüngliche Errungenschaften unserer Nachkriegsgesellschaft, wie z.B. ein gutes und funktionierendes Gesundheitssystem, werden mit Beliebigkeit und leeren Phrasen auf dem Altar des Geldes geopfert.Da ich geborener Optimist bin, kurbele ich unverdrossen an meiner Position das Hamsterrädchen - doch immer häufiger beschleicht mich folgende Liedzeile - ...feste Jungs, macht nur weiter so, ihr bekommt schon alles kaputt...
Zu dicke Soldaten? Schon vor 20 Jahren war die Verpflegung bei der Bundeswehr so mies, daß sie in jedem Asylantenheim zu berechtigten Protesten geführt hätte.
Die ungesunde Kalorienpampe durch Bewegung ausgleichen zu wollen ist absurd und läßt sich allenfalls medienwirksam verkaufen. Die Soldaten könnten bis zur Knieerweichung Waldlauf machen und würden das angefütterte Gewicht nicht verlieren.
Das Modethema Übergewicht nährt in Deutschland eine ganze Zunft von Ärzten, Therapeuten, Ratgeberautoren und phantasielosen Journalisten.
Körperliche Bewegung ist für gesundes Leben unerläßlich. Das ist keine Frage. Schlechte Ernährung ausgleichen kann sie nie. Ein einfaches Nachrechnen von Kalorienzuführung und Kalorienverbrauch würde diese Geisterdebatte schnell entlarven.
Bei Polizei, Bundeswehr und ähnlichen Institutionen müssen die Bewerber einen Fitnesstest absolvieren. Wenn kurze Zeit nach dem Fitnesstest eine erhebliche Gewichtszunahme festzustellen ist, wäre es höchste Zeit über ein gesundes Kantinenessen nachzudenken.
Das jetzige Niveau der Diskussion über Ausrüstung und Zustand der Bundeswehr zeigt deutlich auf weshalb Deutschland bei den Pisa-Studien so mittelmäßig abschneidet. Deutschland, das Land der Dichter und Denker, das war einmal.
Heute ist Deutschland das Land der geistigen Luftblasen, Lautsprecher und Schönfärber.
Der Wehrbericht liest sich wie die Vollzugsmeldung der Zivilisierung
der "Truppe": mission acomplished, die BW ist ein gesellschaftlicher
Teilbereich, wie andere Bereiche auch. Er ist ein Teil des öffenlichen
Dienstes.
Was macht man da? Man trinkt Kaffee. Man bewegt sich wenig (wozu auch? am Computerarbeitsplatz?).Das
ist natürlich zynisch. Tatsache ist, daß es der Politik an einem
gesellschaftlichen Sicherheitskonzept fehlt, deren Bestandteil die
Bundeswehr zu sein hätte. Der Aufgabenkatalog ist viel zu schwammig
definiert (Verteidigung am Hindukusch), als daß es zu einer
aufgabenadäquaten Ausstattung käme.Die unzureichende
Finanzierung ist dabei nur Symptom, nicht Ursache. Gäbe es den
politischen Willen, eine deutsche Armee mit klaren Aufgaben
vorzuhalten, so wäre auch das Geld vorhanden. Statt dessen wird
Sicherheitspolitik zum Bestandteil industriepolitischer Standortpolitik
(Großaufträge an Rüstungshersteller für Gerät, was keiner braucht) -
auf diese Weise hält ein betriebswirtschaftliches Denken Einzug in den
Wehrbereich. Bei fehlenden Mitteln führt das zu "Mittelumverteilungen"
und zum Kampfkraftverlust der Truppe.
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